Jetzt verbieten sie die Burka, erst in Frankreich, dann in Belgien. Sicher folgen Ungarn, Österreich und die Schweiz. Und was machen wir in Deutschland? Wir werden den islamischen Ganzkörpervorhang, die Wegschließvorrichtung für die spazieren gehende Muslima, nicht verbieten. Warum? Weil die Hysterie darum unangebracht ist, weil sie sich eine kleine Minderheit von muslimischen Männern für ihre Frauen ausgedacht hat, weil sie eine noch kleinere Minderheit von Muslima freiwillig als Erfüllung eines religiösen Gelübdes trägt.
Die Zivilgesellschaft ist gefragt
Damit ist aber noch längst nicht alles zur Burka gesagt oder zum davon zu unterscheidenden traditionellen islamischen Gewand, das von einer Frau nur die Sehschlitze übrig lässt. Im ersten Absatz ging es mir nämlich nur um das Verbieten dieser Kleidung durch ein Gesetz. Ein solches Verbot lässt sich mit dem Grundrecht auf freie Religionsausübung nicht in Einklang bringen.
Die Zivilgesellschaft kann aber, davon ganz abgesehen, eine ablehnende Haltung gegenüber dieser Art der Outdoor-Bekleidung artikulieren. Denn: Eine Bekleidung, die einen Menschen so entwürdigt, wie die hier beschriebene, ist mit unserem Menschenbild, mit der Würde der Person und mit der Vorstellung vom Zusammenleben in unserer Gesellschaft nicht zu vereinbaren. Aus drei Gründen:
1. Nicht umsonst bieten wir jemandem die Stirn, werfen das Auge auf jemanden, wahren das Gesicht. Die Ausdrücke, die Verhalten und Gesicht in Relation setzen, ließen sich noch eine Weile so weiterführen. Wenn jemand sein Gesicht abwenden muss, dann ist das eine Unterwerfungsgeste. Wenn jemand sein Gesicht nicht zeigen darf, dann ist das entwürdigend.
2. Kommunikation geht immer vom Ich zum Du und retour: Wenn ich den anderen nicht sehen kann, kann ich auch nicht mit ihm sprechen. Wer eine Burka, einen Ganzkörperschleier trägt, kann nicht ins Gespräch kommen: mit den Nachbarn genauso wenig wie mit der Kassiererin im Supermarkt oder den Lehrern seiner Kinder. Mit einer Gardine spricht niemand gern. Wie im Kino: Man sieht nur die Füße darunter rausgucken, weiß aber nicht, wer sich dahinter verbirgt. Nicht umsonst gibt es bei uns ein Vermummungsverbot.
3. Welche Botschaft geht denn umgekehrt von der aus, die sich hinter einem Ganzkörperschleier oder einer Burka versteckt: Ich möchte mit dir nichts zu tun haben. Du bist mir egal. Deine Welt, dein Leben ist mir egal. Noch krasser kann man eigentlich nicht bekunden, wie wenig man von dem Land und den Menschen hält, die einen umgeben. Wo man so wenig voneinander erwarten kann, gibt es letztlich keine Solidarität mehr miteinander. Das entspricht nicht unserem Gesellschaftsvertrag.
Personsein verpflichtet zum Sichtbarsein
Bei uns, so kann die Botschaft der Zivilgesellschaft an die Minderheit der Verschleierten sein, darf sich jeder zeigen, ist jeder Person, hat jeder und jede seine Würde. Eine Würde, die einem kein Gott, die man sich auch selbst nicht freiwillig nehmen kann. Das Personsein verpflichtet zum Sichtbarsein, es befreit zum Handeln. Heute. Zusammen mit den Mitmenschen. Das ist das Schönste, das unsere Gesellschaft anbieten kann.












Wie so oft hat Alexander zugleich Recht und Unrecht. Ja, es ist an erster Stelle die Aufgabe der Zivilgesellschaft, ihren Unmut über die Ganzkörperverschleierung zu artikulieren, aber nur dafür, damit der Gesetzgeber dies umsetzt. Dabei kommt es nicht darauf an, ob es nur wenige Burka-Trägerinne in D. gibt, auch diese müssen geschützt werden. Und genau da liegt der Argumentationsfehler von Alex: Es sind wohl weniger die Frauen, die sich abkapseln wollen, als ihre Männer, die aufgrund eines mittelalterlichen Geschlechterbildes des Islams ihre Frauen möglichst von der ganzen (männlichen) Welt fernhalten wollen. Sie könnten sich ja so frei fühlen, nach ihrem eigenen Willen zu handeln…
Schwarz-weiß, gut-böse, der dunkle negative Islam in einer hellerleuchteten und aufgeklärten Welt, die wir nun Westen getauft haben. Damit möchte ich mich hier nicht zufrieden geben. Das würde ich in der Bild-Zeitung tun, und das muss ich auch im täglichen Leben hinnehmen, wenn ich fernsehe. Aber bei dem “European” verhält es sich – sollte es zumindest – anders. Ein Chefredakteur, den ich eigentlich sehr schätze, schreibt hier:
“Eine Bekleidung, die einen Menschen so entwürdigt, wie die hier beschriebene, ist mit unserem Menschenbild, mit der Würde der Person und mit der Vorstellung vom Zusammenleben in unserer Gesellschaft nicht zu vereinbaren.”
Nun, das ist mit unseren Moralvorstellungen nicht mehr zu vereinbaren, aber ein Minirock, durchsichtige Kleidung, Teenies die dem Schönheitswahn und der Magersucht verfallen, nehmen wir hin, weil sie unseren Werten entspricht. Solange eine Frau weniger und weniger als gemusst anzieht, sind das unsere freien Werte, die natürlich nicht die männlichen Begierden nach dem weiblichen Körper befriedigen, sondern Frauen tun das immer für sich und ihr “Selbstwertgefühl”. Um richtig verstanden zu werden: ich bin alles andere als eine Befürworterin der Burka, ich bin strikt und einfach dagegen, weil ich es für nicht islamisch halte und als völlige Überreaktion des religiösen Bewusstseins (in etwa wie die Gelübde der Mönche etc.) Ich möchte hier lediglich zum Dialog aufrufen, wir müssen uns nicht vor dem Fremden fürchten, wenn wir es kennen. Natürlich ist es befremdlich und wie oben beschrieben auch kein positives Zeichen für die Umwelt, es dient natürlich als Abschottungsfaktor. Ich persönlich habe noch nie eine Burka-Trägerin gesehen und konnte daher auch nicht in den Kontakt treten. Als Muslimin wäre ich dementgegen aber auch nicht nur feindselig eingestellt, sondern könnte vielleicht emotional anders auf diese Person eingehen. Diese Eigenschaft sollte allerdings jeder den Menschen würdigenden Prinzipien Deutschlands entgegenbringen, anstatt Volkshetze zu betreiben. Das können wir doch bitte der Bild überlassen.
Jemanden nicht als eine Person mit Gesicht zu erkennen, finde ich auch nicht schön und es kann somit auch nicht gemeinschaftsfördernd sein in unserer Gesellschaft, ich kann Herrn Görlach hier nur zustimmen. Den Blick zu senken könnte hingegen auch hier in manchen Fällen bei Männern nicht
schaden, anstelle eine Frau anzustarren und in den Ausschnitt zu schauen- das war in Deutschland mal Anstand und keine Widrigkeit des Islams.
Vielen Dank.
Liebe Frau Hamid,
ich habe nicht zur “Volkshetze” aufgerufen, sondern zu einer diskuriven, intelligenten Diskussion der Zivilgesellschaft zum Phänomen Burka/ Verschleierung. Lassen Sie uns also gerne, wenn Sie mögen, über meine drei Punkte sprechen, die ich in meiner Kolumne genannt habe.
Emotional kann ich jemandem begegnen, den ich sehe. Wie kann ich emand, der für mich völlig unsichtbar ist, mit Empathie begegnen. Sie sagen, dass Ihnen das als Muslimin einfacher möglich sei. Sie haben da aber noch nicht die Probe aufs Exempel gemacht. Ich hatte während meiner Zeit in Kairo eine Frau kennen gelernt, die, als Gelübde verstanden, einschwarzes Kleid angelegt hat, das nur die Augen freiließ. Sie konnte deutsch, war offen eingestellt; Ihr Mann und sie haben mich in ihre Wohnung zum Essen eingeladen. In dieser Konstellation konnte ich die Verschleierung hinnehmen, verstehen konnte ich sie nicht.
Gestatten Sie einige Wörter zu Ihrer Einführung: Es geht in meiner Kolumne nicht um Miniröcke und Piercings. Es geht um die Burka. Das eine und das andere haben miteinander nichts zu tun.
Nicht jedes Gesicht, das man sich angucken muss, gefällt einem: Die Kleidung eines Menschen, sein Äußeres, seine Äußerungen – alles kann Ablehnung hervorrufen. Aber wir wissen in diesem Fall immer, mit wem wir es tzu tun haben, wer vor uns steht.
Mit besten Grüßen
Ihr
Alexander Görlach
Schwarz-weiß, gut-böse, der dunkle negative Islam in einer hellerleuchteten und aufgeklärten Welt, die wir nun Westen getauft haben. Damit möchte ich mich hier nicht zufrieden geben. Das würde ich in der Bild-Zeitung tun, und das muss ich auch im täglichen Leben hinnehmen, wenn ich fernsehe. Aber bei dem “European” verhält es sich – sollte es zumindest – anders. Ein Chefredakteur, den ich eigentlich sehr schätze, schreibt hier:
“Eine Bekleidung, die einen Menschen so entwürdigt, wie die hier beschriebene, ist mit unserem Menschenbild, mit der Würde der Person und mit der Vorstellung vom Zusammenleben in unserer Gesellschaft nicht zu vereinbaren.”
Nun, das ist mit unseren Moralvorstellungen nicht mehr zu vereinbaren, aber ein Minirock, durchsichtige Kleidung, Teenies die dem Schönheitswahn und der Magersucht verfallen, nehmen wir hin, weil sie unseren Werten entspricht. Solange eine Frau weniger und weniger als gemusst anzieht, sind das unsere freien Werte, die natürlich nicht die männlichen Begierden nach dem weiblichen Körper befriedigen, sondern Frauen tun das immer für sich und ihr “Selbstwertgefühl”. Um richtig verstanden zu werden: ich bin alles andere als eine Befürworterin der Burka, ich bin strikt und einfach dagegen, weil ich es für nicht islamisch halte und als völlige Überreaktion des religiösen Bewusstseins (in etwa wie die Gelübde der Mönche etc.) Ich möchte hier lediglich zum Dialog aufrufen, wir müssen uns nicht vor dem Fremden fürchten, wenn wir es kennen. Natürlich ist es befremdlich und wie oben beschrieben auch kein positives Zeichen für die Umwelt, es dient natürlich als Abschottungsfaktor. Ich persönlich habe noch nie eine Burka-Trägerin gesehen und konnte daher auch nicht in den Kontakt treten. Als Muslimin wäre ich dementgegen aber auch nicht nur feindselig eingestellt, sondern könnte vielleicht emotional anders auf diese Person eingehen. Diese Eigenschaft sollte allerdings jeder den Menschen würdigenden Prinzipien Deutschlands entgegenbringen, anstatt Volkshetze zu betreiben. Das können wir doch bitte der Bild überlassen.
Jemanden nicht als eine Person mit Gesicht zu erkennen, finde ich auch nicht schön und es kann somit auch nicht gemeinschaftsfördernd sein in unserer Gesellschaft, ich kann Herrn Görlach hier nur zustimmen. Den Blick zu senken könnte hingegen auch hier in manchen Fällen bei Männern nicht
schaden, anstelle eine Frau anzustarren und in den Ausschnitt zu schauen- das war in Deutschland mal Anstand und keine Widrigkeit des Islams.
Vielen Dank.
Liebe Frau Hamid,
ich habe nicht zur “Volkshetze” aufgerufen, sondern zu einer diskuriven, intelligenten Diskussion der Zivilgesellschaft zum Phänomen Burka/ Verschleierung. Lassen Sie uns also gerne, wenn Sie mögen, über meine drei Punkte sprechen, die ich in meiner Kolumne genannt habe.
Emotional kann ich jemandem begegnen, den ich sehe. Wie kann ich emand, der für mich völlig unsichtbar ist, mit Empathie begegnen. Sie sagen, dass Ihnen das als Muslimin einfacher möglich sei. Sie haben da aber noch nicht die Probe aufs Exempel gemacht. Ich hatte während meiner Zeit in Kairo eine Frau kennen gelernt, die, als Gelübde verstanden, einschwarzes Kleid angelegt hat, das nur die Augen freiließ. Sie konnte deutsch, war offen eingestellt; Ihr Mann und sie haben mich in ihre Wohnung zum Essen eingeladen. In dieser Konstellation konnte ich die Verschleierung hinnehmen, verstehen konnte ich sie nicht.
Gestatten Sie einige Wörter zu Ihrer Einführung: Es geht in meiner Kolumne nicht um Miniröcke und Piercings. Es geht um die Burka. Das eine und das andere haben miteinander nichts zu tun.
Nicht jedes Gesicht, das man sich angucken muss, gefällt einem: Die Kleidung eines Menschen, sein Äußeres, seine Äußerungen – alles kann Ablehnung hervorrufen. Aber wir wissen in diesem Fall immer, mit wem wir es tzu tun haben, wer vor uns steht.
Mit besten Grüßen
Ihr
Alexander Görlach
Ich bin eine überzeugte Muslima (deut.: Gottergebene) und bin gegen das Burqa-Verbot, weil jede Frau das Recht haben soll sich so zu Kleiden wie sie es möchte. Sowohl ein Burqa-Zwang als auch ein Burqa-Verbot stellt sich gegen die Freiheit der muslimischen Frau. Besser wäre es uns Muslimas endlich die Freiheit zu lassen selber darüber zu entscheiden wie wir uns kleiden wollen. Ich habe viele Freundinnen die mit Überzeugung den Gesichtsschleier tragen und das tun sie nicht für ihren Mann oder ihre Eltern. Ich trage keinen Gesichtsschleier, aber mit Überzeugung das Kopftuch und die islamische Kleidung. Meine Eltern haben mir damals zu Beginn verboten das Kopftuch zu tragen, aber Gott sei Dank konnte ich mich durchsetzen und habe es getragen.
Hört also bitte auf zu behaupten, dass wir muslimischen Frauen zu Kopftuch & Co gezwungen werden und dass es es unwürdig sei sich islamisch zu kleiden. Wenn die Frau sich so kleiden WILL, sollte es euch doch nicht stören. Nur der Zwang dazu und genau so auch das Verbot sollte einen stören, denn diese beiden Extreme greifen in die Freiheit der muslimischen Frauen ein.
Ich bin eine überzeugte muslimische Frau, die davon überzeugt ist, dass es nur einen Gott gibt, dem wir zu dienen haben und ich trage allein für IHN und nur für IHN die islamische Kleidung genau so wie ich auch nur IHN anbetete. Also lasst uns bitte unsere Freiheit das selber zu entscheiden.
Wenn ihr für ein Verbot seid, dann seid ihr nicht viel besser als solche die eine Frau zur Burqa zwingen!!!
Mit freundlichen Grüßen,
Eine Muslima
Mit Interesse habe ich diesen Artikel gelesen und stimme ihm zu allerdings hat meiner Meinung nach das Tragen einer Totalvehüllung nichts mit Religionsausübung zu tun.Jeder darf hier seine Religion ausüben.Wäre schön wenn das in anderen Ländern im Orient auch so wäre.Mir geht das was in unserem Land alles im Namen der freien Religionsausübung hauptsächlich von Muslimen gefordert wird eindeutig zu weit.
Was die Totalverhüllung oder das Kopftuch mit Gott bzw.Allah( was nicht das selbe ist!)zu tun haben soll interessiert ich doch brennend.
Wenn es darum geht züchtig daher zu kommen kann es ja nicht sein dass Kopftuchträgerinnen enge Hosen und T-Shirts anziehen die genau so wie bei allen anderen Frauen den Körper abbilden.Ich sehe das in der Stadt ständig.Man kann also auch mit Kopftuch sexy aussehen.Ich glaube einfach dass es auch chic ist und man sich bewußt abgrenzen will.Mir gefällt auch nicht dass bei uns v.a. im Sommer die Hüllen fallen das ist eben Freiheit in einer Demokratie.Deshalb bin ich trotzdem gegen die Burka und ähnliche Hüllen.
Ein weiterer Aspekt ist auch dass ich gerne sehe wer mir da entgegenkommt.Schließlich kann sich ja jeder unter einer Burka verbergen und ungehindert Straftaten verüben.