Bei der Energiewende jonglieren wir mit 25 Bällen gleichzeitig. Claudia Kemfert

Sachsen raus!

Europas Epizentrum der Schande ist Sachsen. Es wird Zeit den zahlreichen Rechten in diesem neuen Bundesland zu zeigen, dass sie im Verbund zivilisierter und kultivierter Menschen nicht erwünscht sind.

Wenn man mit Angehörigen der Istanbuler Elite spricht, dann sagen einem manche: “Hätten die Osmanen damals das Christentum angenommen und nicht den Islam, wir müssten uns heute nicht mit den Arabern rumärgern.” Gemeint ist, dass die Türken, mit denen ich spreche, es eher als Last empfinden über die Religion mit der arabischen Sprache und Kultur verbunden zu sein. Die für sie interessante Weltregion ist der aufgeklärte Westen, mit dem das Land ihrem Wunsch nach mehr gemein haben sollte als die islamisierte Republik von Staatspräsident Erdogan.

Sachsen ist der Schandfleck Deutschlands

Nun, wir Deutsche verstehen die Türken sehr gut. Denn wir haben Sachsen. Und wäre Karl der Große in seiner unvergleichlichen Huld nicht von dem Gedanken geradezu besessen gewesen, die unkultivierten Sachsen in sein Reich zu integrieren, wir müssten uns heute nicht mit ihnen rumschlagen. Sachsen das ist der Schandfleck Deutschlands. Der Landstrich ist, in den Dimensionen des karolingischen Reiches gesprochen, ein Schandfleck Europas. Die Sachsen waren der einzige Stamm, den der allerchristlichste Kaiser und Schutzherr der heiligen Kirche mit dem Schwert zum Glauben bekehrte. Er wurde dafür von manchen seinen Zeitgenossen kritisiert. Festzustellen ist, dass das Christentum in Sachsen nicht verinnerlicht wurde. In Bayern müssen rechte CSU-Krakeler wenigstens die gewichtige Stimme der katholischen Bischöfe fürchten. Das Bildnis des gekreuzigten Nazareners schmückt bayerische Amtsstuben, Klassenzimmer und Weggabelungen. Der Heiland der Christen, der in Erdentagen selbst Flüchtling war, verpflichtet die Kulturnation Bayern zu einer gewissen Zurückhaltung. Auch hier sind die Dämme am Brechen, so viel sei gesagt. Horst Seehofer hat die Axt angelegt. Aber eine kulturelle Firniss wie sie in Bayern gerade am Brennen ist, ist in Sachsen schon lange nicht mehr vorhanden. Das Land gibt eine Ozonloch große Fläche preis, auf der Humanismus und Mitgefühl keine wahres Weideland mehr finden.

Selbstverständlich sind nicht alle Sachsen so, aber die Vernünftigen sind still, weil sie sich vor den Rechten fürchten. Natürlich gibt es im Westen des Landes auch Rechte, ihre Dichte und ihre Unverfrorenheit jedoch sind einzigartig übel nur in Sachsen zu bestaunen. Clausnitz und Bautzen sind traurigste Höhe- und ikonographische Tiefpunkte eines Abstiegs, auf dessen abschüssigen Weg sich der Stamm seit seiner Befreiung aus der Tyrannei im Jahr 1989 gemacht hat. Dabei hat der Westen ihnen doch, ähnlich wie Karl der Große seinerzeit, nur Fortschritt gebracht. Und Wohlstand. Und Freiheit.

Die Rechte Weltsicht dominiert in Sachsen

An Sachsen lässt sich besichtigen, leider, was geschieht, wenn Bürger- und Christentum gewaltsam unterdrückt werden, so wie in der DDR. Am Ende bleiben ungebildete Volksschichten zurück, die keine Eliten mehr kennen, die ihnen die Unbilden der Gegenwart erklären könnten. So wird die eigene Wahrnehmung zur Wahrheit für alle – ein Prozess, dem die frühkindliche Entwicklung im Alter von ungefähr vier Jahren einen Riegel vorschiebt, in dem Kinder lernen, dass sich ihre Weltsicht von der anderer unterscheidet – und damit zum Fanal der Zurückgebliebenen. Die rechte Weltsicht ist die dominierende in Sachsen. Mit der NPD im Landtag.

Warum dieser Undank? Ihr lebt nicht in Unfreiheit, ihr seid auch nicht arm – auf jeden Fall und überhaupt nicht im Vergleich mit Kriegsflüchtlingen, die vor Bomben und Hungersnot aus Syrien nach Deutschland geflüchtet sind.

Ihr solltet euch schämen!

1989 war es richtig laut “Wir sind das Volk” zu rufen. Heute, nun ja: nein. Entschieden nein. Ihr seid nicht das Volk, ihr seid Bewohner eines Bundeslandes, schlechte Bundesgenossen, ihr beschmutzt das Ansehen der Republik in der Welt. Ihr solltet euch einfach nur schämen, ganz lange und vor allem: ganz leise.

Was können wir tun? Der Rest des Landes muss den anständigen Sachsen beistehen. Sie aufnehmen zum Beispiel. Denn in Sachsen mag doch keiner mehr wirklich wohnen. Und durch soziale, liebevolle Ächtung den zurückgebliebenen Sachsen klarmachen: Diejenigen von euch, die rumstehen und das Abbrennen von Notunterkünften beklatschen, diejenigen, die es super finden, Schutzbedürftige zu bespucken, ihnen Angst zu machen und sie dann noch, wie zynisch ist das eigentlich, unter der Bus-Aufschrift “Reisegenuss” einem Spießrutenlauf nebst Polizeigewalt zuzuführen, diejenigen sind einfach nur, für die gesamte zivilisierte Welt nur eines, nämlich Abschaum.

Lesen Sie auch die neuste Kolumne von Alexander Görlach: Alles richtig gemacht

Leserbriefe

comments powered by Disqus

Mehr zum Thema: Sachsen, Flüchtlingskrise

Debatte

Das Tabu der Produktivität

Medium_0fa8cfe991

Die vierte Kränkung

Es gibt nur eine einzige Chance, die weltweite Völkerwanderung zu beenden. Und das ist die Bekämpfung der Bildungslosigkeit in den Ursprungsländern. weiterlesen

Medium_b166e0eb31
von Hans-Martin Esser
25.05.2016

Gespräch

Medium_0455d31c6a

Debatte

Der derzeitige Kapitalismus tötet

Medium_f0ccc670aa

"Man darf Gesellschaften nicht überfordern"

Spätestens vor zwei Jahren hätte man eine innereuropäische Lösung finden müssen, um die Schengen-Regel in eine andere, europäische Regel zu transformieren. Dies ist versäumt worden. weiterlesen

Medium_169fd8a9b4
von Oskar Lafontaine
16.05.2016
meistgelesen / meistkommentiert