Was ist ein Einbruch in eine Bank gegen die Gründung einer Bank? Bertolt Brecht

Starke Haltung bitte!

Geheimhin werden Menschen für ihren starken Charakter gepriesen und dafür, sich durchzusetzen. Doch es ist viel wichtiger, seine eigenen Haltungen abwägen zu können.

Jeder kennt diese Meetings: Sie laufen eine Stunde, das Wichtigste ist gesagt, nun muss entschieden werden – doch dann beginnt die Schleife. Alle Anwesenden sagen noch mal das, was sie schon zu Beginn des Treffens gesagt haben. Woran das liegt? Es liegt vor allem daran, dass man ihnen in der Schule, zum Beginn des Studiums oder der Bewerbung um ein Stipendium gesagt hat, dass sie sich stark präsentieren sollen. Dass sie affirmativ sein sollen: „Ich möchte noch einmal unterstreichen, dass…“.

Starke und schwache Meinungen

In Berlin kann man dieses Verhalten schon früher erleben, wenn es den Kindern im Prenzlauer Berg beigebracht wird: „Du musst dich durchsetzen Sophie“, sagt der Papa an der Kasse und ermutigt das Kleinkind, sich in der Schlange im Bio-Ökomarkt vorzudrängeln. Das wird nicht gut gehen im Leben, für die kleine Sophie. Und deshalb sitzt Sophie so wie andere Menschen später als Erwachsene im Meeting und unterstreichen vor sich hin, was sie vorher schon unterstrichen haben. Sie haben das Gefühl, sich so maximal durchzusetzen. Nur: Wie kann ein solches Meeting denn jemals und mit Ergebnissen enden?

Im Management von Start-ups wird unterschieden zwischen starken Haltungen und schwachen Haltungen. In der Diskussion markieren die Gesprächsteilnehmer ihre Standpunkte und klassifizieren sie für sich nach Wichtigkeit. Diese Wichtigkeit wird nicht durch den Stand der Sterne bestimmt, sondern durch Abwägen einzelner Faktoren – beispielsweise: Wie viel verstehe ich von dem gerade diskutierten Sachverhalt?

Dabei ist es eine Wahrheit, dass alle, die bei einem Meeting am Tisch sitzen, Interessen haben: das Interesse, dass ihre Vision sich durchsetzt. Das Interesse, im Gefüge der Company eine gute Position zu erlangen, zu bewahren oder auszubauen. Diese Interessen beschreiben das eigentliche Problemgefüge, wenn ein Meeting einmal nicht zum Ende kommen will.

Die Orientierung am Sachargument ist da das einzige, was hilft. Habe ich eine starke Haltung, die sich aus meinem Wissen und meiner Erfahrung speist, dann äußere ich das und zeige damit den Umsitzenden an, dass diesem Punkt besonders entgegen argumentiert werden muss, sollte man mich davon abbringen wollen.

Starke Haltung oder schwache Haltung sind Termini, die nicht besonders sexy klingen. Was sie beschreiben, kann auch anders ausgedrückt werden. Bei The European sagen wir, wenn wir schwache Haltung sagen wollen „Da bin ich nicht verheiratet mit.“ Oder, umgekehrt, wenn etwas als starke Haltung bekräftigt werden soll: „Damit bin ich verheiratet.“ Es ist klar, dass diese Äußerungen sich nicht auf den Familienstand beziehen, sondern das innige Zueinander einer Haltung und dem, der sie äußert, beschreibt.

Meetings im Stehen

Spätestens wenn die Luft im Meetingraum schlecht wird, ist klar, dass das Kränzchen zu lange dauert. Nennen Sie starke und schwache Haltung, wie Sie wollen. Artikulieren Sie beides und ermöglichen Sie so, einen sachorientierten Verlauf des Meetings und Ergebnisse. Wenn das nichts hilft, machen Sie Ihre Meetings im Stehen – das beschleunigt die Kompromissbereitschaft.

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