Nun ist der Skandal handfest: Es gibt einen Verräter im päpstlichen Haushalt. Wie in der guten alten Krimi-Zeit war es der Butler. Der letzte Diener, der von sich hören gemacht hat, war der von Lady Di, der dem Palast mit seinen Enthüllungen über das Leben der Prinzessin von Wales keine Freude gemacht hat. Der Skandal jetzt ist von größerer Bedeutung und politischer Sprengkraft als der aus dem Hause Windsor, denn die treulose Kanaille hat die Post des obersten Souveräns des Vatikanstaats an die Presse weiter gereicht.
Der Papst bekommt im Moment aus der römischen Kurie sein Fett weg und zwar für eine Sache, die wir Deutschen auf dieser Seite der Alpen nicht wirklich wahrnehmen: Als Joseph Ratzinger im Jahr 2005 als Benedikt XVI. den Stuhl Petri bestieg, wollte er Schluss machen mit der Korruption, die sich um das Grab des Apostels rankte wie ein eitriges Krebsgeschwür. Unter dem Pontifikat des polnischen Papstes blühte der Schattenhandel im Zeichen des Kreuzes, als hätte es die Reformation nicht gegeben und die Borgia würden immer noch oben im Apostolischen Palast in ihren Gemächern Unzucht treiben.
Ein Foto mit dem Papst gegen Kohle
In Rom ist die Rede davon, dass einfache Verwaltungsanliegen für eine Summe von 10.000 Euro zu haben gewesen sein sollen. Ein Foto mit dem Pontifex Maximus, auch das mag dem einen oder anderen protestantischen Deutschen nicht verständlich sein, gab es gegen Kohle. Es hilft einem Unternehmer in Italien und anderen Flecken der katholischen Welt, sein Renommee zu verbessern und seine Umsätze zu steigern.
Vermutet wurde hinter dem Treiben der ehemalige Privatsekretär von Johannes Paul II., der mittlerweile zum Erzbischof von Krakau avancierte Stanislaw Dziwisz. In der Spätphase des Pontifikats war er der mächtigste Mann im Vatikan; er regelte den Zugang zum kranken Papst.
Benedikt legt sich mit der Leitung der Vatikanbank an
Benedikt XVI. schaffte als Erstes die Kamera-Audienz ab, jene Audienz, in der zwanzig bis vierzig ausgewählte Personen ihr Foto mit dem Papst bekommen konnten. Begründet wurde dies mit dem engen Zeitplan des Papstes, Vatikankenner wissen um die wahren Gründe.
Johannes Paul II. hatte seinen Deal mit der Kurie: Er ließ sie in Ruhe, sie ließen ihn in Ruhe. Ex post kann man vermuten, dass Karol Wojtyla deswegen so gerne und viel gereist ist, weil die Predigtreisen in die Welt mehr Früchte trugen als der Umgang mit der römischen Kurie. Konrad Adenauer, einmal darauf angesprochen, warum er noch keine Rom-Wallfahrt unternommen habe, antwortete, dass er sich nicht den letzten Funken Glauben nehmen lassen wolle. Bei dem, was aus den Vatikanmauern nach außen dringt, macht es wieder mal keinen Spaß, katholisch zu sein. Und es nimmt sich so aus, als hätte sich seit der Reformation dort wenig geändert.
Benedikt, das muss man ihm lassen, hat sich mit den heimlichen Herrschern in dem Staat, den er eigentlich als absolutistischer Regent führt, angelegt. Auch an der Spitze der Vatikanbank gab es eine Entlassung. Und wie immer in der Politik schafft man sich mit solchen Maßnahmen auch neue Feinde.
Das italienische Kartell im Vatikan brechen
Johannes Paul und Benedikt haben beziehungsweise hatten einen entscheidenden Nachteil: Beide sind keine Italiener. Die Strukturen und Abhängigkeiten, die im Vatikan existieren, sind nicht leicht zu durchschauen. Der Schritt von Johannes Paul, immer mehr Kardinäle ‒ die ja bekanntlich den nächsten Papst wählen ‒ aus Lateinamerika, Afrika und Asien zu berufen, ist ein Meilenstein gewesen, der die Herrschaft der Italiener im Vatikan brechen sollte. Unvergessen, dass am Tag nach der Wahl Wojtylas italienische Zeitungen Enttäuschungen darüber zeigten, dass ein nicht-italienischer Pole Bischof von Rom geworden ist.
Die katholische Kirche in Deutschland muss ihren Mann in Rom nun stärken. Er ist im Vatikan in Bedrängnis, vermutet wird, dass der Judas im Livree nicht allein agiert hat, sondern in Diensten derer steht, die die Kurien-Reform verhindern wollen. Wie sollte sie das tun?
Kein Peters-Pfennig für die korrupten Kuttenbrunzer
Nun, die Deutschen haben einen großen Einfluss, weil von hier aus, von der katholischen Kirche in Deutschland, regelmäßig Geldzahlungen im Vatikan eintreffen. Summen, die nicht nur am 29. Juni, am Tag der Apostel Petrus und Paulus, klassischerweise von den Gläubigen auf der ganzen Welt für die Peterskirche und die Belange des Papstes gesammelt werden. Apropos Peters-Pfennig: Dieses Jahr lassen wir sie ausbluten, die korrupten Kuttenbrunzer. Um den Papst zu unterstützen! Ziviler Ungehorsam des weltweiten Kirchenvolkes!
Das wäre doch mal was für die Nasen von „Wir sind Kirche“. Aber die basteln schon wieder am nächsten Fußgängerzonenstand gegen Zölibat und für Frauenpriestertum. Wo sind denn eigentlich die Kirchenkritiker, wenn der Papst sie braucht?
Lesen Sie auch die letzte Kolumne von Alexander Görlach: Die Fassenacht ist aus

















