Eine Summe von Nullen kann durchaus eine stattliche Zahl ergeben. Guido Westerwelle

Was will ich und wenn ja, wie oft

Ist unser Wille frei oder ist er es nicht? Die alte philosophische Frage reißen sich einige Neurologen unter den Nagel. Wir seien nicht frei, wir bildeten uns unsere Freiheit nur ein ist ihre Botschaft. Sie sind nun gekommen, um uns von dieser Verblendung zu befreien. In Wahrheit will eine neue Religion, als Naturwissenschaft getarnt, uns erneut versklaven. Dagegen müssen wir uns wehren!

Wir sind nicht verantwortlich für das, was wir tun. Unser Handeln basiert nicht auf den Abwägungen eines freien Willens. Das Reden vom freien Willen ist eine soziale Konvention. Damit beziehen sich nur Menschen aufeinander, um so ihr Handeln voreinander zu plausibilisieren. Das sagen einige bedeutende Neurologen, die mit der Behauptung, dass es keinen freien Willen gäbe, einen Jahrtausende alten Streit der Philosophen beenden möchten.

Um was geht es dabei? Auf einen Punkt gebracht: Bin ich Herr meiner Handlungen, entscheide ich, was ich tue, oder ist das, was ich tue, durch die Biologie und/oder meine soziale Prägung vorherbestimmt, und es scheint nur so, als ob ich mich frei entscheiden würde?

Espresso oder Rotwein?

Ist diese Frage wichtig? Die Frage nach dem freien Willen des Menschen endet nicht bei der Überlegung, ob ich durch Werbung, Erziehung oder andere Formen von Prägung zu einem bestimmten Verhalten konditioniert bin. Die spannende Frage ist die, ob ich in einer neuen Situation in der Lage bin, aus all dem Gelernten und dem Konditionierten Ableitungen zu treffen, die in neue Entscheidungen münden.

Überlegen Sie mal: Sie haben morgens sicher einen zeitoptimierten Ablauf. Aufstehen, Zähne putzen, duschen. Irgendwann einmal haben Sie sich dieses Vorgehen überlegt oder Sie haben es von Ihren Eltern oder einem Partner übernommen. Seitdem machen Sie das so und Sie reflektieren dieses Tun auch nicht täglich. Das würde zu viel Zeit kosten. Etwas komplexer wird es bei diesem Beispiel: Ich saß neulich im Restaurant und hatte nach dem Essen ein Glas Rotwein und einen Espresso vor mir stehen. Ich war mir nicht schlüssig, ob ich erst den Wein austrinken und dann den Espresso zu mir nehmen sollte. Ich wollte vermeiden, dass der Geschmack des einen Einfluss auf den Genuss des anderen nimmt.

Der Neurologe wird zum Hohepriester

Um die Entscheidung zu treffen, suchte ich nach Erfahrungswerten aus der Vergangenheit. Ich konnte mich an keine ähnliche Begebenheit erinnern. Wie auch immer ich mich entscheiden würde: Es würde eine freie Entscheidung sein, nicht von der Erfahrung getragen oder getrübt.

Die Behauptung, dass wir uns nur einbilden, einen freien Willen zu haben, dass uns quasi von unserem Hirn suggeriert werde, wir hätten gerade eine freie Entscheidung getroffen (Rotwein oder Espresso), kreiert eine neue Form der Metaphysik, die die Naturwissenschaft doch eigentlich zu überwinden sucht. Indem ich sage, eine Sache ist so oder so, du kannst sie nur selbst nicht in dieser Weise erfahren, wird die Neurologie zur Religion und der Neurologe zum Hohepriester.

Prägungen und Konventionen sind veränderbar

Frei zu sein ist für den Menschen der mühsamere Weg. Im Suchen der Neurologen nach unserer Unfreiheit drückt sich das Unbehagen an unserer menschlichen Natur aus. Freiheit bedeutet Verantwortung. Konditionierung und Prägung sind kein Schicksal, sondern abänderlich – manchmal dauert es ja, um aus Kreisläufen, die einem die Erziehung aufgepfropft hat, auszubrechen. Dieses Verändern unserer Codierung ist aber – und das ist entscheidend – grundsätzlich möglich. Die Kraft der Reflexion, das Gespräch mit einem Außenstehenden. Es gibt nur in der Theorie so viele mögliche Lebenswege, wie es Menschen gibt: Ähnlichkeiten in Erziehung, vorherrschende Erziehungsideale in einer Epoche, Leitbilder, all das lässt sich herauskristallisieren und in Beziehung zur eigenen Lebensgeschichte setzen. Die so gegebenen Prägungen sitzen tief.

Von daher ist es genau andersherum: Weil sie so tief sitzen, erwecken sie den Anschein, dass sie unabänderlich seien. Sie sind es aber in Wahrheit nicht, wenn der Mensch den Wandel, die Veränderung möchte. Unsere eigene Entwicklungsgeschichte im Kleinen zeigt genauso wie die kulturelle und zivilisatorische Geschichte des Menschen, dass wir frei sind, uns zu verändern, dass wir frei sind, uns und unser Leben zu gestalten und unsere Umwelt zu verändern. Ich habe zuerst den Rotwein und dann den Espresso getrunken. Das war eine gute Entscheidung.

Leserbriefe

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    68er – 03.11.2010 - 12:34

    Lieber Herr Görlach,

    man kann das Wollen nicht wollen, auch Sie nicht. Es ist einfach da und wenn Sie das “frei” nennen wollen, sei Ihnen das unbenommen.

    Ich glaube Sie verwechseln hier Individualität und Freiheit im logischen Sinne. Ihre Individualität will Ihnen keiner nehmen, aber es bestehen auch aus meiner Sicht nicht unerhebliche Zweifel an der Behauptung, es gebe so etwas wie einen “freien Willen”.

    Es ehrt Sie, dass Sie die falschen Schlüsse, die bei diesem Thema dann meist gezogen werden, hier nicht auch noch gebracht haben, z.B. dass ohne freien Willen auch niemand bestraft werden dürfe. Das ist natürlich alles Mumpitz. Denn wie Sie richtig beschreiben, lässt sich das System Mensch ja durch bestimmte äußere Einflüsse manipulieren. Dazu gehört auch unser Strafsystem. Und das funktioniert auch ohne freien Willen, wenn der Mensch eine Art Maschine ist. Denn auch ein Computer reagiert beispielsweise auf äußere Regeln ohne dass er dazu einen freien Willen benötigte.

    Tatsächlich ist unsere Welt und der menschliche Organismus so komplex, dass der Anschein einer Freiheit entsteht, der für unsere derzeitige Gesellschaft als Zuordnungskriterium individueller Verantwortlichkeit offenbar eine konstituierende Kategorie darstellt.

    Damit kann ich leben. Und wer das nicht kann, soll sich einfach einreden, er sei frei, das schadet auch niemanden oder z. B. Gottvater leitet ihn….

    Beste Grüße in die fortschritllichste und tollste Stadt der Republik (wenn man Ihnen und Herrn Posener glauben schenken will)!

    Ihr 68er

    P.S.: Und grüßen Sie auch Ihre….

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    Ingo-Wolf Kittel – 06.11.2010 - 23:54

    Der These, “man kann das Wollen nicht wollen” provoziert geradezu die Antithese, dass man sich durchaus einen Willen bilden wollen kann, ja den Willensbildungsprozess sogar selbst beginnen muss, wenn man nicht “aus dem Bauch heraus” reagieren will – unwillkürlich, reflexhaft, automatisch oder wie immer wir für das unvermittelte, unüberlegte, unreflektierte und in diesem Sinn “unbewusste”, ja vielleicht sogar besinnungslose bloße “Reagieren” sagen können.

    Willensbildung besteht in einem persönlichen oder gemeinschaftlichen Entscheidungsprozess, der mit der Klärung der Ausgangssituation und der damit gegebenen Handlungsalternativen beginnt und in der (mehr oder weniger…) überlegten Entscheidung für eine der zur Verfügung stehenden Wahlmöglichkeiten endet.

    Jede Aussage, etwas zu wollen oder zu beabsichtigen, gar zu planen und gezielt anzustreben verweist deswegen auf eine vorgängige Entscheidung. Unser Begriff “Willensfreiheit” meint von daher “eigentlich” oder “im Grunde” Entschließungs- bzw. Entscheidungsfreiheit, die ihrerseits auf Wahlfreiheit beruht – um nur einige willens- oder volitionspsychologische Details hier zu nennen.

    Bewusstes Wollen dieser Art beruht demnach immer auf persönlichen Entschlüssen oder gemeinsamen Beschlüssen. Die Aussage, etwas zu wollen, verweist deswegen bei reflektierten Menschen stets auf eine vorgängige Festlegung darauf.

  • Theeuropean-placeholder
    68er – 07.11.2010 - 00:49

    Das ist ja das Dilemma:

    Und dieser “vorherigen Festlegung” geht entweder auch ein Willensbildungsprozess voraus mit einer “vorherigen Festlegung”, der eine Willensbildungsprozess mit einer “vorherigen Festlegung”vorausging (ad infinitum) oder aber diese “vorherige Festlegung” ist eben durch unseren menschlichen Organismus und dessen Zusammenspiel mit seiner Umwelt vorgegeben.

    Was beunruhigt Sie daran so sehr?

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    Ingo-Wolf Kittel – 07.11.2010 - 13:08

    Wie meinen, werter “68er”? Was sollte oder könnte denn da jemanden “beunruhigen”? Und warum eigentlich? Der logische Regress, den Sie da unter Missachtung des Sinnes des Begriffes “Festlegung” flugs konstruiert haben, ist doch wohl weiter nichts als ein schlichtes Eigentor. Und auch das kommt nur dadurch zustande, dass Sie dem logischen Gang meiner Darlegungen nicht konsequent bis zum Schluss gefolgt sein können.

    Eine bewusste, von sich aus und damit selbst vorgenommene willentliche “Festlegung”, um die es nach allem, was ich zuvor erläutert habe, bei meinen Darlegungen geht, ist stets ein einmaliger “Akt”, eine einmalige Handlung!

    Von selbst “folgt” aus ihr nicht nur nichts, weder real noch logisch! (Es wird damit ja nicht einmal festgelegt, ob die getroffene Entscheidung “in die Tat” umgesetzt wird. Man muss sich im Prinzip selbst zu ihrer “Umsetzung” in die Tat eigens entschließen, wie man sich auch willentlich auf einen Zeitpunkt festlegen oder mit anderen einigen muss, zu dem man damit beginnen will und noch vieles andere wie “Mittel und Wege”, über die ggf. auch noch eigene Entscheidungen herbeizuführen sind.)

    Eine willentliche Festlegung oder Entscheidung kommt auch niemals rein reflexhaft zustande, also quasi “automatisch” oder naturhaft wie ein Gewitter oder Wutausbruch, das “Verhalten” von Tieren, Kleinkindern oder gedankenlos “reagierender” Menschen. Was Sie schreiben, sieht dagegen eher danach aus, als scherten Sie alles über einen Kamm – noch dazu immer denselben.

    Nach meinen Feststellungen gehen Sie logisch offensichtlich durchgehend von dem schlichten Denkmodell aus, das als Doktrin oder Ideologie “mechanistischer Determinismus” genannt wird. Nur ist der simple Metaphysik, also nicht einmal naturwissenschaftlich.

    In den realen Naturwissenschaften wird das sog. “kausale Erklärungsmodell” verwendet. Wissenschaftstheoretisch ist es ein logisches Denkschema, das “deduktiv-nomologisches Erklärungsschema” genannt wird. (vgl. http://www.spektrum.de/artikel/1043087 )
    Sie können es mittlerweile sogar in der Wikipedia beschrieben finden.

    Dieses logische Schema wird in den Naturwissenschaften selbst – anderes dies als einzelne Naturwissenschaftler immer wieder tun, die Physik unbedingt zur Weltanschauung steigern, erheben, überdehnen, übertreiben, zuspitzen oder einfacher: einfach “machen” und damit genau genommen entstellen – niemals “auf die Welt” angewandt, die Welt als Ganzes, die wir gar nicht überblicken, sondern immer nur auf einzelne Ereignisse in dieser Welt.

    Das ist schon aus dem einfachen Grunde so, weil das kausale Erklärungsmodell verlangt, dass Ereignisse immer auf wieder andere “zurückgeführt” werden, wenn sie “erklärt” werden sollen. (Dass daraus Menschen, die sich offenbar als Weltanschauungsbeauftragte verstehen, wieder ein grundsätzliches Programm gemacht haben, nämlich das des “Reduktionismus”, geht wieder über Physik als Wissenschaft hinaus, auch wenn im weltanschaulichen Reduktionismus Physik als Referenzwissenschaft benutzt wird und die reduktionistische Ideologie des darauf beruhenden “Naturalismus” eigentlich ein “Physikalismus” ist.)

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    68er – 07.11.2010 - 17:25

    Eine Erklärung, wieso ein “Naturalismus” oder “Physikalismus” nicht auf die reale Welt angewendet werden darf, bleiben Sie schuldig.

    Auch können Sie mir nicht erklären, woher Ihr einmaliger Akte herkommt. Irgendwie klingt mir sehr religiös, was Sie da schreiben.

    Wenn Sie wenigstens Heisensberges Unschäfrerelation eingeführt hätten, um mir vorzuhalten, es sei nicht alles kausal vorhersehbar, hätte ich wenigstens eine Grundlage, um mit Ihnen weiter zu diskutieren, aber so bleibt mir nichts, als Ihnen Recht zu geben, weil Sie mich restlos überzeugt haben.

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    Ingo-Wolf Kittel – 07.11.2010 - 19:01

    huch; na so was!

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    68er – 07.11.2010 - 17:38

    Es passt ins Bild, dass Sie natürlich differenzieren müssen zwischen freien Menschen wie Sie es einer zu sein scheinen und “Tieren, Kleinkindern oder gedankenlos “reagierender” Menschen”. Sie haben natürlich keine Wutausbrüche und sind in der Lage, eine emotionslose freie Entscheidung zu treffen.

    Chapeau Herr Kittel, Sie sind ein Phänomen.

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    Ingo-Wolf Kittel – 07.11.2010 - 19:03

    tja! schön, dass sie einige möglichkeiten bewussten handelns erkennen. – machen sie’s nach, wenn sie können!

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    Nobody – 03.11.2010 - 16:55

    Mensch Goerlach,
    Wer glaubt, die Freiheit des Willens unter Verweis auf die (Selbst-)Erfahrung rechtfertigen zu koennen, zeigt, dass ihm das eigentliche Problem, um das es in diesem Zusammenhang geht, vollstaendig verschlossen bleibt. Das soll natuerlich nicht heissen, dass es keinen freien Willen gibt. Denn das laesst sich mittels der empirischen Naturwissenschaften ebenfalls nicht beweisen. Denn ein freier Wille als solcher ist gar kein moeglicher Gegenstand der Erfahrung. Zeigen laesst sich allerdings, dass Willensfreiheit zumindest denkmoeglich ist. Das alles ist aber mindestens seit 1781 bekannt. Und dann kommen Sie und rotzen hier so einen unausgegorenen Gedankenmuell aufs Blatt…

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    Alexander Görlach – 03.11.2010 - 23:25

    Lieber Nobody,

    Ihr Sprache und Ihre Haltung, die Sie mit diesem Leserbrief an den Tag legen, ist – wieder einmal – unter aller Kanone. Ihre Frau Mutter wird sich für Sie schämen, ich bin mir sicher. Es sei denn, Sie haben diese Kinderstube von ihr, aber das möchte ich der guten Frau nicht unterstellen.

    Mit besten Empfehlungen

    Ihr

    Alexander Görlach

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    68er – 04.11.2010 - 10:12

    Verehrter Herr Görlach,

    auch wenn Nobody vielleicht nicht Ihre Kinderstube genossen hat, wäre es doch souveräner, wenn Sie einmal inhaltlich auf ihn eingehen könnten.

    Bemerkenswert finde ich an Ihrem Kommentar, dass in Ihrer Vorstellung offenbar die Mutter DIE zentrale Figur im Leben eines jeden Menschen ist, die letztlich für alles verantwortlich ist. Also vielleicht gibt es doch gar keinen freien Willen?

    Ich grüße Sie und unbekannterweise Herrn Nobody!

    Ihr 68er

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    Nobody – 04.11.2010 - 11:32

    Lieber 68er,

    dass sich Goerlach in dem ihm eigenen weinerlichen Tonfall an der Form der von mir vorgebrachten Kritik abarbeitet, ist natuerlich ein ziemlich klaeglicher Versuch, zu verschleiern, dass er ihr inhaltlich offensichtlich nichts entgegenzusetzen hat. Ich denke, darauf wollten Sie hinaus, oder? Ich gebe zu, dass mein Tonfall etwas “leger” ist — aber dieses Attribut reklamiert The European doch fuer sich selbst, wenn ich mich recht entsinne? Ich moechte noch einmal wiederholen: innerhalb der Grenzen der Erfahrung kann es keine Willensfreiheit geben, da Naturkausalitaet — also vollstaendige Determiniertheit aller Gegenstaende durch zeitlich vorangehende Ursachen — eine unabdingbare Bedingung der Moeglichkeit von Erfahrung ist. Willensfreiheit ist also nur dann zu retten — und das heisst beileibe nicht bewiesen — wenn neben der Welt der Erfahrung noch eine andere Dimension zumindest denkbar ist.
    Gruss,
    Nobody

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    engin – 04.11.2010 - 10:17

    kein freier wille,höchstens freie gedanken!!

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    Ingo-Wolf Kittel – 07.11.2010 - 19:08

    Exakt wg. Letzterem gibt es auch Willensfreiheit – s. http://www.bfg-bayern.de/ethik/Gymnasium/hirnforschung.htm bzw. http://www.philosophy-slam.com/Philosophy_Slam/Dokumentation_files/Beitrag%20Philos.Slam%202008.pdf

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    Ingo-Wolf Kittel – 07.11.2010 - 00:10

    Mensch, Nobody, wenn es nu so wäre, dass die Aussage “wer glaubt, die Freiheit des Willens unter Verweis auf die (Selbst-)Erfahrung rechtfertigen zu koennen, zeigt, dass ihm das eigentliche Problem, um das es in diesem Zusammenhang geht, vollstaendig verschlossen bleibt” ihrerseits zeigen würde, wie wenig sich ihr Autor die Sachlage, um die es geht, erschlossen hat?

    Von Volitionspsychologie und ihren Einzelheiten scheinen Sie noch nicht viel, wenn überhaupt schon etwas gehört oder gelesen zu haben.

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    uniquolol – 04.11.2010 - 17:13

    Egal wie man es dreht und wendet, es gibt keine Willensfreiheit. Unterschiedliche Menschen haben selbstverständlich verschieden stark ausgeprägte Handlungsfreiheiten, mit Willensfreiheit hat dies allerdings nichts zu tun. Die Religionen bestehen naturgemäß auf das Vorhandensein von Willensfreiheit, da ohne diese die Konzepte von Schuld und Vergebung, Himmel und Hölle keinen Sinn ergeben würden. Religion ohne Willensfreiheit ist so leer wie überflüssig. Allerdings ist der Glaube an den „freien Willen“ genauso wirksam wie der Glaube an einen Gott, auch wenn beide Glaubensinhalte niemals existiert haben…

    FAZ – Wolf Singer – Keiner kann anders, als er ist
    http://www.faz.net/s/Rub117C535CDF414415BB243B181B8B60AE/Doc~ED9866B74F679457B89BAA0808BEA0C9F~ATpl~Ecommon~Scontent.html

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    Ingo-Wolf Kittel – 06.11.2010 - 22:31

    Oh jeh, gerade Singer mit seiner ungenauen Ausdrucksweise und seinen endlosen Widersprüchen – s. http://www.sprache-werner.info/index.php?id=1967

  • Theeuropean-placeholder
    68er – 06.11.2010 - 23:49

    @ Ingo-Wolf Kittel

    Sie schreiben auf Ihrem Blog an Herrn Singer:

    "Wenn es ‘in der Tat’ so sein sollte wie Sie behaupten: “Keiner kann anders als er ist”, muss verwundern, dass sie fordern: “Wir sollten aufhören, von Freiheit zu reden.”

    Wie soll das möglich sein, wenn ‘wir’ doch nicht anders können?! -
    Genauso wenig wie offenbar Sie selbst…"

    Meine Antwort:

    Das ist möglich, weil auch ohne Freiheit Erkenntnis und Lernen möglich ist. Aber leider nur für den, dem die Disposition dafür gegeben ist. Das ist eben bei manchen das Dilemma. Wenn man in seinen Denkstrukturen die fixe Idee eingraviert hat, dass nur mit einem “freien Willen” die Welt funktioniert, überzeugen bei manchem eben auch keine Argumente. Dann steht man da und kann nicht anders. Und andersherum ist es vielleicht genauso.

    Aber ich glaube es gibt auch Menschen, die da nicht so starr sind und die Gabe (und nicht den freien Willen) haben ab und an ihre Grundüberzeugungen zu überdenken und in Frage zu stellen. Und ich glaube an diese Personen richtet sich der Apell von Herrn Singer, nicht an die gläubigen des Liberalismus.

    “Der Ismus macht die Idee zum Herrscher über die Erkenntnis.”

    http://www.geolino.de/forum/showpost.html?s=a53a7fc8d0501622c555cbe042367988&p=82156&postcount=1

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    Ingo-Wolf Kittel – 06.11.2010 - 23:56

    Haben Sie nicht mehr als nur diesen einen Satz gelesen, den Sie zitieren?

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    68er – 07.11.2010 - 00:34

    Nicht nur den einen Satz, aber auch nicht Ihren gesamten Text.

    Natürlich kommt bei Ihnen auch das unselige Argument mit den Schwerstverbrechern vor (unter “Schwerverbrecher” bleiben in dieser Diskussion die wenigsten Liberalisten, der einfache “Nasepopler” reicht Ihnen nicht um die Abweichung von der Norm zu beschreiben), zu dem ich ja schon meine Meinung geschrieben habe.

    Ich finde es erschreckend, dass ein Psychiater einen Menschen anscheinend nur dann behandeln kann, wenn er (der Psychiater) an einen freien Willen glaubt.

    Auch ohne freien Willen ist doch z. B. ein an Depressionen leidender Mensch in der Lage seine Situation mit Hilfe eines Therapeuten zu erkennen und reagiert (mehr oder weniger) auf die Therapie, die ihm zuteil wird. Und wie Sie selber aus Ihrer Erfahrung wissen werden, reagiert der eine besser und der andere schlechter. Das interessante dabei ist aus meiner Erfahrung, dass gerade Ärzte (aus Gründen, über die ich nur spekulieren könnte) oft beleidigt sind, wenn ihre Therapie nicht “anschlägt”. Dann wird dies dem Patienten allzuoft zum Vorwurf gemacht, er sei nicht therapiewillig. Wenn man aber akzeptiert, dass dieser Mensch eben nicht anders kann, muss man als Arzt auch nicht beleidigt sein sondern sollte sich überlegen, wie man den Menschen so “behandelt” oder eben manipuliert, dass er auf dem Weg zu seiner Heilung mitgehen will.

    Ich glaube, wenn man das als Arzt verstanden hat, fällt es auch leichter, seine Therapieansätze zu variieren, sich immer neu auf den Patienten einzustellen und ihn im positiven Sinne als nicht richtig funktionierenden Organismus zu sehen.

    P.S.:

    Bei der Durchsicht meines Textes beschlich mich die Befürchtung, meine etwas flapsige Art wird ein gefundenes Fressen für Sie sein, nicht auf meine Argumente einzugehen sondern an deren Form zu mäkeln, wie es Herr Görlach auch so gerne tut.
    Aber ich konnte nicht anders!

    Jedoch, wenn Sie jetzt meine Erwartung erfüllen, werde ich dann vielleicht bei meiner Erwiderung, so es denn zu einer solchen kommt, etwas gelernt haben und auf derlei Spitzen verzichten.

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    Ingo-Wolf Kittel – 07.11.2010 - 00:48

    Meinen Sie ich kann überhaupt wählen, gar frei wählen und Ihre Erwartung erfüllen oder aber auch nicht?

  • Theeuropean-placeholder
    68er – 07.11.2010 - 00:57

    Sie müssen wählen, ob Sie wollen oder nicht. Da sind Sie in Ihrem Sinne nicht frei. Versuchen Sie doch einmal, wenn Sie so frei sind, zu wollen was Sie wollen, nur von jetzt bis morgen Nachmittag um 16:00 Uhr, zu wollen, dass Sie die Gedanken von Herrn Singer für richtig erachten. Ich prophezeie Ihnen, das werden Sie nicht können. Sie werden es auch nicht schaffen, lediglich 10 Minuten z. B. gar nichts zu wollen. Denn das Wollen ist, wäre für mich, wenn ich mich in Sie versetzten würde, eine Art Dämon, der mit mir macht, was ich nicht will.

    Für mich hingegen ist mein Wollen oder Nicht-Wollen ein Teil meiner Identität, mit der ich leben muss, weil ich eben auf der Welt bin.

Aus der Kolumne

Alexander-Platz

Rücktritt von Norbert Röttgen

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Norbert Röttgen hatte den Ministerposten als Rückversicherung eingeplant. Die Rechnung hat er ohne die Union gemacht. Horst Seehofer ist jetzt der Mann der Stunde, denn der Bajuware kann sich auf die Fahnen schreiben, Röttgen gestürzt zu haben.

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Die Experimentierfreude ist vorbei, Schwarz-Grün ist passé. Lieber wieder die Farbenarithmetik aus Bonner Zeiten. Das uninspirierte Denken der Politik ödet das Publikum an.

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Die rührende Landesmutter soll auch eine andere Seite haben. Über Nachrichtenmedien wurde verbreitet, sie habe Blogger gekauft und versucht die Pressefreiheit einzuschränken. Kurz vor der Wahl hatte NRW einen Skandal für einen Tag.

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