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  <claim>Wenn Sido in die Oper geht</claim>
  <content>&lt;p&gt;Der Vogelf&#228;nger war er ja nicht. Kein Hei&#223;a, kein Hopsassa kam &#252;ber seine Lippen. Stattdessen sang er wie so oft schon &amp;#8220;Halt dein Maul&amp;#8221;, das Lied &#252;ber die Vergeblichkeit, ihm das Kiffen und Saufen aus- und den Umweltschutz einreden zu wollen, das Lied &#252;ber die &amp;#8220;Schlampe&amp;#8221; namens Angela Merkel und einen dusseligen Staatsanwalt, der ihn erfolglos verh&#246;rt: Sido also war in der Stadt. Die Stadt hie&#223; Mannheim, und der Berliner Hip-Hopper mit dem Kleinkriminellenimage wirkte dort in Mozarts &amp;#8220;Zauberfl&#246;te&amp;#8221; mit.&lt;/p&gt;&amp;#x000A;&lt;p&gt;Ein Coup sollte es sein. Sido stand im B&#252;hnenbild der &amp;#8220;Zauberfl&#246;te&amp;#8221;, vor ihm und nach ihm sangen Tamino, Pamina, Papageno, und Sido reimte dazwischen: &amp;#8220;Sie reden und reden vergeblich. Jeder zeigt mir den Weg, doch ich seh&#8217; nix. Ein Versuch, mich zu bekehr&#8217;n, scheitert kl&#228;glich. Du kannst mir nicht mehr helfen, also red&#8217; nicht.&amp;#8221;&lt;/p&gt;&amp;#x000A;&lt;h6&gt;&amp;#8220;Wir m&#252;ssen die T&#252;r f&#252;r das junge Publikum &#246;ffnen&amp;#8221;&lt;/h6&gt;&amp;#x000A;&lt;p&gt;Das Nationaltheater Mannheim wollte gemeinsam mit einem Radiosender f&#252;r Jugendliche ebendiese in die Oper locken. Rund ein halbes Tausend kam dann auch, mischte sich unter das bildungsb&#252;rgerliche Publikum. Alle gaben sich danach zufrieden. Der Bariton des Hauses erkl&#228;rte froh: &amp;#8220;Wir m&#252;ssen die T&#252;r f&#252;r das junge Publikum &#246;ffnen. Der Tod der Kunst w&#228;re, nichts Neues zu probieren.&amp;#8221; Das Nationaltheater lobte die &amp;#8220;erstaunlich konzentrierten&amp;#8221; Teenies, man habe mit &amp;#8220;mehr Geschrei&amp;#8221; gerechnet. Der aus einer anderen musikalischen Galaxie eingeflogenen Hauptperson mit Kapuzenjacke, Sonnenbrille, Turnschuhen gefiel es so gut, dass eine Zugabe gew&#228;hrt wurde. Die Totenkopfmaske, die Sido einst ber&#252;hmt und ber&#252;chtigt gemacht hatte, blieb komplett im Schrank.&lt;/p&gt;&amp;#x000A;&lt;p&gt;Der Lackmustest auf die Nachhaltigkeit aber steht aus: Wird jemanden, der die beliebteste Oper aller Zeiten, den Mainstream der Klassik, als Rahmenprogramm f&#252;r fette Beats und P&#246;bellyrik erlebt hat, Mozart pur fesseln? Wird er von Mozart den Schritt wagen zu Verdi, Puccini, Strauss? Wahrscheinlich ist ein solches Erwachen nicht. Und was bleibt umgekehrt in den Herzen und Hirnen des &#252;brigen Publikums haften, dem &amp;#8220;seine&amp;#8221; Zauberfl&#246;te nun als Auslaufgehege f&#252;r Gro&#223;stadtgepl&#228;rre entgegen trat?&lt;/p&gt;&amp;#x000A;&lt;h6&gt;Ein Hip-Hopper, der Pf&#246;tchen gibt&lt;/h6&gt;&amp;#x000A;&lt;p&gt;Keine symbiotische, sondern eine schmarotzende Beziehung sind hier Oper und Hip-Hop eingegangen. Der jeweils andere sollte beisteuern, was man selbst nicht zu haben meint, Tradition und Jugendkultur. Beide k&#246;nnten durch die punktuelle Partnerschaft Entscheidendes verlieren: die Oper ihren Willen, das Vergangene als vergangen lebendig zu halten, und der Hip-Hop seinen anarchischen, antib&#252;rgerlichen Impetus. Ein Hip-Hopper, der Pf&#246;tchen gibt, und eine Oper, die sich Gegenwart hinzukauft, sind gleicherma&#223;en komische Gestalten.&lt;/p&gt;</content>
  <created-at type="datetime">2010-02-06T09:43:43Z</created-at>
  <excerpt>Im Nationaltheater Mannheim wurde Sido zum singenden Teil eines Opernabends. Die auf den ersten Blick spektakul&#228;re Paarung von Hoch- und Jugendkultur k&#246;nnte auf lange Sicht beiden schaden.</excerpt>
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  <published-at type="datetime">2010-02-07T11:18:00+01:00</published-at>
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  <title>Mozart und Hip-Hop</title>
  <updated-at type="datetime">2010-02-22T14:28:34Z</updated-at>
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