Kommunikation gehört untrennbar zum menschlichen Wesen. Hans-Christian Ströbele

Das Lob der Angst

Ihr liebt das Leben, wir den Tod. Das Credo islamistischer Gotteskrieger braucht uns nicht schrecken. Die bärtigen Steinzeitfundis sind der Sargnagel der islamischen Welt. Von dort geht keine Gefahr für uns aus.

Angst hat etwas Gutes. Die Angst vor dem Terror hat etwas Gutes. Denn: Angst schärft den Blick, Angst reduziert auf das Notwendigste. Angst macht wachsam. Die gegenwärtige Situation schärft den Blick für die Freiheitlichkeit, in der wir leben. Das Notwendige ist, diese Freiheit zu sichern. Wegen der Angst vor einem Anschlag fragen wir uns: Wer bedroht uns und warum?

Und wenn wir uns ehrlich die Antwort auf diese Frage geben, können wir schon wieder durchatmen: Es sind ein paar bärtige Freaks, die in einem Korsett steinzeitlicher Überzeugungen uns aus der Bahn bomben wollen. Wie Hamed Abdel-Samad treffend in seinem Buch “Der Untergang der islamischen Welt” analysiert, begegnet uns in der Aggression des totalitären Islam nicht die ganze Vitalität einer vor Kraft strotzenden, zur Expansion bereiten Kultur, sondern ihr letztes Aufbäumen.

Wer liebt das Leben, wer den Tod?

Der totalitäre Islam heute ist nicht eine Antwort auf eine verfehlte westliche Politik. Er ist der Schrei der geschundenen, meist jungen und männlichen, Kreatur, die unter einer erstarrten Kruste aus Moralismus, politischem Despotismus und wirtschaftlichem Unvermögen leidet und ausbrechen möchte – und dabei immer wieder auf ein anderes kulturelles Konzept stößt, das dem eigenen himmelhoch überlegen ist. Das produziert Ablehnung, das produziert Hass.

Ihr Hass führt zu Fehlentscheidungen. Unsere Angst hilft, die richtigen Schritte zu erkennen. “Ihr liebt das Leben, wir den Tod.” Besser als dieser bekannte und oft zitierte Satz von islamistischen Terroristen belegt nichts meine These vom Irrweg des bombenden Islamismus: Wenn der Hass dazu führt, dass man sein eigenes Leben so gering schätzt, für nichts mehr wert, als Träger einer Bombe zu sein, überwindet der Hassende am Ende noch den Lebens- und Überlebenstrieb, den die Natur für jeden Menschen vorgesehen hat. Nicht die, die ihr Leben lieben, liegen falsch, sondern die, die es verachten. Ich kann mir nicht vorstellen, dass es in der islamischen Religionsgeschichte nicht auch Gelehrte und Theologen gegeben hat, die das auch so gesehen haben.

Rasieren und waschen

Wir müssen jetzt wachsam sein, dass wir die Freiheitlichkeit unserer Kultur nicht verlieren. Nicht an überbordende Sicherheitsgesetzte. Nicht an Vorurteile gegenüber türkischen Gemüsehändlern. Wir müssen wachsam sein, dass Ressentiments nicht erst zu Unfreiheit für bestimmte Bevölkerungsgruppen führt und dann zu Hass gegenüber ihnen. Dann hätten die Islamisten uns mit ihrer Ideologie infiziert, mit einem religiösen Irrglauben, der alles, jede Regung, als endzeitliche Schlacht um die Wahrheit Allahs sieht.

Wir haben unser Leben selbst in der Hand. Es gibt kein Schicksal und keine Fügung, Freiheit macht Arbeit. Rasieren und waschen – dann habt Ihr in drei Wochen einen Job. Das möchte man den Islamisten – es ist ein Zitat von Kurt Beck gegenüber einem zotteligen Demonstranten – gerne zurufen.

Lesen Sie weitere Meinungen aus dieser Debatte von: Florian Hartleb, Louise Comfort, Jost Kaiser.

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