Energie darf kein Luxusgut werden. Winfried Kretschmann

Exkursion nach Baden-Württemberg

Lange Zeit fühlte sich die Berliner Start-up-Welt an wie eine große Familie. Nun wird deutlich, dass der Wettbewerb größer wird und die Bandagen härter, mit denen um Marktanteile gekämpft wird. Am Ende werden hier neue Weltmarktführer geboren.

Als ich vor vier Jahren die Idee, das Debatten-Magazin The European zu gründen, mit anderen Gründern und Investoren zu diskutieren begann, hing der Start-up-Himmel voller Geigen. Der Markt schien schier unendlich, neue Modelle sprossen aus dem Boden. Die Bewertungen waren angemessen, keine Blase kündigte sich an. Es war eine gute, kollegiale Stimmung in der Branche.

Großer Markt für neue digitale Commerce-Modelle

Apps waren das große Ding, aber auch neue Portale, die den E-Commerce auf eine neue Stufe stellen wollten. Wer hatte bis dato schon mal Möbel im Internet bestellt? Die wenigsten. Also war da ein Markt. Und wenn man in wenigen Jahren von gar niemand auf fünf Prozent Marktanteil kommen würde, dann wäre das schon etwas. Unbenommen. Amazon hat es vorgemacht. Zalando ist mittlerweile eine der bekanntesten Marken in Deutschland. Hinter den E-Commerce-Plattformen liegen Prozesse der Old Economy. Vertriebsthematiken, vor allem: Wie schafft man es, innerhalb kürzester Zeit ein Paket mit Bestellungen zusammenzupacken und dem Kunden zu schicken? Wie etabliert man Möglichkeiten sicherer Zahlungsabwicklung und Rücknahmeprozesse, die das Business nicht ganz zerschießen?

Zu Jahresbeginn gab es in der Branche ein Aufeinandertreffen von zwei Angeboten, die im Bereich des Lieferservices zu Konkurrenten herangewachsen sind: Delivery Hero und pizza.de. Da wurde deutlich: In den vergangenen Jahren haben sich Felder herauskristallisiert, in denen ein deutlicher und großer Markt besteht für neue digitale Commerce-Modelle. Und es sind nicht Möbel. Es sind Belange des täglichen Lebens, Essen gehört dazu. Unabhängig davon, wer in dem bestehenden Konflikt wie recht oder unrecht hat, wird deutlich: Die Felder, in denen richtig viel Geld zu verdienen ist, sind, im Vergleich zu vor vier Jahren, deutlicher und klarer parzelliert.

Der Kampf wird härter. Es stehen sich nicht Akteure aus verschiedenen Ländern gegenüber; es geht nicht um Produkte, die in den USA beispielsweise erfolgreich waren und hier in Deutschland kopiert werden. Es geht darum, dass Akteure, die sich unter Umständen täglich hier in Berlin über den Weg laufen, zu Konkurrenten werden. So hat sich das vor vier Jahren hier noch nicht angefühlt.

Der Kampf um die Spitze wird härter

Das ist ein Zeichen dafür, dass die Branche erwachsen geworden ist und an Relevanz gewonnen hat. Wer mit einem Business-Modell wie Delivery Hero erfolgreich sein will, der hat einen weltweiten Markt, auf den er sich Schritt für Schritt konzentrieren muss. Zukäufe in anderen Ländern belegen das. Längst geht es nicht mehr nur darum, in einer Garage „das nächste große Ding“ zu programmieren und reich zu werden, sondern Unternehmen aufzubauen, die global operieren und erfolgreich sind. Wenn einige davon derzeit in Berlin entstehen, umso besser. Gleichzeitig wird die Luft enger und der Kampf um die Spitze härter.

Das ist eine Wachstumsphase, in der das neue Business von der sogenannten Old Economy lernen kann. Nicht wenige Weltmarktführer sitzen unangefochten im Süden des Landes. Auch sie agieren in einem international hart umkämpften Markt. Was sie erfolgreich macht? Vielleicht wäre eine kleine Exkursion nach Baden-Württemberg keine schlechte Idee.

Newconomy ist die neue Kolumne der Berliner Start-up-Industrie. Sie beschreibt Szenen auf der Schnittstelle zwischen neuer und klassischer Ökonomie, zwischen Politik und Unternehmertum. Newconomy ist gesponsert durch die Factory, der neue Start-up-Standort in Berlins Mitte
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