Der Mensch kann nicht in einem einzelnen Lebensbereich recht tun, während er in irgend einem anderen unrecht tut. Mahatma Gandhi

Verantwortung - jetzt!

Diese Woche sind Meilensteine für die Start-up-Industrie: Ihre Themen sind auf der politischen Agenda, Gründer formieren sich in Initiativen und neuen Verbänden. Jetzt muss zeitnah die Professionalisierung dieser Unternehmungen folgen.

Die Start-up-Industrie ist in Bewegung Richtung Politik. Nach der Newconomy von vergangener Woche, in der ich die Forderung nach einem Verband unserer Industrie erhoben habe, kamen mehrere Rückmeldungen: „Wir sind schon dabei“. Zum Beispiel www.gruendungspolitik.de: Hier werben Erik Heinelt und Florian Nölle mit „Wir machen Gründungspolitik“. Und Andreas Lutz schreibt, dass er im Juli den Verband der Gründer und Selbständigen Deutschland (VGSD) e.V mit gegründet habe. Dessen Ziel: „Selbständige und Gründer brauchen eine Lobby – bisher haben sie keine. Ein kleinunternehmerfeindliches Gesetz jagt das nächste.“ Der VGSD hat einen Hauptfeind ausgemacht: Kleinunternehmerfeindliche Gesetze hängen für ihn „eng mit der Person von Ursula von der Leyen zusammen. Nach ihrer Ernennung zur Arbeitsministerin vervierfachte sie den Regelbeitrag zur Arbeitslosenversicherung für Selbständige. Dann sparte sie beim Gründungszuschuss so radikal, dass die Zahl der geförderten Gründungen um mehr als 80 Prozent zurückging.“ Für die Initiatoren ein weiteres Beispiel an dem deutlich wird, dass die Politik noch nicht die Bedeutung unserer neuen Industrie für Deutschland verstanden hat.

Auf den Kontakt mit der politischen Arena vorbereiten

Die Forderung nach Rechtssicherheit bei der Steuerstundung von Gewinnen bei Veräußerungen aus Kapitalgesellschaften ist ein Thema, an dem die Politik nicht an dem Protest aus unserer Industrie vorbei kann. Es ist das erste Mal, die Gelegenheit unserer Branche, um der Politik ernsthaft unsere Positionen zu erläutern. Auf Gründerszene haben bislang 1300 Gründer und Mitarbeiter von Start-ups ein „Manifesto“ unterzeichnet, in dem sie die Aufrechterhaltung der bislang geltenden Regel fordern.

Umso wichtiger ist, dass wir, jetzt, wo sich Erfolge einstellen und wir Gehör bei der Politik finden, uns in unserer Industrie auf den Kontakt in der politischen Arena vorbereiten. In dieser Woche gab es ein Panel beim CDU-Wirtschaftsrat, auf dem die Berliner Wirtschaftssenatorin auf einige Vertreter unserer Industrie traf. Das Feedback, das aus dem Auditorium an mich herangetragen wurde, war: Die Jungs sind schlecht vorbereitet.

Das darf natürlich nicht sein. Verbandsebene bedeutet auch professionalisierte Ebene. Verbände sind nicht das spannendste auf Erden – zugegeben. Die, die sie initiieren, dürfen aber nicht vergessen, dass wir von der Gesamtgesellschaft, vom Gesetzgeber, von den Parteien etwas möchten. Hier muss gelernt werden, die Regeln (die sprachlichen, die Umgangsformen) zu adaptieren.

Gründungen bedürfen der Förderung. Sie sind ein Investment in die Zukunft des Wirtschaftsstandorts Deutschland. Wir sind in unserem Start-up-Ökosystem gut vernetzt, verstehen uns aber nicht als abgeschlossener Kosmos. Gerne heißen wir politische Akteure in unserer Welt willkommen, seien sie in der Landespolitik Berlins aktiv oder Abgeordnete des Deutschen Bundestags.

Schritt aus der Nische heraus

Was wir in diesen Wochen erleben, ist ein neuer Schritt unserer Industrie aus der gesellschaftlichen Nische in den gesamtgesellschaftlichen Raum. Wenn die Gründer (Unternehmer) dieser Industrie ebenso wahrgenommen werden wollen und ihre Stimme erheben möchten wie die klassischen Unternehmer, müssen sie gesellschaftliche Verantwortung übernehmen. Social Businesses gibt es ja bereits einige in unserer Industrie. Vieles, was wir im Web für unsere Geschäftsmodelle nutzen, wirkt in anderen Gesellschaften als Accelerator von Demokratie und Freiheit. Einer größeren Gestaltungskraft korrespondiert eine größere Verantwortung. Ist die Start-up-Industrie bereit dafür?

Newconomy ist die neue Kolumne der Berliner Start-up-Industrie. Sie beschreibt Szenen auf der Schnittstelle zwischen neuer und klassischer Ökonomie, zwischen Politik und Unternehmertum. Newconomy ist gesponsert durch die Factory, der neue Start-up-Standort in Berlins Mitte
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