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  <claim>Kreative Challenge</claim>
  <content>&lt;p&gt;Es war einer der letzten sch&#246;nen Abende. Unser Journalistenstammtisch hatte drau&#223;en vor dem B&#246;tzow Privat, auf jenen deutlich zu schmalen B&#228;nken hinter den schmalen Tischen entlang der Linienstra&#223;e Platz genommen. Zugegeben: Unser Journalistenstammtisch ist ein Ort mit mindestens grenzwertig hoher Bullshitquote. Doch an jenem Abend lernten wir unseren Meister kennen, was wir einem Kollegen am Tisch zu verdanken hatten, der den Meister bereits kannte und mit einem &#8222;Gr&#252;&#223; Dich, mein Lieber&#8220; seines Weges Richtung Oranienburger stoppte.&lt;/p&gt;&amp;#x000A;&lt;p&gt;Der Meister ist im Hauptberuf &#8222;Kontakter&#8220;, was per se schon hohe Bullshit-Kompetenz signalisiert, aber in dem Fall konnte der Mann noch auf das Backing einer globalen Netzwerkagentur mit Headquarter in Paris zur&#252;ckgreifen. Es war kurz vor acht, so dass es durchaus angemessen gewesen w&#228;re, den Lieben mit &#8222;Na, halben Tag Urlaub genommen?&#8220; zu begr&#252;&#223;en, was in etwa auf Durchschnitts-Humor-Niveau unseres Stammtisches gelegen h&#228;tte. Ich bin nicht sicher, ob die Frage nicht in der Tat so gestellt wurde, denn ich informierte mich am anderen Ende des Tisches gerade &#252;ber die Bildaufl&#246;sung der Flip-Kamera eines anderen Jungvaters. Zur Tonqualit&#228;t kamen wir nicht mehr.&lt;/p&gt;&amp;#x000A;&lt;p&gt;Die Stimme des Kontakters war auch drau&#223;en auf der Linienstra&#223;e raumgreifend, was seine franz&#246;sischen Kollegen vermutlich als d&#233;formation professionelle bezeichnen w&#252;rden, sodass die Aufmerksamkeit wieder sukzessive an das andere Tischende wanderte. Und dann fiel er, der Satz, wie ihn in dieser Pr&#228;zision nur Werber hinbekommen: &#8222;Diese kreative Challenge nehme ich gerne an, mein Lieber.&#8220; Das n von &#8222;an&#8220; und das m von &#8222;mein&#8220; waren, wie es sich geh&#246;rt, phonetisch verwoben, doch das ist ja nur so etwas wie ein spritzerfreies Eintauchen nach doppeltem Salto, doppelter Schraube vom Zehnmeterturm. Ein echter Bullshitter konzentriert sich nicht auf die Form, sondern auf die Inhaltsleere.&lt;/p&gt;&amp;#x000A;&lt;h6&gt;Es gibt keine Probleme mehr, nur Herausforderungen&lt;/h6&gt;&amp;#x000A;&lt;p&gt;Ich habe an dem Abend nicht mehr erfahren, worin die kreative Challenge konkret bestand, die der junge Mann annahm, aber im Grunde ist das auch nebens&#228;chlich. Eine kreative Challenge annehmen! Da l&#228;sst sich sehr viel Sch&#246;nes herauslesen. Erstens: Der Mann hat keine Probleme. Denn es gibt bekanntlich im Business-Kontext schon seit rund zehn Jahren keine Probleme mehr, sondern nur noch Herausforderungen, die sich in den letzen drei Jahren durchweg in Challenges aufgel&#246;st haben. Zweitens: Die Sache mit der Kreativit&#228;t bleibt auch f&#252;r Kreative eine harte, wiewohl zu knackende Nuss, an der sich auch ein Deutscher in franz&#246;sischer Leibeigenschaft verbei&#223;t. Dieser Punkt bedarf noch einmal der Detailanalyse.&lt;/p&gt;&amp;#x000A;&lt;p&gt;Es muss irgendwann in den 70er Jahren gewesen sein, als Werber keine Werber mehr sein wollten und wenn sie es schon bleiben mussten, dann wollten sie wenigsten nicht mehr so hei&#223;en. Sie schauten sich um, welchen aufwertenden Begriff sie f&#252;r sich vereinnahmen konnten und wurden, wei&#223; der Teufel warum, bei &#8222;sch&#246;pferischem Denken&#8220;, der Kreativit&#228;t, f&#252;ndig. Seitdem ist kreativ, wer in drei&#223;ig Sekunden bzw. sieben bis neuen Kameraeinstellungen eine Geschichte erz&#228;hlen kann, die zu einem signifikanten Vetriebsschub bei Bausparvertr&#228;gen f&#252;hrt. Noch kreativer ist, wer Menschen in wertvollen Hundertstel Sekunden dazu bringt, das Radio auszuschalten. Eigentlich ist es schade, dass sich die sch&#246;pferisch Denkenden den sch&#246;nen Begriff einfach haben entrei&#223;en lassen. Und dass die Neo-Kreativen die Kreativit&#228;t so fest umklammerten, dass diese keine Luft mehr bekam und j&#228;mmerlich erstickte. Die Wiederbelebung der Kreativit&#228;t unter Ausschluss der Kreativen, mein Lieber, das w&#228;re mal eine echte kreative Challenge. Bingo.&lt;/p&gt;</content>
  <created-at type="datetime">2009-10-09T08:59:56Z</created-at>
  <excerpt>Thomas Ramge spricht mit Entscheidern. Und freut sich &#252;ber ihre sch&#246;nsten Formulierungen. Heute: &#8220;Kreative Challenge.&#8220; </excerpt>
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  <published-at type="datetime">2009-10-13T08:59:00+02:00</published-at>
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  <title>Bullshit-Bingo Teil 3</title>
  <updated-at type="datetime">2010-02-22T14:04:57Z</updated-at>
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