Es wäre inhuman, wenn Fleiß, Talent und Lebensentscheidungen keinen Unterschied mehr machten. Christian Lindner

Lötzsch in die CDU

Gegen den Kommunismus ist nichts einzuwenden. Seine Forderung nach Solidarität fußt direkt auf christlichen Glaubenswurzeln, sein Beharren auf allgemeinem Wohlstand lässt jeden Mittelständler jubeln. Die Zukunft des Kommunismus liegt in der Union, Gesine Lötzsch zum Trotz.

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Dass sich ausgerechnet christliche Politiker über Gesine Lötzsch so aufregen, muss doch sehr wundern. Denn die erste christliche Gemeinschaft in Jerusalem praktizierte den Kommunismus pur: "Und alle, die gläubig geworden waren, bildeten eine Gemeinschaft und hatten alles gemeinsam. Sie verkauften Hab und Gut und gaben davon allen, jedem so viel er nötig hatte“ (Apg. 2,44ff., siehe auch Apg. 4,32–37). Von dieser Stelle her leitet sich jener Wahlspruch des Kommunismus, den der Christ Karl Marx formulierte: "Jeder nach seinen Fähigkeiten, jedem nach seinen Bedürfnissen.“ Kurz und gut: Kommunismus ist die Aufhebung des Leistungsprinzips und des auf ihm basierenden Eigentums. Der heilige Petrus, in dessen Nachfolge sich die Päpste bis heute wähnen, setzte insbesondere die Eigentumslosigkeit mit recht groben Mitteln durch, wie die Geschichte von Hananias und Saphira (Apg. 5,1–11) beweist.

Christlicher Eigentumsverzicht

Seit jeher steht das Christentum aber auch mit dem Leistungsprinzip auf Kriegsfuß, und das gehört auch zu den erfreulicheren Seiten dieser Religion – eine Seite, die natürlich nicht beschworen wird, wenn die "christliche Leitkultur“ gegen angeblich unproduktive türkische Gemüsehändler und ihre Kopftuchmädchen in Anschlag gebracht wird. Tatsächlich handelt es sich bei der Sarrazinade eher um ein Rest-Ressentiment aus der SPD, die – obwohl ihre Gleichheitsträume eben von jenem urchristlichen Ideal befeuert werden – im 19. Jahrhundert als Proletarier-Interessenvertretung die fatale Losung auf ihre Fahnen schrieb: "Wer nicht arbeitet, soll auch nicht essen.“ Ähnlich sah es die NSDAP, die in Punkt 11 ihres Parteiprogramms von 1920 die "Abschaffung des arbeits- und mühelosen Einkommens“ forderte, was wiederum an den Spruch Guido Westerwelles von 2010 erinnerte, es müsse Schluss sein mit "anstrengungslosem Einkommen“. Aus der CDU hingegen, und das ist ein echt christlicher Gedanke, stammt der Vorschlag eines "bedingungslosen Grundeinkommens“ (Dieter “Pistensau” Althaus nannte es "solidarisches Bürgergeld“) – also eben jenes arbeits-, mühe- und anstrengungslose Einkommen, das den unsolidarischen Kleinbürger so in Rage bringt. Die Linke ging einen Schritt weiter, stahl die CDU-Parole vom "Wohlstand für alle“ und fordert nun "Reichtum für alle“, was man als die hedonistische Form des Kommunismus bezeichnen kann – auch sie übrigens bei Marx zu finden, der sich den Kommunismus als eine Gesellschaft vorstellte, in der die Arbeitsteilung aufgehoben ist und die "mir eben dadurch möglich macht, heute dies, morgen jenes zu tun, morgens zu jagen, nachmittags zu fischen, abends Viehzucht zu treiben, nach dem Essen zu kritisieren, wie ich gerade Lust habe, ohne je Jäger, Fischer, Hirt oder Kritiker zu werden“. So ein bisschen Benediktinermönch, könnte man sagen, ohne das lästige Beten und Fasten.

Christlicher Zukunftskommunismus

Kurz und gut, gegen den Kommunismus ist nichts einzuwenden, außer dass er – wenn man nicht gerade ein verkrachter Bankenvorstand, Mönch oder Kibbuznik ist – utopisch bleibt. Wie kommt aber Gesine Lötzsch darauf, ihn ausgerechnet mit den Querulanten, Karrieristen und Altstalinisten der Linkspartei verwirklichen zu können? Ihr Platz ist doch in der Union!

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