Königshäuser sind Vorreiter der Emanzipation. Julia Melchior

Die Mitte ist links

Linke Gruppierungen skandieren laut, sie seien die Mitte. Damit drängen sie jede Gegenmeinung an den rechten Rand – und bezeugen so ihr eigentümliches Toleranzverständnis.

Wenn sich beispielsweise eine relativ kleine, wenn auch lautstark auf sich aufmerksam machende, linke Gruppierung – meist aus dem rot/grünen Parteispektrum – selbst als Mitte der Gesellschaft definiert, werden viele schnell ins sogenannte rechten Lager gerückt. Da wir in Deutschland aufgrund unserer NS-Vergangenheit eine besondere Sensibilität in diese Richtung entwickelt haben – und das ist gut so –, ist es vor diesem Hintergrund recht einfach, Positionen von politisch Andersdenkenden per Zuordnung zur „rechten Szene“ ins Aus katapultieren zu wollen.

Mündigkeit unter Ideologen nicht zu finden

Es scheint eine Regel zu geben, dass sich Ideologien – je radikaler sie sind – selbst als Mitte bezeichnen. Beispielsweise praktiziert auch der französische „Front National“ diesen Ansatz, indem er eine Selbsteinordnung als „weder rechts noch links“ vornimmt. Fallen die Menschen auf solche Tarn- und Täusch-Manöver herein, geraten Andersdenkende sofort an den rechten oder auch linken Rand. Ergänzend scheint eine weitere Formel zu wirken: Je intensiver eine Position ideologisch begründet ist, desto heftiger wird auf Anfragen oder Gegenargumente nicht mit Nachfragen oder eigenen Verdeutlichungen, sondern mit Häme, Angriff und Diffamierung reagiert. Auch wenn der von Immanuel Kant eingebrachte Appell „Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen“ zu einem Kerngedanken der Aufklärung wurde, beim Umgang mit Ideologen scheint er keine Wirkkraft zu haben. Somit kann in solchen Situationen „Aufklärung nicht zur Beendigung des Menschen aus seiner selbst verschuldeten Unmündigkeit“ führen.

Im Bereich der politischen Praxis sitzt vor diesem Hintergrund bei anstehenden Entscheidungen unterschiedlichsten Funktionsträgern auch immer die Angst im Nacken, dass eine schwerwiegende Fehlhandlung das eigene Amt kosten könnte. Je kraftvoller also Politikern von links eine Schauergeschichte ins Ohr geflüstert – oder vielleicht auch gebrüllt – wird, was passiert, wenn eine keinesfalls gewollte Entscheidung getroffen würde, desto panikartiger werden die meisten reagieren. Vor allem dann, wenn sie die ans Ohr gerichtete Botschaft nicht per Objektivierung überprüfen. Etliche militärische Sanktionen oder Interventionen gegenüber Staaten und viele kriegerische Auseinandersetzungen in der jüngeren Vergangenheit sind darauf zurückzuführen, dass Beraterstäbe oder einflussreiche Lobbyisten einseitige – oder auch objektiv unwahre – Botschaften an die Entscheidungsträger richteten. Die Folgen kennen wir alle.

Radikalisierung als Durchsetzungsmittel

Im Umfeld der Kritik an entsprechenden politischen Beschlüssen zur „Frühsexualisierung“ wurde diese Strategie – besonders eklatant im Rahmen des neuen Bildungsplanes für Baden-Württemberg – offensichtlich: Alle, die wichtige Argumente gegen zu frühe und in gefährliche Richtungen laufende Instruktionen einbrachten bzw. sich deutlich gegen den sogenannten Bildungsplan aussprachen, wurden und werden als ewig Gestrige zu diffamieren gesucht. Und eine besonders subtile Abwehrreaktion scheint das Schieben in eine rechte Ecke zu sein. Wenn aber immer mehr Menschen begreifen, welche Folgen das von einer relativ kleinen – wenn auch lautstark auf sich aufmerksam machenden – linken Gruppierung entwickelte Programm für unsere Kinder hat, wird bald eine überwältigende Mehrheit aus der Mitte unserer Gesellschaft ein entschiedenes „Stopp, so nicht“ verkünden.

Ein Hauptproblem scheint zu sein, dass von den Ober-Organisatoren(innen) der LGBT-Szene (Abkürzung für Lesbian, Gay, Bisexual und Transgender) viel mehr Toleranz und Akzeptanz eingefordert wird, als dies der Mehrzahl der anders denkenden Menschen oder auch anders lebenden heterosexuell Orientierten zugestanden wird. So werden aus Anfragen oder Gegenpositionen schnell Angriffe konstruiert und friedliche Demonstrationen von sorgenvollen Bürgern, Eltern oder Lehrkräften in ihrer Durchführung zu torpedieren gesucht. Radikalisierung scheint zum Hauptdurchsetzungsmittel eigener Sichtweisen zu werden. Fragt jemand beispielsweise, wieso der Öffentlichkeit die meist sehr frivol-obszönen Christopher-Street-Day-Umzüge zugemutet werden, wird der Anfrager ruck, zuck zum Homohasser zu machen gesucht und kräftig attackiert. Findet ein ruhiger und zum Nachdenken einladender Umzug für das Leben statt, ein im Grundgesetz als besonders schutzwürdig erachtetes Thema, dann ruft die LINKE – wie in diesen Tagen – dazu auf, den „Marsch für das Leben“ zu blockieren. Eigentümlich, welches Demokratie- und Toleranzverständnis da in irgendwelche Köpfe geraten ist.

Gefahren der Forderung nach sexueller Vielfalt

Der „Cologne Pride“, die Kölner CSD-Version, stand in diesem Jahr unter dem Motto „Vielfalt lehren, lernen, leben“. Es wird weiter verdeutlicht, dass es darum geht, die Menschen für das Thema Homo- und Transphobie in Schule und Ausbildung zu sensibilisieren. Das klingt auf den ersten Blick gut. Aber bei genauerem Hinschauen werden zwei Probleme offenkundig. So kann der Slogan auch beispielsweise von rechtsradikalen Gruppierungen genutzt werden, um per Querschnittsoffensive braune Vielfaltsparolen in Kinder- oder Jugendlichenköpfe einzuträufeln. Auch der Begriff „Sensibilisieren“ hört sich gut an, steht aber im krassen Gegensatz zu vielen – eher als Hassattacken zu bezeichnenden – Aktionen der LGBT-Szene. Aber vielleicht denken und handeln Kölner auch anders als Menschen derselben Szene beispielsweise in Stuttgart.

Ein Konzept zu sogenannter „sexueller Vielfalt“ – auch wenn es sich recht harmlos anhört – ist viel zu mehrdeutig, um es für Bildungsprozesse nutzen zu können. Die Pädophilen haben schon – im Umfeld der Stuttgarter Bildungspläne – die Offerte für mehr sexuelle Toleranz in ihrem Sinne euphorisch begrüßt. Wenn also nicht klar definiert wird, was mit „sexueller Vielfalt“ gemeint ist, kann dies im Grunde alles bedeuten und alles legitimieren. So schließt die schwammige Forderung nach Akzeptanz sexueller Vielfalt auch ein: Sex mit Kindern, Sex mit Tieren, Sex per Exhibition, Sex in Verbindung mit Gewaltanwendung. Vielfalt ist halt sehr vielfältig. Wer das Fass aufmacht, bekommt es vielleicht nicht mehr an entscheidender Stelle zu. In Dänemark existieren derzeit ganz legal Tierbordelle, auch das ist Teil einer sexuellen Vielfalt. Selbst wenn die LGBT-Lobbyisten dies nicht meinen, es ist keinesfalls auszuschließen, wenn man den Begriff weit fasst.

Wenn es den Protagonisten der LGBT-Szene wirklich um einen Abbau gesellschaftlicher Diskriminierung von „Eigenheiten“ ginge, hätten sie stattdessen ein Diversity-Konzept vorlegt, um so einen deutlichen Impuls für ein Leben in Vielfalt ohne Ausgrenzung zu setzen.

Lesen Sie weitere Meinungen aus dieser Debatte von: The European, The European, The European.

Leserbriefe

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