Ich war beliebt und damit gefährlich. Gabriele Pauli

Aber er gewinnt doch

Trotz fast ausschließlich negativer Presse, trotz massiver Wahlbeeinflussung aus dem Ausland, trotz seine Partei angeblich benachteiligender hoher Wahlbeteiligung, trotz absurder Koalitionen von Rechtsradikalen und Kommunisten gegen ihn, trotz, trotz, trotz: Viktor Orbán hat die ungarischen Wahlen erdrutschartig gewonnen.

Die deutsche Presse, bei der die Spanne zwischen links-liberal und linksextrem als Ausweis größter Meinungsbreite gilt, hat sich in sattsam bekannter Einmütigkeit bei der Berichterstattung über Ungarn wieder einmal übertroffen: nämlich in blinder Einseitigkeit und absurdem Selbstwiderspruch. Die freiwillige Gleichschaltung wirkt. Obwohl Ungarn, wie ständig von unseren so genannten Qualitätsmedien behauptet wird, eine „Diktatur" sei, hat man große Hoffnung gehegt, dass eine „Wendestimmung", eine „revolutionäre Situation" vorliege und Orbán abgewählt werden würde. Seltsam, man hat also eine Abwahl doch für möglich gehalten, anscheinend hatte die deutsche Presse doch Vertrauen in die demokratischen Abläufe im angeblich so diktatorischen Ungarn. Der „Fidesz" hat seine Anhänger übrigens auch vor der Möglichkeit einer Wahlniederlage gewarnt, aber der „Fidesz" ist ja auch eine demokratische Partei, die jetzt einen wahrlich überzeugenden Wahlsieg eingefahren hat.

Deutsche Zeitungen, praktisch alle offen oder versteckt links-grün orientiert, waren sich zuletzt nicht zu schade, den (jetzt zurückgetretenen) Vorsitzenden der antisemitischen und rechtsradikalen „Jobbik" begeistert zu zitieren, nur weil er die amtierende Regierung beschimpfte, vielleicht auch, weil er islamophil ist. Extrem Linke wie die Philosophin Ágnes Heller wurden interviewt, die ohne jeden Beweis widerspruchslos behaupten durfte, alle EU-Gelder würden vom „Fidesz“ an seine korrupten Leute verteilt. Ausgerechnet Studenten der Zentraleuropäischen Universität (CEU), links-grüne globalistische Kaderschmiede, wurden zur anstehenden Wahl interviewt, als ob sie für Ungarn repräsentativ wären. Ausgerechnet Studenten einer Universität, die ihren gesetzlichen Pflichten nicht nachkam, und deswegen auch schon vor Viktor Orbáns Amtszeit in einem stark publizierten Streit mit dem ungarischen Staat stand, die sich inzwischen korrigiert hat und nun vor ihrer Akkreditierung steht. Die Gesetzesverstöße der CEU waren der deutschen Lückenpresse natürlich keine Notiz wert. Die Gründung einer Filiale in Wien wurde dagegen als „Flucht vor Orbán“ mißdeutet. Echte Berichterstattung sieht anders aus. Hier handelt es sich um Propaganda.

Zu den völlig unlogischen, aber gebetsmühlenartig wiederholten Scheinargumenten gehörte der Hinweis auf das ungarische Wahlsystem, „das nur die Regierungsparteien bevorteile“. Grund für diese Unwahrheit ist die Absicht, den Reformen des „Fidesz“ grundsätzlichen Demokratieabbau zu unterstellen. Tatsächlich hat der „Fidesz“ nun mit etwa 50 Prozent der Stimmen aufgrund bestimmter Eigenheiten der Mandatsverteilung die Zweidrittelmehrheit der Parlamentssitze geholt. Aber es ist völlig klar, dass, sollte zum Beispiel die postkommunistische MSzP 50 Prozent der Stimmen erhalten, natürlich auch sie die Chance hätte, bei Erzielen zusätzlicher Anforderungen eine Zweidrittelmehrheit zu bekommen.

Eine platte Lüge deutscher Medien war es, zu behaupten, die Ungarn hätten bei ihrer Abstimmung keine echte Wahl. Den Wahlzettel kann bei Bedarf jeder Interessierte einsehen, deshalb ist diese Lüge besonders dreist. Sie ist nicht einmal im übertragenen Sinne wahr. Auf dem Wahlzettel standen 23 Parteien aller politischen Richtungen. Wahr allerdings ist es, dass die Ungarn begriffen haben, wohin die verantwortungslose Traumtänzerei der Linken führt, nämlich ins turbokapitalistische Niemandsland eines Vielvölkerstaats, in dem tribalistische Kämpfe nur durch eine technokratische Quasi-Diktatur unterdrückt werden können.

Obwohl durch die Zuspitzung des Wahlkampfs in den letzten Wochen eine hohe Wahlbeteiligung wahrscheinlich wurde, hat die deutsche Presse darin nur einen Vorteil für die Opposition gesehen. Ständig wurde geschrieben, dass nur die Opposition, also Orbán-Gegner, zusätzliche Wähler mobilisieren könnten. Warum eigentlich? Dass auch die Konservativen sehen könnten, was die Stunde geschlagen hat, wollten oder konnten die Journalisten der deutschen Einheitspresse nicht zugeben. Nun sind sie eines Besseren belehrt worden. Linkes Wunschdenken rächte sich hier schneller als dies bei den Folgen der islamischen Masseneinwanderung der Fall sein wird.

Orbán hat die kulturelle Bedrohung durch diese von ihm (und vielen anderen, die aber nicht zitiert werden) als Invasion bezeichnete Masseneinwanderung von Mohammedanern keineswegs ausschließlich in das thematische Zentrum des Wahlkampfs gestellt, wie es die deutsche Presse geschrieben hat, um ihn als „Rassisten“ zu verunglimpfen. In letzter Zeit wurde von ihm und seinen Mitarbeitern vermehrt auf die Erfolge der Regierungsarbeit des „Fidesz“ hingewiesen, die sogar, wenn auch nur in Teilen, von der deutschen Presse anerkannt werden mussten. Freilich schob diese Presse sogleich nach, dass es nur an den EU-Geldern lag, dass die Orbán-Regierung Erfolge hatte. Wieder so eine der jeder Logik widersprechenden Behauptungen: Als die sozialistisch-postkommunistischen Regierungen der Nullerjahre Ungarn fast ruiniert hatten, flossen doch auch EU-Gelder. Wieso gab es dann keine Erfolge?

Dass jetzt, wo alle diese Unwahrheiten, Verdrehungen und Lügen Makulatur sind und der „Fidesz“ mit seinem Spitzenkandidaten Viktor Orbán einen grandiosen Sieg eingefahren hat, der gerade durch eine Rekordwahlbeteiligung ausdrücklich bestätigt ist, bleibt dem luxemburgischen Sozialisten Jean Asselborn nur zu stänkern übrig. Er, in dessen Lebenslauf der Hinweis auf eine religiöse Orientierung vergebens gesucht wird, spricht von Ungarn, das soeben in einer einwandfreien demokratischen Wahl entschieden hat, als einem „Wertetumor, der immunisiert werden muss“. Die Entmenschlichung, Pathologisierung und Kriminalisierung von Menschen ist eine Spezialität von totalitär denkenden Politikern wie dem Brüsseler Bürokraten Asselborn. Auch der Spitzenkandidat der ungarischen Postkommunisten hat in der Wahlnacht, als er sich wegen der hohen Wahlbeteiligung auf der Siegerstrasse wähnte, den „Fidesz“ als „Bande“ bezeichnet; die Deutschen kennen diese Sprache gegenüber Andersdenkenden vor allem durch das Wort „Pack“ (S. Gabriel).

Viktor Orbán hat sich – in Deutschland undenkbar – in seiner Dankesrede nach der ersten Hochrechnung bei allen Menschen bedankt, die für „uns und für mich gebetet haben“ und seine Rede mit den Worten „Soli Deo Gloria“ beendet. Es ist die Tragödie nicht nur Deutschlands, dass viele kritische Geister sofort wutschäumend reagieren, wenn jemand offen christlich religiös zu sein wagt. Beim Islam sind diese kritischen Geister übrigens auffällig schweigsam, ja im Grunde schwenken sie schon die weiße Fahne. Dabei hat Orbán, der überzeugter Calvinist ist, immer gesagt, dass für ihn die Kultur Europas und seine Menschen christlich fundiert sind, auch wenn diese Menschen nicht beten oder zur Kirche gehen. Eine Ansicht, die nur Geschichtsvergessene bestreiten, die aber besonders in Deutschland leider unter den Hammerschlägen der so genannten Aufklärung und von ihr abhängiger atheistischer Systeme fast ausgelöscht wurde, sodass nur ein Vakuum zurückgeblieben ist, das ein blutleerer „Verfassungspatriotismus“ nicht ausfüllen kann.

Orbán und seine Mitstreiter versuchen, mit den zitierten Sätzen wie auch durch den christlichen Bezug der neuen ungarischen Verfassung das Christentum wieder ins öffentliche Bewusstsein zu bringen, es zu einer politisch wirksamen Kraft zu machen. Es ist ein wehrhaftes Christentum, das in Ungarn eine große Tradition hat. In Deutschland eigentlich auch. Anstatt Lügen zu glauben, sollten sich die Deutschen fragen, ob der Wahlerfolg Orbáns nicht an dieser Tradition liegen könnte, und ob seine Politik der Bewahrung der europäischen Kultur nicht auch für Glaubensferne doch langfristig besser ist als eine der für die ganze Welt offenen Tür, die bald unbezahlbar wird und unseren Kontinent zur Nichterkennbarkeit verändert – und zwar zum Schlechten hin.

Lesen Sie auch die letzte Kolumne von Adorján F. Kovács: Linke Schläger werden geduldet

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