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  <claim>Kartell alter Schule</claim>
  <content>&lt;p&gt;Was haben sie nicht alle getrommelt. Schluss sei jetzt mit der Kostenlos-Kultur im Netz. Die Menschen sollen f&#252;r die Inhalte zahlen, die sie konsumieren. Den H&#246;hepunkt nahm die Diskussion als sogar Kostenlos-Prophet und Medienmogul Rupert Murdoch ank&#252;ndigte, die Publikationen seines weltumspannenden Konzerns zumindest teilweise hinter virtuellen Bezahlw&#228;nden verschwinden zu lassen. &#196;hnlich &#228;u&#223;erte sich dann auch Springer-Chef Mathias D&#246;pfner. Wenn man sich dieser Tage mit Verlagsmanagern unterh&#228;lt, kennen sie neben der Krise nur ein Thema: Paid Content.&lt;/p&gt;&amp;#x000A;&lt;p&gt;Lass uns das, was l&#228;ngst kostenlos angeboten wird, einfach in ein Bezahlangebot verwandeln. So funktionieren Innovationen heute in Verlagen. Dabei waren wir an dem Punkt l&#228;ngst. Blenden wir zur&#252;ck ins Jahr 2003. Der Dax war abgest&#252;rzt. Und die Verlage mussten realisieren, dass ihre Werbeeinnahmen dauerhaft eingebrochen waren. Und da nahmen sich die Medienmanager ihre Netz-Angebote vor: Artikel wurden zu Dossiers zusammengebunden und standen anschlie&#223;end f&#252;r einige Euro zum Verkauf. Andere verlangten Geld f&#252;r ihre Kolumnen. Sie scheiterten alle.&lt;/p&gt;&amp;#x000A;&lt;p&gt;Willkommen im Jahr 2003 2.0. Das britische Magazin The Spectator hat Teile seiner Website gerade gesperrt und bietet als eines der ersten gro&#223;en Magazine eine iPhone-Applikation in Form eines Abos an. Das Wall Street Journal will seine Nutzer ebenfalls f&#252;r mobile Angebote zur Kasse bitten, und deutsche Verlage arbeiten an &#228;hnlichen Ideen. Das Problem an der Sache: Die Nutzer sind nicht bereit, f&#252;r die Inhalte zu zahlen. Selbst dann nicht, wenn man es noch so oft wiederholt. Eine aktuelle Umfrage des Mediendienstes PaidContent.org zeigt, dass nur f&#252;nf Prozent der britischen Leser bereit sind, f&#252;r Online-Nachrichten zu zahlen.&lt;/p&gt;&amp;#x000A;&lt;p&gt;In Deutschland sind es laut einer Umfrage des Branchenverbands Bitkom 16 Prozent. Und zu den Paid-Content-Rebellen geh&#246;ren nicht nur die jungen Digital Natives, sondern Menschen aller Altersklassen gleicherma&#223;en. Sie zahlen lediglich f&#252;r ausf&#252;hrliche Versicherungsvergleiche oder exklusive Studien, in denen etwa Immobilienpreise von Regionen verglichen werden. Hochexklusive Inhalte, die ihnen einen konkreten Nutzen liefern.&lt;/p&gt;&amp;#x000A;&lt;h6&gt;Keine Knappheit von Nachrichten&lt;/h6&gt;&amp;#x000A;&lt;p&gt;Der Preis von Nachrichten dagegen ist null. Denn der Preis von G&#252;tern entsteht durch Knappheit. Im Netz aber sind vor allem Nachrichten und Kommentare im &#220;berfluss vorhanden. Nicht einmal die New York Times verdient mit den preisgekr&#246;nten Kolumnen von Nobelpreistr&#228;ger Paul Krugman Geld. &amp;#8220;Dann muss man die Nutzer eben zum Zahlen zwingen, indem sich alle zusammenschlie&#223;en und einen Preis vereinbaren&amp;#8221;, sagen nun Journalisten immer &#246;fter. Aber so funktionieren M&#228;rkte nicht. Selbst wenn sich alle Verlage darauf einigen w&#252;rden, ihre Online-Texte kostenpflichtig zu machen, ist der Anreiz f&#252;r einzelne Anbieter so gro&#223;, aus dem Kartell auszuscheren, dass die Option v&#246;llig undenkbar ist.&lt;/p&gt;&amp;#x000A;&lt;p&gt;Aber nehmen wir einmal an, eine Nachrichtenseite versuchte es trotzdem. &#220;ber Nacht w&#252;rde sie im Netz enorm an Bedeutung verlieren. Denn die Portale gewinnen immer mehr Reichweite durch Mundpropaganda im Netz. Sie profitieren von Lesern, die Links zu ihren Artikeln &#252;ber Facebook &amp;amp; Co. oder den Kurznachrichtendienst Twitter verteilen. Wer aus dem Kostenlos-Gesch&#228;ft aussteigt, provoziert einen Reichweitenverlust, der wiederum zu sinkenden Werbeeinnahmen f&#252;hren wird. Gerade Onlinewerbung und erst recht mobile Werbung werden in den n&#228;chsten Jahren kr&#228;ftig zulegen.&lt;/p&gt;&amp;#x000A;&lt;p&gt;Kommen wir zum Handy, das Verlagsmanageraugen dieser Tage zum Leuchten bringt. Gerade meldete Apple, in seinem Softwareladen App Store seien mehr als zwei Milliarden Programme heruntergeladen worden. Viele davon wurden bezahlt. Im mobilen Internet, so die Hoffnung, seien die Menschen auf einmal wieder bereit, zu zahlen. Die meisten Verlagsmanager haben allerdings einen Blackberry und wissen offenbar nicht, dass es bereits zahlreiche ordentliche iPhone-Apps von Nachrichtenportalen auf der ganzen Welt gibt, darunter Stern, Focus, New York Times, Le Monde. Alle kostenlos. Selbst wenn man die Applikationen kostenpflichtig anbieten w&#252;rde, muss man Millionen verkaufen, um an die Ums&#228;tze aus dem Printgesch&#228;ft heranzukommen. Eine regelm&#228;&#223;ige Einnahmequelle hat man dann immer noch nicht.&lt;/p&gt;&amp;#x000A;&lt;p&gt;Die meisten Verlage begehen im Mobil-Gesch&#228;ft sowieso einen gro&#223;en Fehler: Sie versuchen, ihre Internet-Inhalte auf das Handy zu quetschen. Dabei verkennen sie, dass das mobile Netz ein v&#246;llig anderes Medium ist. &amp;#8220;Beide unterscheiden sich so wie Fernsehen und Radio&amp;#8221;, sagt Mobile-Vordenker und Ex-Mobilfunkmanager Tomi Mahonen. Das mobile Internet ist mehr als das station&#228;re Netz. Und wenn man das akzeptiert, kann man Angebote entwickeln, die einen echten Mehrwert bieten.&lt;/p&gt;&amp;#x000A;&lt;h6&gt;Unendliche M&#246;glichkeiten&lt;/h6&gt;&amp;#x000A;&lt;p&gt;Wie das gehen k&#246;nnte in der mobilen Content-Welt, zeigt die &lt;span class="caps"&gt;BBC&lt;/span&gt;. Die Briten experimentieren mit ortsbasierten Informationen. Befindet sich ein Nutzer etwa in S&#252;dlondon, bekommt er nicht nur den Wetterbericht f&#252;r die Region. Die mobile Seite liefert ihm zugleich Vorschl&#228;ge f&#252;r nahegelegene Parks oder Veranstaltungen. Das w&#228;re eine Chance etwa f&#252;r Regionalzeitungen. Sie k&#246;nnten den Nutzern Nachrichten aufs Handy bringen, die aufgrund ihres Aufenthaltsortes f&#252;r sie relevant sind und die wiederum mit Angeboten des B&#252;rgerjournalismus kombinieren. So k&#246;nnten f&#252;r jeden individuell verschiedene Mikro-Nachrichtenseiten entstehen.&lt;/p&gt;&amp;#x000A;&lt;p&gt;Die neue Technik bietet so unendlich viele M&#246;glichkeiten. Erst wenn die Verlage lernen, intelligent mit diesen M&#246;glichkeiten zu spielen, werden sie damit neue Einnahmequellen schaffen. Doch bislang haben wir wertvolle Zeit damit vertr&#246;delt, &#252;ber den Sinn und Unsinn solcher Angebote zu debattieren. Wahrscheinlich werden wir uns in sieben Jahren zur&#252;ckerinnern an das Jahr 2009. Als ein Jahr der vergebenen Chancen. Eine Zeit, in der wir zu viel &#252;ber die falschen Dinge nachgedacht haben.&lt;/p&gt;</content>
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  <excerpt>Im Wochentakt k&#252;ndigen Verlage neue Strategien f&#252;r Bezahlinhalte im Internet an. Doch die meisten Strategien werden scheitern. Dabei w&#252;rde es schon reichen, die neuen M&#246;glichkeiten der Technik zu nutzen. </excerpt>
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