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  <claim>Das Ende von Schreibtischzwang und B&#252;ropflicht</claim>
  <content>&lt;p&gt;Wenn Jeanneke Gronau bei der Arbeit ans Telefon geht, kann es sein, dass sie dabei im eigenen Garten sitzt und man die zweij&#228;hrige Tochter h&#246;rt, die zu ihren F&#252;&#223;en spielt. Doch die 38-j&#228;hrige M&#252;hlheimerin ist nicht die klassische Telearbeitskraft &#8211; oft weniger gut ausgebildete niedere R&#228;nge, die wegen Familie oder Krankheit von zu Hause aus werkeln durften. Frau Gronau ist eine F&#252;hrungskraft, leitet den Bereich Customer Service der deutschen Filiale des internationalen Medizintechnik-Unternehmens Stryker und hat Personalverantwortung f&#252;r 35 Mitarbeiter.&lt;/p&gt;&amp;#x000A;&lt;p&gt;Trotzdem arbeitet sie donnerstags und freitags aus dem eigenen Heim: &amp;#8220;Das ist ja technisch seit ein, zwei Jahren alles ganz einfach geworden&amp;#8221;, sagt sie. Im B&#252;ro verbringt Frau Gronau ihre Zeit vor allem mit Besprechungen, Teamsitzungen und anderen Dingen, bei denen sie ihre Mitarbeiter gern pers&#246;nlich sieht. Zu Hause hat sie dann endlich Ruhe, sich um administrative T&#228;tigkeiten zu k&#252;mmern, um Analysen, Reporting, Protokolle oder das Beantworten ihrer vielen E-Mails. Sie ist dabei ans Firmennetz angebunden, hat zu Hause alle Informationen, die sie im B&#252;ro auch h&#228;tte. Und nat&#252;rlich hat sie ein Blackberry: &amp;#8220;Viele sagen: Mutter und Managerin &#8211; das geht nicht. Aber ich bin doch ein Beispiel, dass es sehr gut geht.&amp;#8221;&lt;/p&gt;&amp;#x000A;&lt;h6&gt;Das Ende von Schreibtischzwang und B&#252;ropflicht&lt;/h6&gt;&amp;#x000A;&lt;p&gt;Jeanneke Gronau ist eine von vielen neuen &amp;#8220;Freiangestellten&amp;#8221;. Sie hat einen festen Job mit Urlaubsanspruch und Sozialleistungen, aber sie arbeitet, wie es fr&#252;her nur Freiberufler konnten: mobil, flexibel und mit weitgehender Kontrolle &#252;ber ihre Zeit. Damit liegt sie im Trend: Immer mehr gro&#223;e Unternehmen und Mittelst&#228;ndler fangen derzeit an, ihre Angestellten von Schreibtischzwang und B&#252;ropflicht zu erl&#246;sen. Ob Deutsche Bank oder Daimler, &lt;span class="caps"&gt;BMW&lt;/span&gt; oder &lt;span class="caps"&gt;SAP&lt;/span&gt; &#8211; sie alle haben die Vorteile einer ortlosen Arbeitsweise erkannt.&lt;/p&gt;&amp;#x000A;&lt;p&gt;Wenn Angestellte nicht mehr jeden Tag ins B&#252;ro gezwungen werden, sind sie messbar motivierter, produktiver kreativer und loyaler. Sie leisten mehr, k&#252;ndigen seltener, haben bessere Einf&#228;lle. Sie k&#246;nnen zwischendurch Erledigungen machen, haben Zeit f&#252;r Freunde und Familie. Vor allem: Sie verbringen nicht mehr &#8211; wie fr&#252;her &#8211; den gr&#246;&#223;ten Teil ihrer wachen Zeit im B&#252;ro, wo sie eh oft durch nervige Kollegen, Telefonate, E-Mails und Meetings abgelenkt werden und gar nicht richtig ans Arbeiten kommen.&lt;/p&gt;&amp;#x000A;&lt;p&gt;Die Firmen wiederum k&#246;nnen mit diesem Freiheitsversprechen die besten Talente rekrutieren, angesichts des steigenden Fachkr&#228;ftemangels ein zentrales Argument. Denn f&#252;r eine neue Gruppe von Arbeitnehmern &#8211; die Generationen Y und Z zwischen 18 und 30 &#8211; ist mobile Technik selbstverst&#228;ndlich &#8211; darum l&#228;sst sie sich nicht mehr 9-to-5 an einen Schreibtisch ketten. Immer mehr junge V&#228;ter wollen auch Zeit mit ihren Kindern verbringen, immer mehr junge M&#252;tter Familie und Beruf vereinbaren. Umfragen zeigen, dass junge High Potentials nicht mehr den dicken Firmenwagen wollen, sondern eine bessere Work-Life-Balance.&lt;/p&gt;&amp;#x000A;&lt;h6&gt;Home Office tut der Umwelt gut&lt;/h6&gt;&amp;#x000A;&lt;p&gt;Nicht zuletzt angesichts von Klimawandel und steigenden Benzinpreisen fragen sich viele, warum sie jeden Morgen mit dem Auto in der Rushhour im Stau stehen, nur um im B&#252;ro auf einen Bildschirm zu schauen. Und die Unternehmen sparen bis zu 50 Prozent an Immobilienfl&#228;che und Energiekosten, wenn nicht jeder jeden Tag ins B&#252;ro geht.&lt;/p&gt;&amp;#x000A;&lt;p&gt;&amp;#8220;Wir sind die erste Generation, die uns vom Schreibtischzwang emanzipiert&amp;#8221;, sagt Telekom-Forschungschef Hermann Hartenthaler: &amp;#8220;Wissensarbeit hat die Grenzen der B&#252;ros verlassen&amp;#8221;, erg&#228;nzt Wilhelm Bauer vom Fraunhofer Institut f&#252;r Arbeitswirtschaft und -organisation: &amp;#8220;Man kann zum Surfen gehen, wenn der Wind bl&#228;st und nicht wenn die Stempeluhr es zul&#228;sst. Man kann dann arbeiten, wenn man dazu richtig Lust hat, wenn es gerade gut l&#228;uft oder wenn es eben viel zu tun gibt.&amp;#8221; Voraussetzung daf&#252;r sei, dass man sich selbst gut organisiert. Das ist ein fundamentaler Paradigmenwechsel: Ich arbeite mit wem, wann und wo ich will.&lt;/p&gt;&amp;#x000A;&lt;h6&gt;Nie wieder 9-to-5-Arbeitstage?&lt;/h6&gt;&amp;#x000A;&lt;p&gt;&amp;#8220;Nat&#252;rlich kann ich dem Mitarbeiter auch st&#228;ndig &#252;ber die Schulter gucken und den ganzen Tag seine Anwesenheit am Schreibtisch &#252;berpr&#252;fen&amp;#8221;, sagt Uwe Schimanski, der als Leiter Liegenschaften bei &lt;span class="caps"&gt;IBM&lt;/span&gt; in den 90er-Jahren das sogenannte &amp;#8220;e-place&amp;#8221;-Modell eingef&#252;hrt hat und damit einer der Pioniere von zeit- und raumunabh&#228;ngigen Arbeitsweisen ist: &amp;#8220;Wenn ich ihn nicht &#252;ber Zielsetzung f&#252;hre, dann m&#252;sste ich genau das tun: Jeden Arbeitsschritt, den er macht, genau kontrollieren. Was da noch an Effizienz, Motivation, Produktivit&#228;t, Eigenverantwortung und Kreativit&#228;t &#252;brig bleibt, d&#252;rfte klar sein.&amp;#8221;&lt;/p&gt;&amp;#x000A;&lt;p&gt;Anwesenheitspflicht und 9-to-5-Arbeitstag gelten f&#252;r fortschrittliche F&#252;hrungskr&#228;fte als altmodisch. Solche Arbeitsmodelle kommen f&#252;r Schimanski und viele seiner Managerkollegen aus den Zeiten des Taylorismus, als man dachte, man k&#246;nne die Arbeit in viele kleine Schritte einteilen, jeden Schritt messen und die Zeit nehmen: &amp;#8220;Das funktioniert vielleicht in der Produktion.&amp;#8221; Aber produziert wird in entwickelten Industrienationen wie Deutschland immer weniger. Schimanski: &amp;#8220;Wenn ich sehe, wie viele sich unser Modell angeschaut haben &#8211; in letzter Zeit mehr und mehr &#8211;, dann w&#252;rde ich sch&#228;tzen, dass in den kommenden Jahren etwa 50 Prozent aller Unternehmen &#228;hnlich flexibel arbeiten werden.&amp;#8221;&lt;/p&gt;</content>
  <created-at type="datetime">2009-09-26T17:35:12Z</created-at>
  <excerpt>Immer mehr Unternehmen ist es egal, wann und wo ihre Mitarbeiter arbeiten. Hauptsache, das Ergebnis stimmt. F&#252;r die Angestellten bedeutet das die Emanzipation von B&#252;rotristesse und Anwesenheitspflicht.</excerpt>
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  <title>Arbeit wird mobil</title>
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