Dass sich ausgerechnet christliche Politiker über Gesine Lötzsch so aufregen, muss doch sehr wundern. Denn die erste christliche Gemeinschaft in Jerusalem praktizierte den Kommunismus pur: "Und alle, die gläubig geworden waren, bildeten eine Gemeinschaft und hatten alles gemeinsam. Sie verkauften Hab und Gut und gaben davon allen, jedem so viel er nötig hatte“ (Apg. 2,44ff., siehe auch Apg. 4,32–37). Von dieser Stelle her leitet sich jener Wahlspruch des Kommunismus, den der Christ Karl Marx formulierte: "Jeder nach seinen Fähigkeiten, jedem nach seinen Bedürfnissen.“ Kurz und gut: Kommunismus ist die Aufhebung des Leistungsprinzips und des auf ihm basierenden Eigentums. Der heilige Petrus, in dessen Nachfolge sich die Päpste bis heute wähnen, setzte insbesondere die Eigentumslosigkeit mit recht groben Mitteln durch, wie die Geschichte von Hananias und Saphira (Apg. 5,1–11) beweist.
Christlicher Eigentumsverzicht
Seit jeher steht das Christentum aber auch mit dem Leistungsprinzip auf Kriegsfuß, und das gehört auch zu den erfreulicheren Seiten dieser Religion – eine Seite, die natürlich nicht beschworen wird, wenn die "christliche Leitkultur“ gegen angeblich unproduktive türkische Gemüsehändler und ihre Kopftuchmädchen in Anschlag gebracht wird. Tatsächlich handelt es sich bei der Sarrazinade eher um ein Rest-Ressentiment aus der SPD, die – obwohl ihre Gleichheitsträume eben von jenem urchristlichen Ideal befeuert werden – im 19. Jahrhundert als Proletarier-Interessenvertretung die fatale Losung auf ihre Fahnen schrieb: "Wer nicht arbeitet, soll auch nicht essen.“ Ähnlich sah es die NSDAP, die in Punkt 11 ihres Parteiprogramms von 1920 die "Abschaffung des arbeits- und mühelosen Einkommens“ forderte, was wiederum an den Spruch Guido Westerwelles von 2010 erinnerte, es müsse Schluss sein mit "anstrengungslosem Einkommen“. Aus der CDU hingegen, und das ist ein echt christlicher Gedanke, stammt der Vorschlag eines "bedingungslosen Grundeinkommens“ (Dieter “Pistensau” Althaus nannte es "solidarisches Bürgergeld“) – also eben jenes arbeits-, mühe- und anstrengungslose Einkommen, das den unsolidarischen Kleinbürger so in Rage bringt. Die Linke ging einen Schritt weiter, stahl die CDU-Parole vom "Wohlstand für alle“ und fordert nun "Reichtum für alle“, was man als die hedonistische Form des Kommunismus bezeichnen kann – auch sie übrigens bei Marx zu finden, der sich den Kommunismus als eine Gesellschaft vorstellte, in der die Arbeitsteilung aufgehoben ist und die "mir eben dadurch möglich macht, heute dies, morgen jenes zu tun, morgens zu jagen, nachmittags zu fischen, abends Viehzucht zu treiben, nach dem Essen zu kritisieren, wie ich gerade Lust habe, ohne je Jäger, Fischer, Hirt oder Kritiker zu werden“. So ein bisschen Benediktinermönch, könnte man sagen, ohne das lästige Beten und Fasten.
Christlicher Zukunftskommunismus
Kurz und gut, gegen den Kommunismus ist nichts einzuwenden, außer dass er – wenn man nicht gerade ein verkrachter Bankenvorstand, Mönch oder Kibbuznik ist – utopisch bleibt. Wie kommt aber Gesine Lötzsch darauf, ihn ausgerechnet mit den Querulanten, Karrieristen und Altstalinisten der Linkspartei verwirklichen zu können? Ihr Platz ist doch in der Union!



















Gegen die Aushebelung von Leistungsprinzip und Privateigentum (“Kommunismus”) ist einzuwenden, dass sie zu Fehlallokation von Ressourcen und zu Verfall und Stagnation einer Gesellschaft führt.
Herr Posener, Sie wissen jetzt aber schon, dass das “Wer nicht arbeitet, soll auch nicht essen” auch aus der Bibel stammt (Paulus)? :-)
Grundsätzlich gebe ich Ihnen aber Recht – das Sympathische und eine der Stärken des Christentums ist, dass es das kurzsichtige scheinindividualistische “Leistungs”-Prinzip überwindet.
Mit einer gewissen Genugtuung habe ich Heutemorgen in den Oneline-Nachrichten gelesen das der amerikanische Finanzminister vor dem amerikanischen Staatsbankrott warnt. Die passt dann wieder zu einen Bericht des Tagesspiegels von Heute, in dem bekannt wird das China eine Unmenge US Staatsanleihen besitzt, und nachdem sie schon Portugal mit Anleihenkäufen in Milliardenhöhe gestützt haben dies auch mit Spanien machen. Der Witz an der Sache, Der Komunismus stützt den Kapitalismus und den Euro! Anscheinend würde sich das Kapital auch Geld vom Teufel persönlich holen um zu überleben.
@Rolf Kohl
China ist allerdings mitnichten ein kommunistischer Staat. Der rasende Wiederaufstieg zur Weltmacht ist Beijing schließlich nur geglückt, indem es sich kapitalistischen Prinzipien unterworfen hat oder besser, sich sie zu eigen gemacht hat. Die boomenden Küstenregionen des Riesenreiches haben wahrlich nichts mit Kommunismus zu tun. Dort regiert die Marktwirtschaft.
@C.Meyer
Was nichts daran ändert das man China immer noch zu den kommunistischen Staaten zählt und als Feindbild der USA herhalten muss.
Sie haben hier Christentum mit Katholizismus gleichgesetzt. Für den protestantischen Leistungsterror gilt das aber nicht…
Was bitte, ist “protestantischer Leistungsterror”?
@christopher meyer: das ist, wenn sie vergebung nur durch arbeit finden, und arbeit als ethische pflicht gilt. also quasi westerwelle auf religiös
Was meiner Meinung nach erstrebens- und unterstützenswert ist. Aber mal im Ernst. Das mit dem “Terror” ist schon die heftigste Form der Übertreibung die Sie je verwandten, oder?
Wer, wie Herr Posener, die fröhliche Botschaft aus der Apostelgeschichte über den" Kommunismus" der Urgemeinde in Jerusalem verkündet, sollte dazu auch sagen, dass dieses fromme Häuflein davon überzeugt war, dass ihr Messias Jesus Christus schon morgen, spätestens übermorgen wiederkommen und alle seine Schäflein von dieser bösen Erde in den Himmel entrücken wird. Wie wir wissen, warten darauf die Anhänger von Jesus Christus bis heute vergeblich, wenn auch viele davon überzeugt sind, dass es beim heutigen Zustand der Welt nicht mehr allzu lange dauern kann, bis er wiederkommt. Darüber hinaus wissen wir von Paulus, dass diese kleine Herde von Schäfchen in Jerusalem wohl schon nach kurzer Zeit pleite war, nachdem ihre Mitglieder alle Grundstücke etc. verkauft hatten und das Geld den Armen schenkten. Sie mussten nun offenbar durch Geldsammlungen von Paulus in Griechenland und Galatien (Türkei) unterstützt werden (1. Kor.16).
Das reale Christentum besteht aber nicht nur in der Nachfolge der Urgemeinde in Jerusalem, sondern beruht u. a. auch auf dem Alten Testament, wo Reichtum und Erfolg ausdrücklich als Segen vom Herrn verkündet wird. Der Erfolg des Christentums beruht bis heute auch auf dem Erfolg von tatkräftigen und erfolgreichen Männern wie Kaiser Konstantin I., Karl Martell und Kaiser Karl dem Großen, Kaiser Karl V. (Missionierung von Südamerika) und vielen anderen, die das Christentum auf dieser Erde eingewurzelt haben, unter anderen auch den Verteidigern von Wien im Jahre 1529 und 1683. Auch die Kreuzritter und die Tempelritter haben letzlich indirekt sehr zum Erfolg des Christenums beigetragen, da neue wissenschaftliche Erkenntnisse ins zurückgebliebene Abendland gekommen sind, die schließlich zur Renaissance und späteren Blüte von Naturwissenschaft und Technik geführt haben. Nur schade, dass die Kreuzritter die knapp hundert Jahre ihrer Herrschaft im Nahen Osten nicht dazu genutzt haben, eine Mauer um das Heilige Land zu bauen, um dieses besser verteidigen zu können, so wie es heute die Israelis tun, die demselben Feind gegenüberstehen.