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  <claim>Ein St&#252;ck weit</claim>
  <content>&lt;p&gt;Wir haben diesen Freund Frank. Frank sagt auff&#228;llig oft und meist ohne erkennbaren Grund &#8222;ein St&#252;ck weit&#8220;. Ein St&#252;ck weit soll ja eigentlich eine Aussage relativieren, abmildern, schon mal eine Schneise f&#252;r ein R&#252;ckzugsgefecht schlagen, falls die Aussage im Diskurs als Bullshit entlarvt werden sollte. Nun nutzt Frank seine Lieblingsformel ein St&#252;ck weit auch dann, wenn die Aussage gar nicht relativierbar ist. Zumindest nicht von anderen. Denn er sagt nicht nur und in seinem Fall mit besonders begr&#252;ndeter Vorsicht: &#8222;Wir sind ein St&#252;ck weit besser geworden.&#8220; Er sagt auch: &#8222;Ich habe jetzt schon ein St&#252;ck weit Hunger.&#8220;&lt;/p&gt;&amp;#x000A;&lt;p&gt;Ein anderer Freund, Stefan, hat beobachtet: &#8222;Dieses d&#228;mliche ein St&#252;ck weit wurde von Gerhard Schr&#246;der in Umlauf gebracht.&#8220; Es habe sich dann epidemisch von der Politik &#252;ber die Verb&#228;nde in die Kreise wirtschaftlicher Entscheider durchgefressen &#8211; und zwar besonders zu den Entscheidern, die wenig bis nichts zu entscheiden haben. Das ist insofern plausibel als es sich mit Franks Biografie ein St&#252;ck weit deckt.&lt;/p&gt;&amp;#x000A;&lt;p&gt;Frank kommt aus der Politik, irgendwas mit Bundestag, war danach kurz bei einer Lobbyorganisation t&#228;tig und ist dann in die &#8222;freie Wirtschaft&#8220; gewechselt. Er arbeitet jetzt in einer gro&#223;en Abteilung, in der er wenig bis nichts zu melden hat, weil sein Chef eher kleine als gro&#223;e St&#252;cke auf ihn h&#228;lt. Manchmal sagt er, dass der Wechsel in die freie Wirtschaft ein St&#252;ck weit eine Fehlentscheidung war. Das kann nur er selbst wissen. Gesichert scheint, dass wir Frank nicht alleine f&#252;r die Ein-St&#252;ck-weit-Epidemie in der freien Wirtschaft verantwortlich machen k&#246;nnen. Und auch nicht den Ex-Kanzler Schr&#246;der, der heute in Russland ein St&#252;ck weit viel Geld verdient. Und auch nicht Claudia Roth, die mal gesagt haben soll: &#8222;Das macht mich ein gro&#223;es St&#252;ck weit betroffen.&#8220;&lt;/p&gt;&amp;#x000A;&lt;p&gt;Als Hauptschuldiger bietet sich aus unserer Sicht eher Michael Holm an. Der S&#228;nger. Der mit &#8222;Tr&#228;nen l&#252;gen nicht&#8220;. Seit Jahren tourt der mit seinem &lt;span class="caps"&gt;ZDF&lt;/span&gt;-Fernsehgarten-Smash-Hit &#8222;Ein St&#252;ck weit&#8220; durch die &lt;span class="caps"&gt;ZDF&lt;/span&gt;-Fernsehg&#228;rten der Republik. In dem Lied geht um Gegens&#228;tze, die sich ein St&#252;ck weit auch anziehen. In der letzten Songzeile hei&#223;t es in melancholischem R&#252;ckblick: &#8222;Wir beide waren ein St&#252;ck weit ideal&#8220;. Frank wurde k&#252;rzlich von seiner Freundin verlassen. Er h&#228;tte es kein St&#252;ck weit besser sagen k&#246;nnen. Bingo.&lt;/p&gt;</content>
  <created-at type="datetime">2009-10-05T22:20:42Z</created-at>
  <excerpt>Thomas Ramge spricht mit Entscheidern. Und freut sich &#252;ber ihre sch&#246;nsten Formulierungen. Heute: &#8220;Ein St&#252;ck weit.&#8220; </excerpt>
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  <published-at type="datetime">2009-10-05T18:20:00+02:00</published-at>
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  <title>Bullshit-Bingo Teil 2</title>
  <updated-at type="datetime">2010-02-22T14:04:51Z</updated-at>
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