Das Christentum kann nicht mit erhobenem Zeigefinger von oben herabschauen. Margot Käßmann

Ultimate Fighting ist kein Sport

Die Atmosphäre ist aggresiv, das Szenario martialisch: Die in einem Maschendrahtkäfig stattfindenden Kämpfe bergen ein hohes Wirkungsrisiko für Kinder und Jugendliche. Sport kann man das auf keinen Fall nennen.

In Köln fand am 13. Juni 2009 erstmalig eine Ultimate-Fighting-Championship-Veranstaltung (UFC) statt. Das Kölner Jugendamt erfuhr im März durch das Innenministerium NRW davon, daraufhin wurde Kontakt zum Veranstalter aufgenommen. Dieser erläuterte das Regelwerk. Während aus ordnungsrechtlicher Sicht keine Gefährdung der öffentlichen Sicherheit oder Ordnung gesehen wurde, mussten im Sinne des Jugendschutzes andere Maßstäbe angelegt werden: Im Jugendschutzgesetz wird dargelegt, dass eine Gefährdung von Kindern und Jugendlichen vorliegt, wenn “mit hinreichender Wahrscheinlichkeit zu erwarten ist, dass die psychische Konstitution oder das sozialethische Wertebild Minderjähriger Schaden nehmen kann”.

Abgestumpft und hemmungslos

Das martialische Szenario der Kampfstätte mit Maschendrahtkäfig und die aggressionsorientierte Atmosphäre bergen ein hohes Wirkungsrisiko für Kinder und Jugendliche. Minderjährige Teilnehmer/innen können bei einer solchen Veranstaltung lernen, dass Gewalt gegen andere Personen soziale Anerkennung bzw. Unterhaltung bietet. Dies wiederum fördert ein Abstumpfen gegenüber selbst ausgeübter Gewalthandlungen und kann die Hemmschwelle für die Anwendung von Gewalt herabsetzen.

Der Jugendschutz wurde bei der UFC dadurch sichergestellt, dass Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren keinen Zutritt zur Veranstaltungshalle erhielten und der Veranstalter diese Altersbeschränkung ebenfalls tolerierte. Am 13 Juni 2009 waren Vertreter des Jugendamtes in der Arena anwesend und haben die Vorgänge dort selbst mitverfolgt. Folgendes Resümee wurde aus der Veranstaltung gezogen: Die Einlasskontrollen verliefen ruhig und geordnet, lediglich 27 Personen musste der Zutritt verwehrt werden. Die Sicherheitsvorkehrungen waren sehr umfangreich. Übereinstimmend kam man zu dem Ergebnis, dass die Einführung der Altersbeschränkung ein sinnvolles und richtiges Instrument war.

Pervertierung der Grundidee des Sports

Einige Kampfszenen wirkten brutal und rücksichtslos. Es gab Kopfverletzungen, die durch Ellbogenschläge auf das Gesicht entstanden. Fingerknöchelhiebe auf den Kopf – speziell auf Augen und Nasen – hinterließen massive Kampfspuren. Der Mix aus Boxen, Ringen, Karate, Ju-Jutsu wirkte mehr wie eine Prügelei und war damit eher eine Pervertierung der Grundidee des Sports. Bei der UFC ist das Einschlagen auf den Gegner, wenn dieser auf dem Boden liegt und nicht mehr wehrfähig ist, nicht regelwidrig, sondern Ziel des Kampfes. Dies als legitimes sportliches Verhalten zu klassifizieren ist eindeutig die falsche Botschaft an Kinder und Jugendliche. Die gesamte gewaltpräventive Arbeit von Schulen, Sportvereinen und Jugendhilfeeinrichtungen würde konterkariert, wenn man Minderjährigen ungehindert Zutritt zu solchen Veranstaltungen gewähren würde – dies konnte am 13. Juni 2009 in Köln verhindert werden.

Das DOSB-Präsidium, Dachorganisation des organisierten Sports in Deutschland, tritt öffentlich gegen die Nutzung des Sportbegriffs als Deckmantel für diese teilweise menschenverachtenden Handlungen ein. Es rief die Mitgliedsorganisationen auf, eine Pervertierung der dem Sport immanenten Werte durch Mixed Martial Arts nicht zuzulassen.

Ultimate Fighting ist kein Sport. Es widerspricht dem allgemeinen Sportethos, weil dabei ethische Werte wie Fair Play und Chancengleichheit in den Hintergrund treten und der Grundsatz der Unverletzlichkeit der Person außer Kraft gesetzt werden. Fair Play heißt, die Leistungen anderer zu respektieren und anzuerkennen, nicht aber schwere Verletzungen billigend in Kauf zu nehmen.

Leserbriefe

  • Theeuropean-placeholder
    Stefan Helmreich MBA – 11.12.2009 - 21:05

    Wir führten in Graz Ende der 90er Jahre ein Projekt mit auffälligen gewaltbereiten Jugendlichen durch. In Zusammenarbeit mit Diskotheken und dem dortigen Sicherheitspersonal wurden diese Jugendlichen nach akkuten Vorfällen auf die Möglichkeit hingewiesen Ihre Agressionen beim MMA Training und nicht in der Disko unter Kontrolle zu bringen. Diejenigen die sich dazu entschlossen, bekamen einen Sinn in Ihrem Leben und kein Einzoger wurde je wieder bei einer Raufhandlung erwischt.

    Ein weiteres positives Beispiel ist Linz wo es Herrn Mandara gelungen ist Jugendlichen mit Migrationshintergrund aus mehr als 5 verscheidene Nationen zu einem friedlichen Miteinander und körperlicher Ausgeglichenheit zu bewegen.

    Für Sport wozu MMA oder Freefight eindeutig gehört gäbe es noch unzählige Beispiele mit positivem Einfluß auf die Gesellschaft. Noch nie laß ich ein einzig negatives Beispiel!

    freundliche Grüße aus Österreich
    Stefan Helmreich MBA
    Geschäftsführer www.freefighter.at

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