Jetzt ist der Moment, an dem wir gemeinsam diesen Planeten retten müssen. Barack Obama

Wer hat Angst vorm Muselmann?

Die Kanzlerin holt sich in der Türkei vermeintlich eine blutige Nase mit ihrem Konzept der privilegierten Partnerschaft. Ihr Vorschlag ist getürkt: Er geht an die Adresse ihrer Klientel daheim und nicht an Ministerpräsident Erdogan. Der Beitritt des Landes zur EU ist schon beschlossene Sache.

Die Türkei kontrolliert über die Ditib und das türkische Religionsministerium Diyanet alle Moscheen ihrer Landsleute in Deutschland.

Soll sie jetzt noch türkischsprachige Schulen kontrollieren? Nein. Deswegen wehren sich Spitzenpolitiker von SPD und CDU zu Recht gegen eine entsprechende Forderung aus Ankara. Türkisch als Fremdsprache spielt in Deutschland keine Rolle, und das, obwohl 2,3 Millionen türkischstämmige Menschen in Deutschland leben. Wer den Deutschen vorwirft, sie haben ein Problem mit der Türkei oder dem Türkischen, der hat damit sicher nicht Unrecht. Das muss offen benannt werden. Wir sehen es bei den Namen der Kinder: Deutsche Eltern vergeben nordische und südeuropäische Namen an ihre Sprösslinge, aber niemals hat ein Kind deutscher Eltern Ali oder Mohamed geheißen.

Die Kanzlerin hält die eigene Klientel hin

Das ist die eine Seite der Türkei-Debatte. Die andere ist die Frage nach dem Beitritt der laizistischen Republik zur Gemeinschaft der Europäischen Union. Hier ist – man verzeihe mir den Vergleich, wo es sich doch um ein islamisches Land handelt – die Messe schon längst gesungen: Die Türkei wird, wenn sie die Kopenhagener Kriterien erfüllt, eines Tages Vollmitglied der EU werden. Der Prozess dazu läuft, das Land auf der Grenze zwischen Asien und Europa verändert sich im Rekordtempo, nicht nur wirtschaftlich, sondern auch kulturell.

Die Bundeskanzlerin spricht mit dem Vorschlag der “privilegierten Partnerschaft” schon lange nicht mehr in Richtung Türkei, sondern nach Deutschland hinein, wo diese Botschaft bei der eigenen Klientel den Eindruck erwecken soll, dass der Beitritt der Türkei nie kommen werde.

Die Türkei kann sich den Beitritt in letzter Sekunde noch versauen

Gibt es etwas, was den Beitritt in letzter Sekunde verhindern kann. Ja. Es gibt drei Punkte, aber keinen davon könnten die Beitrittsgegner von außen beeinflussen:

Die Türkei muss sich ihrer Vergangenheit stellen, nicht nur, was den Genozid an den Armeniern betrifft. Aus dem Osmanischen Reich hervorgegangen, kann sie in der islamischen Welt nicht den Vermittler spielen, den sie uns so gerne anbietet. Aufgrund ihrer Vergangenheit sind die Türken in weiten Teilen der arabisch-islamischen Welt unbeliebt.

Der Nationalismus, der gepaart mit der Behauptung militärischer Dominanz eine gefährliche Melange ergibt, die nie verschmelzen wird können mit dem “Nie wieder Krieg”, das nach dem Ende des verheerenden Zweiten Weltkrieges die Grundlage für den europäischen Werteverbund gestiftet hat.

Der Rassismus, mit dem ethnische und religiöse Minderheiten in der Türkei gegängelt und benachteiligt werden. In Europa gilt Religionsfreiheit, sowohl für den Einzelnen als auch für Religionsgemeinschaften. Gerade deshalb und weil in Deutschland Repräsentanten des türkischen Staates die Moscheen bauen, können wir in Sachen Kirchenbau und verfolgte Christen in der Türkei eine starke Meinung gegenüber Ankara vertreten.

Willkommen in Europa

Diese drei Punkte sind heikel. In allen Dreien bewegt sich die islamisch-demokratische AKP unter Premierminister Erdogan auf die europäischen Maßgaben zu. Langsam zwar, aber sie bewegt sich. Und mit ihr die türkische Gesellschaft. Wie wird die Türkei in 20 Jahren aussehen, wenn sie endlich beitreten wird, wie die Europäische Union? Das wissen wir nicht. Der Beitritt wird gut für Europa. Er ist so sicher wie das Amen in der Kirche, inschaallah.

Leserbriefe

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    FS – 02.04.2010 - 07:09

    Man kann nur hoffen, dass dies eine reichlich humorvolle Parodie sein soll. In nahez jedem Land der EU (außer Schweden) ist das Volk – und nach dem sollten sich die Regierenden eigentlich richten – gegen einen Beitritt der Tütkei. Ist ja auch verständlich: abgesehen von den drei geschilderten Problemen “überschwemmen” durch die sogenannte Niederlassungsfreiheit potenziell 70 Mio Türken den europäischen Arbeitsmarkt, was diesem garantiert nicht gut tu, wie man bereits jetzt an den Studien zu Integration und Sozialstaat sehen kann, z. B. hier. http://www.berlin-institut.org/

    Die Beitrittsverhandlungen wurden zwar damals unter äußerst dubiosen Bedingungen aufgenommen, Schröder und Blair haben Erdogan damals regelrecht angebettelt, obwohl die Türkei sich völkerrechtswidrig verhält, man denke etwa an die Nicht-Anerkennung von griechisch-Zypern, was aber Mitglied in der EU ist. Dennoch darf der Beitritt kein Selbstläufer werden und wenn Geert Wilders in den Niederlanden an die Regierung kommt, wird er höchstwahrscheinlich das machen, was die Regierungen Österreichs und Deutschlands schon längst hätten tun müssen: Auf den Willen des Volkes hören und ihr Veto einlegen. Damit wäre der Prozess beendet. Einfach so. Und das wäre wohl das Beste für Europa.

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Mehr zum Thema: Rassismus, Voelkermord, Religion

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