Es wird schon einen Grund gehabt haben, warum Franz Josef Jung nach dem Wahlsieg der Union vom Posten des Verteidigungsministers geräumt wurde. Er galt als glücklos in dieser Position, nicht Herr der Lage, uninspiriert. War er deshalb nicht fähig zu erfassen, was in seinem Ministerium vorgeht? War es deshalb so leicht, ihm wichtige Informationen über den Hergang des Bombardements der Tanklaster vorzuenthalten?
Minister Jung ist jetzt das Bauernopfer. Er schützt die Königin: die Bundeskanzlerin. Es bedarf keiner großen Gedächtnisakrobatik, um sich zu erinnern, dass der Einsatz der Bundeswehr in Afghanistan um jeden Preis aus dem Wahlkampf herausgehalten werden sollte. Darin waren sich CDU und SPD einig. Deshalb wurde die Abstimmung über die Verlängerung des Mandats auch weit hinter den Wahltag verschoben.
Sollte Jung Kenntnis gehabt haben von den Details des Berichts, der jetzt ans Licht kam, würde er sicher die Kanzlerin informiert haben. Jung gilt als sehr loyal. So wird die CDU alles daran setzen, im Untersuchungsausschuss (jede Wette, dass ein solcher kommen wird) die ganze Verantwortung auf Generalinspekteur Schneiderhan und Staatssekretär Wichert abzuwälzen. Wenn das nicht gelingt, wird man Franz Josef Jung Fahrlässigkeit oder zu wenig Gewissenhaftigkeit nachsagen. Halb so wild.
Alles wird die Union nun daran setzen, dass kein Malus auf die Kanzlerin fällt. Sollte herauskommen, dass sie informiert war, ist es geschehen um ihre hervorragenden Beliebtheitswerte. Die SPD-Fraktion unter Herrn Steinmeier wird sich hier als führende Stimme der Opposition positionieren. Doch besteht Bumerang-Alarm: Die Frage, was Außenminister Steinmeier gewusst hat, könnte für die SPD unangenehm werden. Beim TV-Duell waren sich Frau Merkel und ihr Vize sehr einig in der Bewertung des Afghanistan-Einsatzes.




















