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  <claim>Wie die Schale, so der Kern</claim>
  <content>&lt;p&gt;Der legend&#228;re deutsche Industriedesigner Hartmut Esslinger, Gr&#252;nder von Frog Design (mein Arbeitgeber) und Erfinder der &amp;#8220;Snow White&amp;#8221;-Designsprache, die bis heute die &#196;sthetik von Apple pr&#228;gt, verf&#252;gt &#252;ber einen schier unersch&#246;pflichen Fundus an Anekdoten &#252;ber die Zusammenarbeit mit Apple-Chef Steve Jobs. Ein kleines Geheimnis hat sich mir besonders eingepr&#228;gt. Nur wenige wissen, dass Jobs&#8217; Perfektion auch vor dem Computerinneren nicht haltmacht. Das Innenleben der Ger&#228;te ist von der gleichen minimalistischen Design-Disziplin gepr&#228;gt wie die schicke Schale. Wo andere an Kosten sparen, verausgabt sich der Perfektionist Jobs mit einem unsichtbaren Extra-Qu&#228;ntchen Qualit&#228;t. &amp;#8220;Man sieht es nicht, aber man sp&#252;rt es&amp;#8221;, meinte Hartmut. Die Liebe steckt im Detail &#8211; und wird von den Kunden erwidert. Das Resultat: Dell hat Economies of Scale, Apple hat Soul.&lt;/p&gt;&amp;#x000A;&lt;p&gt;Im Innendesign macht Apple also mehr als die anderen, ansonsten gilt die Maxime: &amp;#8220;Weniger ist mehr.&amp;#8221; Weniger Optionen, mehr Nutzer-M&#252;ndigkeit. Weniger Instruktionen, mehr Intuition. Weniger Demokratie, mehr Machen. Keine Verbraucherforschung, daf&#252;r mehr Vision. Apple, der Asket. Da ist es nur konsequent, wenn Apple auch enthaltsam ist in seiner Informationspolitik. Mehr Transparenz k&#246;nnte, so denkt wohl Steve Jobs, auf Kosten der Aura des Besonderen gehen. Mehr Transparenz w&#252;rde auch die Ger&#252;chtek&#252;che ersticken, die mit ihren allj&#228;hrlichen Spekulationen um Produktank&#252;ndigungen die Marke Apple dauererhitzt.&lt;/p&gt;&amp;#x000A;&lt;h6&gt;Tr&#228;umen mit geschlossenen Augen&lt;/h6&gt;&amp;#x000A;&lt;p&gt;Die Geheimniskr&#228;merei schlie&#223;t auch den prinzipiell offenen AppStore, Apples Online-Marktplatz f&#252;r iPhone- und iPod-Touch-Software von Drittparteien, nicht aus. Viele Entwickler k&#246;nnen ein Lied davon singen, wie undurchsichtig und scheinbar willk&#252;rlich Apple eingereichte Apps autorisiert. Den Konsumenten kann&#8217;s egal sein. Mit dem AppStore hat Apple ein Businessmodell geschaffen, das sie bestens bedient. Von Google, Nokia, Intel bis zu Amazon hat die (Er)&#214;ffnung von Plattformen zur Verbreitung atomisierter Inhalte bereitwillige Nachahmer gefunden. Apple hat das System zum Produkt gemacht und bewiesen, dass bahnbrechende Innovation durchaus auf der intelligenten Neu-Konfiguration bestehender Technologien basieren kann. L&#228;ngst ist das Unternehmen nicht mehr nur ein Computerhersteller. Apple ist ein Medien- und Softwarekonzern &#8211; die Traumfabrik des 21. Jahrhunderts. Die Introvertiertheit macht so gesehen Sinn: Tr&#228;umen kann man nur mit geschlossenen Augen.&lt;/p&gt;&amp;#x000A;&lt;p&gt;Die Verschlossenheit der Markenpers&#246;nlichkeit schafft den Resonanzraum f&#252;r den Mythos. Apple, gefeiert als Inbegriff der Innovationsmarke, sperrt sich trotzig gegen alle Marketinginnovationen und geb&#228;rdet sich bei der Markenf&#252;hrung zutiefst konservativ. Wenn Offenheit, Soziabilit&#228;t und Transparenz die Attribute sind, die innovative Marken im Zeitalter des Social Web auszeichnen, dann wirkt Apple wie ein nostalgischer Monolith unter den &amp;#8220;Konversationalisten&amp;#8221;. Einen offiziellen Twitter-Feed, eine Facebook-Gruppe sucht man vergebens. Apple redet nicht viel, &#252;ber Apple wird geredet. Und das Rezept ging lange auf. Inmitten der Fragmentierung von Medien, der Erosion von Kundensegmenten, der Schnelllebigkeit von Produktzyklen hat es Apple geschafft, eine dauerhafte Beziehung, eine dauerhafte Bedeutung zu erlangen. Wo andere Marken sich prostituieren, ist die Beziehung zwischen Apple und seinen Kunden wahre Liebe. Gebrochene Herzen inbegriffen.&lt;/p&gt;&amp;#x000A;&lt;p&gt;Die Fallh&#246;he ist angesichts der nahezu religi&#246;sen Verehrung jedenfalls enorm. Nach dem iPad-Launch musste Apple erstmals seit Jahren wieder Kritik f&#252;r eine Produkteinf&#252;hrung einstecken. Unerbittlich schlug das Social Web zur&#252;ck &#8211; mit h&#228;mischen Satiren, Video Mash-ups, Blogs und Tweets, als ob es Apple, dem gro&#223;en Innovator, beweisen wollte, wo die wahre Kreativit&#228;t steckt. Die Marke, angetreten mit dem Anspruch, Technologie zu humanisieren, schien aufgrund der unerwarteten Unvollkommenheit pl&#246;tzlich zutiefst menschlich, auf Augenh&#246;he. Die selbst auferlegte Verschwiegenheit wurde zur B&#252;rde: Apple fehlten nun die Mittel zum Dialog, zur Gegenrede, zur Neupositionierung.&lt;/p&gt;&amp;#x000A;&lt;h6&gt;Apple-D&#228;mmerung&lt;/h6&gt;&amp;#x000A;&lt;p&gt;Naht die G&#246;tterd&#228;mmerung? Ist das der Anfang vom Ende der Apple-&#196;ra? Das Zeitalter des PC mag vorbei sein, aber mit dem iPad blieb Apple den Beweis schuldig, dass das Zeitalter des Tablets begonnen hat. Eher erinnert Apples Produkt an Science-Fiction von gestern. Stellt man das iPad in eine Reihe mit dem anderen gro&#223;en popkulturellen Ereignis dieses Winters, dem Film &amp;#8220;Avatar&amp;#8221;, dann fragt man sich in der Tat, warum unsere sonst so jugendbesessene Gesellschaft so empf&#228;nglich ist f&#252;r die retro-futuristischen Zukunftstr&#228;ume eines Steve Jobs oder James Cameron.&lt;/p&gt;&amp;#x000A;&lt;p&gt;Vielleicht ist das ja der eigentliche, tiefer gehende Grund f&#252;r die Katerstimmung nach dem iPad-Launch: Nun haben wir also die Tools und Technologien, um den Menschentraum von der vollvernetzten und vollkonvergenten neuen, sozialen, digitalen Zukunft zu verwirklichen &#8211; und heraus kommt das iPad, ein h&#252;bsch designtes, aber letztlich doch allzu pragmatisches Abspielger&#228;t, konzipiert weniger f&#252;r soziale Interaktion und mehr zum passiven, individuellen Konsum von digitalen Medien. Was um Gottes willen ist nur mit der Zukunft passiert? Wenn wir uns nicht einmal mehr auf Apple verlassen k&#246;nnen, auf wen dann?&lt;/p&gt;</content>
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  <excerpt>Apple erfindet das Rad nicht neu, sondern kombiniert einfach geschickt bereits vorhandene Technologien. Der eigentliche Zauber aber liegt in der Anmutung. Das Design verleiht den Produkten Seele und sch&#252;rt Verlangen.</excerpt>
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  <title>Apples Design-Philosophie</title>
  <updated-at type="datetime">2010-02-08T22:59:24Z</updated-at>
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