In den Steueroasen saufen die großen Kamele den kleinen das Wasser weg. Renate Künast

Atom-Achsen sind böse

Während die alten Atommächte ihre Arsenale räumen wollen, träumen böse Staaten und dämonische Schurken vom ultimativen atomaren Schlag gegen ihre Gegner. Iran ist böse, Nordkorea ist böse, die islamistischen Terroristen sind böse. Wir müssen alles tun, um zu verhindern, dass sie an funktionstüchtige Atomwaffen gelangen. Alles.

Erinnern Sie sich an den Film “The Day After”? Es war eine amerikanische Antiatomkriegs-Produktion. Ein Kinostreifen, der die apokalyptischen Auswirkungen einer mit Atombomben geführten Auseinandersetzung zwischen den USA und der UdSSR eindrucksvoll zeigt. Wer den Film gesehen hat, den schüttelte die nackte Angst.

Ich erinnere mich noch gut an den Film und die Angst. Die Furcht war real: Wir wussten, dass im Falle eines Atomkrieges Deutschland das Schlachtfeld oder das Ersatzschlachtfeld sein würde. Diese Bedrohung ist gewichen, und die Überlegungen, die jetzt in Washington diskutiert werden, uns von den letzten Relikten dieser grausamen, kalten Zeit, den in Deutschland stationierten Atomwaffen, zu befreien, erinnern uns zurück und sagen: Gott sei Dank ist das vorbei!

George W. Bush hatte recht

Fürchten müssen wir uns vor denen, die heute noch – in der Ära nach der atomaren Auf- und Abrüstung – unbedingt Atomwaffen besitzen wollen. Die Friedensordnung unseres Planeten, bitte verzeihen Sie das Pathos, steht dabei auf dem Spiel. Iran darf nicht mit Uran spielen, Nordkorea auch nicht. Den Herrschern dieser Länder ist nicht zu trauen, es sind Schurken.

Die internationale Gemeinschaft darf sich nicht an der Nase herumführen lassen. Der Iran versetzt sich gerade in die Lage, den Nahen und Mittleren Osten in Brand zu stecken. Das Steinzeitregime in Pjöngjang wird, einmal aufgerüstet, zu einer Bedrohung für China und die ganze Region. So despotisch und unerträglich George W. Bush war, das Wort von der Achse des Bösen trifft voll zu.

Wir müssen die, die uns regieren, bitten zu verhindern, dass Iran und Nordkorea zu einer solchen globalen Bedrohung werden, gerne wieder im Bonner Hofgarten und auf all den Alleen und Avenuen der friedlichen Welt. Wir werden – leider – zu den Waffen greifen müssen, um den mühsam erarbeiteten Frieden zu erhalten. Werden der Iran und Nordkorea uns in Grund und Boden bomben? Wohl kaum – aber wir bleiben auf ewig erpressbar.

Für die einen ist es eine Sünde, für die anderen eine heilige Pflicht

Die noch größere Gefahr sind die schmutzigen Bomben. Atomwaffenfähiges Material ist schon in den Händen islamistischer Terroristen. Wir müssen unseren Staat, die Menschen in den ebenfalls bedrohten Ländern müssen in einem geordneten, doppelt und dreifach kontrolliert und abgesicherten Verfahren ihre Regierungen ermächtigen, mit allen Mitteln zu verhindern, dass wir Opfer eines Anschlags mit einer schmutzigen Bombe werden. Aber Drahtzieher und potenzielle Täter sitzen auf einer Achse, die von Somalia über den Jemen bis ins Grenzgebiet von Pakistan und Afghanistan reicht. Wir sind schon ins Visier genommen.

Die, die zuerst die Bombe gezündet haben, haben bekannt, dass sie als Naturwissenschaftler zum ersten Mal erfahren hätten, was die Sünde ist. Für die, die uns im Namen Allahs bedrohen, ist ein Anschlag mit einer Atombombe heilige Pflicht. Diese Achse ist unsichtbar.

Leserbriefe

  • Theeuropean-placeholder
    Mr Hyde – 03.03.2010 - 11:28

    Sie rufen hier also zum Krieg gegen den Iran und Nordkorea auf? Zum Glueck wird das niemand ernst nehmen, sonst wuerde ich glatt die nackte Angst schuetteln…

  • Theeuropean-placeholder
    Ihr Name – 03.03.2010 - 12:21

    Den Text nach der Veroeffentlichung noch zu veraendern (bis vor wenigen Minuten waren die nackte Angst noch Objekt des Nebensatzes) finde ich einigermassen humorlos…

  • Theeuropean-placeholder
    Florian Guckelsberger – 03.03.2010 - 12:32

    Sehr geehrter Herr Ihr Name,

    auch wir in der Redaktion haben uns über die missglückte Passage amüsiert. Nichtsdestotrotz verlangt es die Sorgfaltspflicht, Flüchtigkeitsfehler auch nach der Veröffentlichung zu entfernen.

    Dank ihres Kommentars, dürfen aber auch nachfolgende Leser noch schmunzeln.

  • Theeuropean-placeholder
    Ruben Alexander Schuster – 03.03.2010 - 15:38

    Es ist wichtig die Gefahr beim Namen zu nennen. Der Zugang zu A-Waffen ist in den letzten zwei Dekaden erheblich einfacher geworden.
    Proliferation ist schon lange nicht mehr auf staatliche Akteure beschränkt. Organisierte Kriminalität und Terrorgruppen sind längst Teil dieses Geschäfts.

    Dennoch ist die besorgniserregende Ausbreitung von potentiellen Kernwaffen-Akteuren auch das Produkt einer, in dieser Frage, schwachen und mangelhaften Politik des Sicherheitsrates der Vereinten Nationen. Dem Nicht-Verbreitungs-Vertrag (NPT) fehlt es an erheblicher Sanktionskraft, Vertragsverstöße können kaum geahndet werden. Erst die 2004, auf amerikanische Initiative, vom VN-Sicherheitsrat verabschiedete Resolution 1540, die die Proliferation als kriminellen Akt einstuft und Sanktionen nun auch gegen nicht NPT-Mitglieder möglich macht, ist ein Schritt in die richtige Richtung um einem Agressor, was Nordkorea und Iran zweifelsfrei sind, entschiedener entgegenzutreten.
    Eine atomare Bedrohung durch Terroristen ist aktueller denn je. Politik muss dies ernst nehmen und darf nicht aus ideologischer Verblendung dieses Thema kleinreden. Offen über notwendige Gegenmaßnahmen zu diskutieren ist keine Kriegstreiberei, sondern eine friedenserhaltende Notwendigkeit.

  • Theeuropean-placeholder
    Peter S. – 04.03.2010 - 13:48

    Im Vorspann ihrer Kolumne beklagen Sie “mangelnde Disziplin”. Ich finde, Ihren Kolumnen mangelt es gelegentlich genau daran: der Disziplin des Autors. Sie verraten allzu oft die leicht verkrampfte Absicht, mit einem locker gesetzten Schnellschuss ein bisschen aufzufallen. 

    Sie glauben also immer noch an die Achse des Bösen? Aha. Nun steht es zwar jedem frei, sich an historische Irrtümer zu klammern. In der Linken gibt es noch Menschen, die an den Sozialismus glauben, und in der FDP gehört die Gleichsetzung von Freiheit mit Raubtierkapitalismus heute noch zum Kern der Heilslehre. Die brauchen das.

    Eine Behauptung aber wie “Iran ist böse” grenzt an Hetze. Sie ist nicht nur falsch, wie jeder wissen kann, der im letzten Sommer die Nachrichten zur Kenntnis genommen hat, sondern schlicht unjournalistisch.

  • Theeuropean-placeholder
    Alexander Görlach – 04.03.2010 - 15:21

    Lieber Herr S.

    danke für Ihre Kritik; lassen Sie mich umgekehrt fragen: Finden Sie, dass die Führung in Teheran vertrauenserweckend wirkt? Glauben Sie, dass Teheran – damit meine ich die aktuelle Führung und nicht die gesamte Bevölkerung – die Bezeichnung “der Iran” betrachte ich hierfür als legitim – Uran nur für zivile Mittel nutzen will? Ein Land, dass auf großen Erdgasreserven sitzt?

    In meiner Kolumne geht es um unsere Erfahrung mit Atomwaffen in der Vergangenheit, die aktuelle atomare Bedrohung durch bestimmte Staaten und durch Terroristen. Was daran ein undisziplinierter, hetzerischer Schnellschuss sein soll verstehe ich nicht. Lassen Sie uns das gerne weiter diskutieren.

    Beste Grüße
    Ihr
    Alexander Görlach

  • Theeuropean-placeholder
    Mr Hyde – 04.03.2010 - 15:28

    Danke!

  • Theeuropean-placeholder
    Mr Hyde – 04.03.2010 - 15:35

    Das “Danke” galt natuerlich Herrn S.

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