Im Moment läuft alles auf seinen Vorschlag zu: Moderate Laufzeitverlängerung fordert der Umweltminister. Die Zahl 14 Jahre ist im Umlauf. Seine Kontrahenten, allen voran die beiden Baden-Württemberger Stefan Mappus und Volker Kauder, wollen deutlich mehr. 28 Jahre kam einmal als Zahl aus der CDU/CSU-Bundestagsfraktion. Von diesem Vorschlag sind sie jetzt weg. In ihrem Umfeld purzelt die Zahl der Jahre, die Deutschlands Meiler noch am Netz bleiben sollen, stetig. Nach unten. In Richtung 14.
Herr Mappus und Herr Kauder erklären die Atomkraft zu einem wichtigen Bestandteil der Unionspolitik. Für das Engagement für die Atomkraft habe man sich seiner Zeit anspucken und verhöhnen lassen müssen, sagen sie zur Begründung. Richtig. Das war in den 70er-Jahren. Jetzt schreiben wir das erste Jahrzehnt des 21. Jahrhunderts. Die beiden Politiker sind in dieser Gegenwart noch nicht angekommen.
Konservative interessieren sich heute für fairen Handel, faires Banking und ökologischen Anbau
Kein Wunder, höre ich die Gemeinen sagen: In Baden-Württemberg gehen die Uhren halt noch anders, tönen sie. Eigentümlicherweise ist die Antwort auf dieses Vorurteil: nein. Im Musterland gibt es nicht nur in Freiburg und Tübingen grüne Stadtoberhäupter. Im konservativen Ländle kann man sehr gut über ökologische Standards reden.
Doch nun wieder zur Gegenwart: Die Menschen, die einen nachhaltigen Lebensstil pflegen, interessieren sich für fairen Handel, für faires Banking und für ökologischen Anbau. Das, wofür diese Menschen (Wähler) stehen, ist die Verlängerung klassischer bürgerlicher Tugenden: Anstand, Rücksicht, Gemeinwohlsinn. Diese neuen Elemente des bürgerlichen Selbsterlebens sollte die CDU, die sich nach wie vor als bürgerliche Partei versteht, in ihre Programmatik einbeziehen. Ja, es gibt CDU-Wähler, die Müsli essen, mit dem Fahrrad zur Arbeit fahren und ihr Geld in Wasseraufbereitungsanlagen in der Dritten Welt investieren.
Den Modernisierern gehört die CDU der Zukunft
Warum bricht diese Debatte eigentlich vom Zaun? Der Konsensbegriff, der Kerntechnologie als Brückentechnologie bezeichnete, fand breite Zustimmung, nicht zuletzt bei der Kanzlerin. Einige im politischen Berlin nehmen es Norbert Röttgen übel, dass er sich in einem Interview mit der “Süddeutschen Zeitung” eindeutig gegen den Ausstieg aus dem Atomausstieg positioniert hat. Manche sagen, dieser Vorstoß sei mit der Kanzlerin abgestimmt gewesen. Seine Gegner behaupten das Gegenteil.
Norbert Röttgen gehört zu den Modernisierern der Partei. Er wird die Schlacht gegen die Kämpfer aus dem vergangenen Jahrhundert gewinnen. Atomkraft ist out, sie war nie wirklich beliebt. Die Union kann den Übergang moderieren. Ihre Anhänger machen bei modernen Meilern eine moderate Laufzeitverlängerung mit. Aber nur, wenn dies aus pragmatischen Überlegungen geschieht und verargumentiert und nicht ideologisiert wird.
Kampf aus einer anderen Zeit
Nein, mit der Atomkraft identifizieren sich wenige heutige Konservative. Sie ist kein Markenzeichen des Bürgertums. Sollte sie die Union zum Bestandteil des Markenkerns erheben, dann wird die Partei noch mehr Stimmen verlieren: bei ihrer Stammwählerschaft im ländlichen Raum. Und sie wird auch keine neuen Wähler im urbanen Milieu gewinnen und dauerhaft an sich binden können.
Der Kampf der Konservativen in der CDU für die Atomkraft ist aus einer anderen Zeit. Vielleicht gibt es ja ein Utensil, das man zur Illustration dieser vergangenen Epoche ins Bonner Haus der Geschichte schicken kann: Trägt man in Baden-Württemberg auch Strickjacken?




















Was mich bei der ganzen Diskussion immer wieder verwundert: weltweit (!) gibt es noch kein bestätigtes Atommüll-ENDlager! Wie kann man da von Laufzeitverlängerung – oder noch verrückter in anderen Ländern: AKW-Neubau – sprechen?
Unfassbar findet
Andi
Irgendwie werde ich aus dem Artikel nicht schlau…da sind mir viel zu viele gedankliche Sprünge drin, aber ok.
Wie sieht es denn aus mit den christlichen Werten? Kann man die nicht auch über Bord werfen? Das würde doch auch in den Kram der “Modernisierer” passen, oder?
Wenn es nur darum geht zu modernisieren, dann verliert die Union ihr Herz und den Grund sie zu wählen.
Ich finde es sehr schade, dass alle Parteien bis auf die Grünen, ihre Werte immer mehr verlieren oder vergessen. So weiß man irgendwann wirklich nicht mehr, wo man ein Kreuz machen soll.
Schade
PH
Ja, es gibt sie, die CDU-Wähler, die Müsli essen und ihre Familien am Wochenende zu ausgedehnten Radtouren nötigen. Aber diese Menschen reichen insgesamt nicht einmal annähernd aus, die Fünf-Prozent-Hürde zu überspringen. Frau Merkel, Herr Röttgen und all die anderen Modernisierer erhalten viel Beifall von den Teilen der Bevölkerung, die niemals ihr Kreuz bei der CDU machen würden. Das wird im Modernisierungswahn leider oft nicht bedacht.
Bei CDU-Mitgliederversammlungen reicht heutzutage allein die beiläufige Erwähnung des Namens von Friedrich Merz, um spontane orkanartige Beifallsstürme auszulösen. Bei Erwähnung von Herrn Röttgen habe ich das bisher nicht feststellen könnnen.
http://www.businessweek.com/news/2010-03-23/china-to-build-28-more-nuclear-power-reactors-by-2020-update1-.html,
http://www.cbc.ca/world/story/2010/02/16/obama-nuclear-loan.html,
http://online.wsj.com/article/NA_WSJ_PUB:SB10001424052748703724104575378492674624982.html,
http://www.guardian.co.uk/environment/2009/feb/05/sweden-nuclear-power
So viel zur Meinung des Autors: “Atomkraft ist out. Sie war nie wirklich beliebt”; richtig ist dass sie auf der Welt noch nie so beliebt war und in dem Umfang wuchs wie heutzutage…
Herr Goerlach drischt zu 90% hohle Frasen ohne jegliche Informationsbasis; eine Begruendung von ihm, warum nach seiner Meinung Atomkraft angeblich so rueckstaendig ist, sucht man ebenfalls vergeblich;
Stattdessen nichtssagende Thesen wie: “Konservative interessieren sich heute für fairen Handel, faires Banking und ökologischen Anbau” oder “Ja, es gibt CDU-Wähler, die Müsli essen, mit dem Fahrrad zur Arbeit fahren und ihr Geld in Wasseraufbereitungsanlagen in der Dritten Welt investieren”…wen interessiert das?? Und was hat das bitte mit der Zukunft von Atomkraft zu tun??"