Es gibt ein europäisches Lebensmodell, das wir verteidigen müssen. Guido Westerwelle

Linke Schläger werden geduldet

Die G20-Gewaltorgien sind kein Zufall, sie erwachsen einem linken Antifa-Milieu, das in deutschen Großstädten seit Jahren gezüchtet wird. Eine Analyse zum Fallbeispiel Frankfurt.

Als ich Mitte der 80er nach Frankfurt am Main kam, hat mich das enge Nebeneinander von Spätpunks und Yuppies an der Universität, von Drogensüchtigen und Bankern in der Taunusanlage nicht gerade fasziniert, aber interessiert. Ein treffend KoZ abgekürztes, gleichzeitig als Studenten- (und noch nicht Studierenden)-Café genutztes Kommunikationszentrum stand emblematisch mit Nica-Kaffee, kaputtem Mobiliar und den Besuchern vor die Füße kotzenden Kötern für die alternative Szene. Aus einer nebenan befindlichen Kita wehte sanft Uringeruch durch die sommers geöffneten Fenster herein. In einer mit linker und linksextremer Literatur gutsortierten Studentenbuchhandlung eine Tür weiter saß zerberusartig streng der langhaarige Giselher, dessen Nase ständig lief – ob wegen Heuschnupfens oder Kokainmissbrauchs, sei dahingestellt. Sein Name wies auf die politische Einstellung seiner Eltern, gegen die er, wie so viele, rebellierte.

Die zeitliche Dimension des staatlichen Versagens gegenüber linker Gewaltverherrlichung und linker Gewaltanwendung, gegenüber linkem Antisemitismus und linker Geschichtsklitterung ist enorm. Sie erstreckt sich von den 1980er Jahren bis in heutige Tage. In „Krankfurt” war damals die unsentimentale Härte der unverdeckten Realität der Republik zu spüren. „Keine Atempause, Geschichte wird gemacht, es geht voran!” Walter Wallmann war gerade noch dabei, aus „Krankfurt” eine lebenswertere Stadt zu machen. Doch die „Widersprüche”, um im marxistischen Jargon zu reden, waren nicht zu leugnen: Bei einer gewalttätigen „Demonstration” gegen eine Versammlung der NPD wurde der linksradikale Günter Sare von einem Wasserwerfer angefahren und getötet, weil er, szenetypisch bekifft, nicht ausweichen konnte. Das führte zu Straßenschlachten zwischen der „autonomen Szene” und der Polizei, bis Wallmann ein Demonstrationsverbot aussprach.

„Die Erde ist unbewohnbar wie der Mond”, so könnte ein Motto für das damalige Frankfurt gelautet haben. Nur einen Monat nach Sares Tod sollte ein auf dem Zwerenz-Roman beruhendes Stück von Rainer Werner Fassbinder aufgeführt werden, bei dem kaum verhüllt der jüdische Immobilienspekulant Ignatz Bubis als Vorbild für eine Rolle missbraucht wurde, nämlich in antisemitisch karikierender Weise. Die Aufführung wurde durch handgreiflichen linken Protest verhindert, aber die Problematik eines linken Antisemitismus war damit nicht aus der Welt. Meist linke Jounalisten behaupteten, das Stück sei nicht antisemitisch, und tatsächlich gelang es ihnen mit der Zeit durch das Erlangen der medialen Deutungshoheit, diesen Makel der Linken vergessen zu machen, bis er als Antizionismus wiederkam. Der Schal des eigentlich nicht existierenden Volkes der Palästinenser wurde hierzulande zum Zeichen der Anerkennung von Flugzeuge entführenden und sprengenden oder friedliche Sportler ermordenden Terroristen.

Gewaltorgie als „Sonntagsspaziergang” verniedlicht

Im KoZ hingen Aufrufe, sich an den „Sonntagsspaziergängen” gegen die Startbahn West zu beteiligen. Dabei handelte es sich schlicht um Sabotageaktionen und reine Gewalt. Das ging mehr oder eher weniger gut, bis es zu Schüssen auf Polizisten kam, durch die zwei Beamte ermordet und mehrere schwer verletzt wurden. Es ist symptomatisch, dass das Andenken an diese ermordeten Polizisten weniger hartnäckig wachgehalten wird als jenes von Günter Sare, der bis heute von der „Antifa-Frankfurt” verehrt wird. Darum seien ihre Namen hier genannt: Klaus Eichhöfer und Thorsten Schwalm. Die Identität der verurteilten Mörder übrigens wird heute noch sorgfältig von den Medien geschützt. Obwohl die „Demonstrationen” gegen die Startbahn West danach aufhörten, blieb die Anarchoszene weitgehend unbehelligt.

Sie bekam sogar ein Domizil von der Stadt. Auch hier ist der Name Programm: ExZess. Bei diesem angesprayten und heruntergekommenen Gebäude handelt es sich um einen Treffpunkt der „Antifa”, wobei eine im Nebengebäude untergebrachte, nicht einmal schlechte Theaterbühne und -truppe als kulturelles Feigenblatt dient. Von hier aus rollte der „Schwarze Block” gern mal über parkende Autos hinweg. Angezündet wurde noch wenig, demoliert aber schon oft und viel. Ich durfte die vermummte Truppe einmal selbst erleben. Ich kam mit meinem Kleinwagen von einem Besuch, es war fast Mitternacht, aus einer Seitenstraße auf die Berger Straße zu, auf der Hunderte von Schwarzgekleideten die Straße hinabmarschierten. An der Kreuzung wachte ein 40-jähriger in Lederjacke und deutete mir (übrigens rührend umweltbewußt) mit einer Handbewegung an, den Motor auszumachen, denn der Zug war offenbar noch lange nicht zu Ende. Ich fragte, ob nicht eher ich Vorfahrt hätte gegenüber einem nicht angemeldeten Aufmarsch. Das war der Lederjacke schon zuviel und sie meinte, gleich wurden ein paar kommen und das Auto demolieren, wenn ich nicht mache, was er sage. Ich habe den Rückwärtsgang eingelegt und bin davon, während er mir nach wollte, schäumend vor Wut. So etwas muss man als Bürger nicht haben. Aber es wird ganz offenbar als Folklore „toleriert”.

Das Ziel: Zerstörung aller Bindungen und Werte

Es gibt das ExZess heute immer noch. Sogar eine Bibliothek befindet sich darin. Einmal, vor ein paar Jahren, habe ich als Bücherfreund sie mir angeschaut. Der jugendliche Bewacher sah mich skeptisch an und meinte, ich (er meinte: jemand wie ich) würde da nichts für sich finden. Da solle er sich mal nicht täuschen, entgegnete ich, und tauchte in die extremistische Literatur ein. Da stand wirklich alles in den Regalen, was es auf die Zerstörung aller menschlichen Bindungen wie Ehe, Familie und Volk abgesehen hat: Kommunismus eben, den „Todestrieb in der Geschichte” (I. Schafarewitsch) auslebend. Schriften von Massenmördern und Volksverhetzern fanden sich da vollkommen unbehelligt versammelt; Stalins und Maos Werke prangten neben denen Lenins. Aber auch Marx ist an den kommunistischen Verbrechen gegen die Menschlichkeit nicht unbeteiligt, denn auch er hatte ja ein schwieriges Verhältnis zur Ethik, um es vorsichtig zu sagen. Doch waren schließlich schon Robespierre, die „terreur” und die Guillotine, die Massaker in der Vendee und Lyon „links”. Es ist unfassbar, wie die Last von Menschheitsverbrechen wie dem Gulag, dem Holodomor, dem Großen Sprung nach vorn oder den Killing Fields auf keinem einzigen Linken lastet, während jeder, der auch nur konservativ ist, als „Rechter” sich mit Auschwitz auseinandersetzen soll.

Dreißig Jahre sind vergangen seit den Achzigern, in denen die „Antifa” ihren Anfang nahm. Nichts ist seitdem passiert. Gar nichts. Diese Schlägertrupps sind immer noch aktiv und werden sogar indirekt vom Staat finanziert. Sie schüchtern Bürger ein, die eine andere als linke Meinung haben. Die Webseiten der „Antifa” werden nicht gelöscht, obwohl es von Hassreden nur so wimmelt. Unbescholtene Bürger dürfen von ihnen als „braun” denunziert werden und Heiko Mass macht nichts. Aber auch frühere Justizminister, diese vielleicht aus Feigheit, von links als „rechtsextrem” verunglimpft zu werden, haben nichts unternommen. Ereignisse wie in Hamburg anlässlich des G20-Gipfels sind nicht nur nicht überraschend, sondern sie werden billigend in Kauf genommen. Anders ist das, was alle interessierten Bürger an besagtem Wochenende gesehen haben, nicht erklärbar. Aber die Indolenz und Entsolidarisierung der Bundesbürger ist erschreckend, was der Laxheit der Parteien Vorschub leistet. Manche aus meiner Bekanntschaft meinten, die Berichte seien übertrieben, als ob nicht auch weniger schon viel zuviel wäre. Manche ließen durchblicken, dass es doch nicht so schlimm sei, es sei ja keiner gestorben; man merkte den Tenor: Hauptsache, sie selbst sind nicht betroffen. Irgendwie sei der Protest gegen „die Reichen” doch richtig, irgendwo habe es nicht die Falschen getroffen, aber wenn bei mir eingebrochen wird, rufe ich halt doch die verdammten Bullen.

Links denken, rechts leben

Es ist nicht falsch, diese leider weit verbreitete verkorkste Grundhaltung als „links denken, rechts leben” zu bezeichnen. In diesem geistigen Fluidum kann gar nicht gegen die „Antifa” vorgegangen werden. Dazu passt die freche Weigerung der Linken, also der Sozialdemokraten, der Grünen und der Partei Die Linke, ja sogar von Teilen der CDU, die Hamburger Gewaltorgie als etwas anzuerkennen, das mit „links” zu tun hat. Aber kennen wir das nicht schon? Auch der islamische Terror hat seit zwanzig Jahren angeblich nichts mit dem Islam zu tun, und der IS wird in den Leitmedien wie gleichgeschaltet immer als der „sogenannte Islamische Staat” bezeichnet. Da wächst zusammen, was zusammengehört. Zwar hat die in Parteien organisierte Linke offiziell auf Gewalt verzichtet, nicht aber auf die „robuste”’Unterstützung durch gewaltbereite Hilfstruppen unter Einheimischen und Migranten. Als ob da ein Unterschied wäre.

„Interessant ist, ob den plötzlichen Ankündigungen gebotener Linksextremistenbekämpfung irgendwelche Taten folgen werden”, schreibt Michael Klonovsky auf seinem Blog. „Wenn der Staat es ernst meint, erklärt er den schwarzen Mob zur terroristischen Vereinigung, was zur Folge hätte, dass nicht mehr dem einzelnen steinewerfenden Vermummten eine Straftat nachgewiesen werden muss, sondern seine Zugehörigkeit zur randalierenden Meute als Straftatbestand ausreicht. […]” Wahrscheinlich aber werde nichts passieren: „Dann […] wissen wir definitiv: Es ist so gewollt.” Man muss nicht warten mit dieser Schlussfolgerung, denn seit dreißig Jahren passiert nichts. Wir wissen so heute wie schon gestern: Es ist so gewollt.

Lesen Sie auch die letzte Kolumne von Adorján F. Kovács: Rotfront für Deutschland?

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