Die katholische Kirche in Deutschland ist intellektuell ausgezehrt. Das war zu Zeiten der Industrialisierung anders, das war zu Zeiten der ökologischen Bewegung anders, das war im Streit um den Paragrafen 218 in den 80er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts noch anders. Heute findet eine Auseinandersetzung zu Themen wie PID, Sterbehilfe, AIDS-Bekämpfung, Stammzellforschung immer nur im Rückwärtsgefecht und in Ablehnung der Neuerung statt.
Kein einziges Mal wird in die Richtung der positiven Möglichkeiten beispielsweise medizinischer Errungenschaften gedacht. Nachdem ich im vergangenen Jahr den Vorsitzenden der Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch, bei der Verleihung des katholischen Medienpreises über „elektrische Medien“ habe reden hören, in einer Laudatio, in der er in leierndem Singsang auch noch auf Facebook und seine Nachteile zu sprechen kam, habe ich den Zug der Erneuerung ein weiteres Mal in rauschendem Tempo an meiner Kirche vorbeifahren hören.
Stillstand ist der Vorbote des Untergangs
Haben Religionen nicht etwas Bewahrendes, ist dieser Auftrag nicht ihr evolutionärer Vorteil? Ein Vorteil vielleicht, aber nicht ihr Alleinstellungsmerkmal! Wenn Religionen im Status quo einfrieren, sterben sie ab und am Ende aus. Der Untergang der islamischen Welt, als Behauptung von Hamed Abdel-Samad in einem gleichnamigen Buch hervorragend ausgeführt, ist eine interessante Parallele zu den Entwicklungen in der katholischen Kirche in Deutschland. Seine These, dass das Aufbäumen des islamistischen Extremismus nicht der Beginn einer neuen Stärke des Islam sei, sondern Vorbote seines endgültigen Untergangs, basiert wiederum auf Dan Diners These von der versiegelten Zeit:
Dort, so Diner, wo Religion, in Rechtsnormen durchkodifiziert, Entwicklung verunmöglicht, tritt totaler Stillstand ein. Ein ebensolches Bild bietet die katholische Kirche in Deutschland: ihre Amtsträger und ihre in Gremien aktiven Laien gleichermaßen. Die Themen sind seit 45 Jahren dieselben, die Akteure, die sie verhandeln, sind dieselben, die Sprache, in der sie die Auseinandersetzung führen, ist dieselbe. Semper idem.
Katholische Wahhabiten im intellektuellen Tiefflug
Im Moment führt die katholische Version des Ying-Yang einen Streit im Vorfeld des Papstbesuchs im September. Politiker der CDU, die selbst aktive Katholiken sind, schreiben einen offenen Brief, in dem sie sich der Zölibatsproblematik annehmen. 144 Theologen formulieren einen Brandbrief an die Bischöfe. Sie fordern alles vom Frauenpriestertum bis zur Homo-Ehe.
Der Duktus dieser Äußerungen ist, siehe oben, der der 60er-, vielleicht der 70er-Jahre. Entlarvend schon die Vokabeln von Amtskirche und Hierarchie. Sie sind dergestalt kodifiziert, dass sich beide Seiten in totaler Abgeschiedenheit von der Gesamtgesellschaft aneinander abarbeiten können. Nur: Der Untergang des einen bedeutet auch den totalen Bedeutungsverlust des anderen. Enemy mine. Geliebter Feind. Entwicklung ist so strukturell verunmöglicht.
Einstige Größe – Kopernikus, Darwin, Mendel
Die ungeschminkte, reine Wahrheit ist, meine Damen und Herren im abgeschiedenen professionalisierten Kirchendiskurs, dass der Glaube an Gott immer weniger plausibel ist – ganz egal, ob der Glaube an den Gott der Christenheit oder den der Muslime. Von den Himmelswesen und Erdgeistern, von denen der Dalai Lama gerne bei seinen Deutschlandbesuchen spricht, müssen wir hier gar nicht erst anfangen. Die Fragen heute sind andere als die Mitte der 60er-Jahre.
War der Glaube an Gott irgendwann einmal plausibeler? Das steht auf einem anderen Blatt. Die christliche Religion hatte aber über Jahrhunderte die Dynamik und das Potenzial, über ihr unablässiges Fragen nach dem Urgrund der Welt die Naturwissenschaften zu bereichern. Nicht umsonst wurden einige der größten Entdeckungen der neuzeitlichen Naturwissenschaften von christlichen Theologen gemacht: Kopernikus, Darwin, Mendel. (Ich bitte an dieser Stelle, geneigte Leserbriefschreiber, mich in den dafür vorgesehenen Spalten unter dieser Kolumne mit Hinweisen auf bspw. Galileo Galilei zu verschonen. Das ist hier heute mal nicht der Gegenstand der Abhandlung.)
Näher, mein Gott, zu Dir – der Titanic-Song nun auch zum Untergang des deutschen Katholizismus
Die Neugierde auf Mehr war ein Näher-zu-Gott und nicht das Gottseibeiuns des dauerhaften Dammbruchs, von dem heute bei jeder technologischen Neuerung die Rede ist. Fides quaerens intellectum – der Glaube, der die Vernunft befragt. Der größte Gelehrte der Gegenwart, der sich auf dieser philosophischen Ebene mit dem Zueinander von Entwicklung und Bewahrung, Vernunft und Glaube beschäftigt, ist Joseph Ratzinger. Das läuft so manchem Mentalitätswahhabiten im deutschen Klerus gar nicht gut rein, ändert aber nichts am Wahrheitsgehalt dieser Aussage.
Das Zweite Vatikanum war eine Reaktion auf das Erste Vatikanum, das 1870 schon 200 Jahre verspätet auf die Entwicklungen der neuzeitlichen europäischen Moderne einzugehen versuchte. Wie kann man stilbildend sein, wenn man immer einige Jahrhunderte zu spät ist?
Leichnam im barocken Gewand
Die katholische Kirche in Deutschland kann erst wieder an Kraft gewinnen, wenn sie sich traut, aus der Nische ihrer selbstreferenziellen Diskurse auszubrechen und den Mief der Filterkaffee-mit-superfetten-Milchdöschen-ich-bin-so-gottverdammt-kritisch-Runden zugunsten eines Aufbruchs zurück in die Weiten der Weltkirche hinter sich lässt.
Die Kirche, so sagten es die Theologen des Zweiten Vatikanums, sei „semper reformanda“ – sich stets erneuernd. Daran sollen sich die Konzilsfossile beider Seiten in Deutschland einmal erinnern.












Gott muss die deutschen Katholiken, gerade in ihrem Untergang, besonders lieben!
Just in dem Moment, in dem der theologische Hochadel in Gestalt von 144 Gelehrten und angesehene CDU-Politiker am Bazillus des Zölibats und des Frauenpriestertums kollabieren und führende Vertreter des Episkopates in Gestalt von Lehmann und Zollitsch, diesem Themenkreis raumbietend, degenerieren, sendet er uns die bezüglich ihrer Eloquenz erzengelgleichen Schreiberlinge Görlach und Kissler, umwebt vom Geiste des “größten Gelehrten des Jahrhundert`s, Joseph Ratziger”.
Wie sich einst der egozentrische, selbsternannte Apostel Saulus über die echten Apostel Petrus, Jakobus und Andreas erhob , glauben sie , den “leiernden Singsang” Zollitsch`s und Lehmann`s “wilde Keilerei” gegen des Vatikans Brand meister, pardon Brandmüller, inquisitorisch anprangern zu müssen.
Da kann Görlach nur noch von alten Zeiten träumen, als die Kirche neue Erkenntnisse der Naturwissenschaften nur so am Fließband produzierte.
Selbst, wenn ich die Folgen für die Wissenschaftler auf Bitten Görlachs beschämt verschweige, muss zumindest gesagt werden, dass noch 1907 im Dekret “Lamentabili” alle Errungenschaften der Moderne ( Rationalismus, Naturalismus, Liberalismus Demokratie etc.) als Irrtümer der Moderne verurteilt wurden.
Ratzinger ,als Repräsentant der " Kirche von oben" wird in Deutschland auf eine lebendige "Kirche von unten " treffen. Allerdings, eingedenk der Tatsache, dass kaum ein Katholik sich zu den Fundamenten, den gottgegeben Glaubenswahrheiten (den Dogmen von der unbefl. Empfängnis oder leibl. Aufnahme Mariens, Wandlung, Unfehlbarkeit etc) bekennt, muss man Fragen , ob das wirklich die Kirche Ratzingers ist.
Wenn dann den Teenagern beim Jubeln wieder die Kondome aus den Handtäschlein fallen, was Joh.Paul II. bereits bemerkte, wird man wieder übersehen, aus welchen Gründen sie eigentlich in`s Jugendcamp gekommen sind. Hauptsache, die Illusion lebt!
Was soll man mit so einem Artikel jetzt anfangen? Worum geht es hier eigentlich? Hier wird keine der beiden Seiten innerhalb der dt. katholischen Kirche auch nur annähernd richtig verstanden. Die Verklärung der Amtskirche in der Vergangenheit ist ebenso wenig von der Wirklichkeit gedeckt wie die Motivlagen, die die Kritiker in Wissenschaft und ZdK angeblich antreiben sollen. Und offenbar gibt es auch kein Bild davon, was denn wohl in den Weiten der Weltkirche zu finden sein könnte. Ich habe wenig Veranlassung, Bischof Zollitzsch gegen Kritik in Schutz zu nehmen, aber wenn man ihm als besondere Beleg für Hinterwäldlertum vorwirft, dass er vor den Gefahren von facebook warnt, dann sollte man sich doch mal ansehen, was sonst maßgebliche Meinungsmacher in der Gesellschaft dazu für Schwachsinn produzieren. Da ist er jedenfalls noch in ziemlich guter Gesellschaft. Flippige Formulierungen in diesem Artikel tarnen jedenfalls den Wunsch, auch zu diesem Thema noch irgendetwas in die Welt setzen zu müssen, nur dürftig. Schade!
Was soll man mit so einem Artikel jetzt anfangen? Worum geht es hier eigentlich? Hier wird keine der beiden Seiten innerhalb der dt. katholischen Kirche auch nur annähernd richtig verstanden. Die Verklärung der Amtskirche in der Vergangenheit ist ebenso wenig von der Wirklichkeit gedeckt wie die Motivlagen, die die Kritiker in Wissenschaft und ZdK angeblich antreiben sollen. Und offenbar gibt es auch kein Bild davon, was denn wohl in den Weiten der Weltkirche zu finden sein könnte. Ich habe wenig Veranlassung, Bischof Zollitzsch gegen Kritik in Schutz zu nehmen, aber wenn man ihm als besondere Beleg für Hinterwäldlertum vorwirft, dass er vor den Gefahren von facebook warnt, dann sollte man sich doch mal ansehen, was sonst maßgebliche Meinungsmacher in der Gesellschaft dazu für Schwachsinn produzieren. Da ist er jedenfalls noch in ziemlich guter Gesellschaft. Flippige Formulierungen in diesem Artikel tarnen jedenfalls den Wunsch, auch zu diesem Thema noch irgendetwas in die Welt setzen zu müssen, nur dürftig. Schade!
Die katholische Kirche hat sich seit Anbeginn ihrer Existenz reflexhaft gegen jede technische, wissenschaftliche, kulturelle und soziale Neuerung gewehrt. Sie ist immun gegen neue Erkenntnisse und Erfahrungen.
Der augenblickliche Papst ist ein besonders abschreckendes Beispiel für das Verlangen, gesellschaftlichen und wissenschaftlichen Fortschritt zu leugnen, zu bekämpfen und das Verharren auf den Knien vor einem nichtexistenten Gott als einzigen Zustand menschlicher Existenz zuzulassen.
Was dieser extrem ignorante, kleinliche und ängstliche Greis meint, wenn er von der “Diktatur des Relativismus” spricht, wurde besonders deutlich, als er in einer Rede an der Sorbonne tatsächlich behauptete, die Drohungen mit Folter und Exkommunikation gegenüber Galileo Galilei seien letztendlich doch rechtens gewesen. In einer abenteuerlichen Volte behauptet dieser menschenfeindliche Papst, Galilei habe seine Thesen zu seiner Zeit nicht beweisen können, er habe also deren Wahrheit nicht letztendlich und schlüssig darlegen können. Die Kirche aber, als Mutter und Wahrerin der Weisheit, habe die Menschen vor vermeintlichen Irrlehren beschützen müssen, um sie nicht zu verwirren. Daß nach 400 Jahren erst Johannes Paul II. Galilei doch noch kanonisierte, habe damit zu tun, daß heute dessen Thesen bewiesen werden könnten.
Ein solches Wissenschaftsverständnis ist bodenlos dumm! Es ist auch menschenfeindlich. Die Kirche kann und darf sich nicht irren – also dürfen es Wissenschaftler auch nicht! Die Kirche muß führen und die Menschen gegebenenfalls auch in Dummheit belassen, nur damit sie, die Kirche, ihre Führungsposition und Deutungshoheit über alles behält.
Recht eigentlich entlarvt sich hier der Allmachtsanspruch der Kirche und eines grausamen Greises, der nicht der intelligente Theologe ist, als der er immer gepriesen wird. Nein, Ratzinger ist wie seine Kirche, kleinmütig und engstirnig, engherzig und bösartig. Dieses “Argument” gegen Gallilei rechtfertigt jede Grausamkeit, jede Unmenschlichkeit und jedes Verbrechen der Kirche!
Diese katholische Kirche ist wie alle Religionen nichts weiter als eine Institution der Infamie und der Dummheit, der Angst und der Grausamkeit.
Wer so denkt wie der Papst, der muß sich auch gegen jede Neuerung wehren – selbst wenn sie überprüft und irgendeinmal auch wieder verworfen wird. Nur so schließlich entsteht Fortschritt.
Aber Ratzinger, die deutschen Bischöfe und der gesamte Vatikan wollen keinen Fortschritt, sondern das Verharren der Menschen in Unmündigkeit und Angst, weil sie selbst voller Angst sind und obrigkeitsgläubig bis zur Selbstaufgabe.
Diese Kirche ist ein Feind der Menschheit und gehört abgeschafft!
Zum Thema Galileo Galilei empfehle ich die Lektüre eines Interviews mit Kardinal Brandmüller (http://www.zenit.org/article-17958?l=german) oder eine simple Beschäftigung mit den historischen Fakten im Lichte der damaligen Zeit. Georges Lemaître wäre ein interessanter Einstiegspunkt bzgl der wissenschaftsfeindlichkeit der Kirche. Ich bin mir zwar nicht sicher, ob da bei einem Menschen, der in tumbem Haß so apodiktisch formuliert, irgendetwas hängen bleibt (hängen bleiben darf – man will ja die schön übersichtlich in etikettierte Schubladen eingeteilte Welt nicht zu sehr in Unordnung bringen), aber sei’s drum…
Ich habe übrigens von Josef Ratzinger, Papst Benedikt XVI noch nie und nirgends auch nur ein Wort gehört, welches an Gehässigkeit, Verleumdung und Ignoranz dieser Tirade ansatzweise nahe kommt. Er hat wahrscheinlich vor lauter “Menschenfeindlichkeit” keine Zeit, da auch noch Leistung zu bringen…
Immer wieder schön zu sehen, wie entspannt Menschen sind, die von einem nichtexistenten Gott reden. Immer wieder beruhigend, zu erfahren, was den Gläubigen blühen kann, sollte Ihresgleichen irgendwann einmal das Szepter schwingen. Da werden sich nicht wenige nach der ach so blutigen Inquisition zurücksehnen.