Ich erkläre mich mit den Nutzungsbedingungen einverstanden.
Ich möchte den Newsletter abonnieren
Mit Twitter einloggen
 

Alexander-Platz Ein Abgrund. Ein weites Feld. Urängste.

Das Ende der Merkel-CDU

Flügellos geht die CDU in die Zukunft. Die fehlende Auswertung der mageren Ergebnisse zweier Bundestagswahlen wird sie vor Schwierigkeiten stellen. Diese große Leere kann dramatische Konsequenzen haben.

  • Physikdidaktik Ute Kraus, Universität Hildesheim Ein großes, schwarzes Loch tut sich in der CDU auf
 

Ein großes, schwarzes Loch tut sich in der CDU auf

 

Ein Abgrund. Ein weites Feld. Urängste.

Datum: 2010-02-24

Die große Leere. Wir fürchten sie. Ein Abgrund. Ein weites Feld. Urängste.

Im politischen Spektrum gibt es eine Leere da, wo früher einmal die CDU positioniert war. Das ist die Mitte und der demokratische Raum rechts davon. Der wird heute nicht mehr von der Union besetzt. Und so ist die FDP die letzte rechte Bastion im Bundestag. Nicht umsonst fürchtet die CSU um ihre Kernkompetenz: Sie hat im Hartz-IV-Empfänger-Verunglimpfer Guido Westerwelle einen Lehrmeister gefunden.

Wo sind heute die Flügel?

Frau Merkel setzt auf Wählerinnen und Wähler des linken bürgerlichen Lagers. Derer gibt es viele, das ist richtig. Doch das Feld ist bereits reichlich bestellt: öko-links, agenda-links, SED-links. Der linke Herz-Jesu-Flügel der CDU hatte dort auch immer einen Platz. Ein Flügel von vielen Flügeln einer Volkspartei.

Wo sind heute die Flügel? Die Zeiten, in denen die CDU Antipoden wie Blüm und Dregger unter ihrem Dach vereinte, sind lange vorbei. Friedrich Merz hat nahezu kampflos das Feld für Frau Merkel geräumt. Manch einer wartet nun auf einen neuen konservativen Heilsbringer – doch wer sollte das sein?

Die Christdemokratie in Deutschland wird zerfallen

Die Kanzlerin hat kein erkennbares Interesse an den Wählern, die da stehen, wo früher die Mitte war. Dabei hat am 27. September das bürgerliche Lager aus Union und FDP die Bundestagswahl gewonnen. Für Christlich-Liberal, nicht Schwarz-Grün, haben die Bürgerinnen und Bürger votiert.

Die Nichtbeachtung dieser Wähler wird die CDU in dieser Legislatur zu spüren bekommen. Rechts von ihr wird eine konservative Partei mit Mitte-rechts-Ausrichtung entstehen. Die Christdemokratie in Deutschland wird das erleben, was im Rest Europas schon passiert ist: Sie wird zerfallen.

Die CDU braucht sich darüber nicht zu wundern: Wer die Ergebnisse zweier Bundestagswahlen nicht kritisch auswertet, dem ist nicht zu helfen.

Die große Leere. Fremdes Terrain. Die Union fürchtet es. Denn sie weiß nicht, womit sie sie füllen soll.

 

von Alexander Görlach – 24.02.2010

 

Leserbriefe

  • Avatar

    von Christoph Ingelheim – 24.02.2010 - 15:54

    Diese Sichtweise halte ich für undifferenziert. Fakt ist doch das allen Bundestagsparteien die Mitglieder davonlaufen bzw. allesamt die Verankerung im Volk verlieren, somit keine präventive selbstkritische Evaluation der Programme mehr möglich ist und sie deswegen unwählbar werden sobald sie in die Regierung kommen. Die einzige Partei die heute noch Zuwachs hat ist die der Wechsel- bzw. Nichtwähler. Das ist keine Besonderheit der Unions-Parteien, sondern Resultat eines gesellschaftlichen Individualisierungsprozesses, der sich nicht erst seit der vorletzten Wahl durch alle gesellschaftlichen Organisationen zieht. Egal ob Schützenverein in Niederbayern, Verdi, BDI oder Kirchen: Allen laufen die Mitglieder weg weil sich niemand mehr festlegen möchte. Anstatt gegenzusteuern beschränken sich die Funktionäre lieber auf Schall und Rauch, hauptsache man bietet keine Angriffsfläche.

    P.S. Warum nennt sich ein Magazin “The European”, aber anstatt an einer dringend notwendigen europäischen Öffentlichkeit mitzuwirken, wird der gleiche, langweilige Mainstreammist produziert wie überall im Netz?

    Antwort verfassen
  • von alexander görlach 24.02.2010 - 16:33

    Lieber Herr Ingelheim,

    das ist eine vordergründige Argumentation, die Sie überall in der veröffentlichten Meinung lesen können: Wir wissen nun schon seit einigen Jahren, dass Milieus sich verändern, alte Gewissheiten nicht mehr binden.

    Die Union bedient nicht mehr die Milieues, die es noch gibt und die zu ihrer Kernklientel gehören. Als Volkspartei sollte sie dafür sorgen, dass sich unter ihrem Dach verschiedene Flügel gibt, die unterschiedliche gesellschaftliche Interessen abbilden.

    Besten Dank und herzliche Grüße
    Ihr
    Alexander Görlach

    Antwort verfassen
  • Avatar

    von Ihr Name – 26.02.2010 - 14:15

    Lieber Herr Görlach,

    andersherum gefragt: Wo und wer sind denn die von Ihnen genannten Milieus denen die Union angeblich keine Beachtung schenkt?
    Als die Bundeskanzlerin neulich den Papst kritisierte hörte man auch einige Unkenrufe, dass dieser Affront gegen das eigene Kernklientel sich rächen würde. Die Leute traten aber aus der Kirche nicht aus der CDU aus…

    Die individualisierte Gesellschaft macht das catch-all Prinzip der Volksparteien obsolet. Vor 20-30 Jahren gingen Dregger und Blüm in wirtschafts- oder sicherheitspolitischen Fragen diametral auseinander. Aber die gemeinsamen Wertvorstellungen und Feindbilder der Union konnten solche Gegensätze überbrücken. Es gab klare geopolitische und ideologische Grenzen, innerhalb denen eine Partei zusammenrücken konnte. Linke und SPD sind heute aber selbst viel zu schwach bzw. zu zerstückelt als dass sie die nötige Funktion des Gegenpols erfüllen könnten. Echte Feindbilder sucht man heutzutage verzweifelt in den Höhlen des Hindukusch…
    Will sagen: Die problematischen Streitfragen innerhalb der letzten deutschen Volkspartei reichen doch heute viel tiefer als damals. Innerhalb ein und derselben Partei gibt es offen homosexuelle Ortsvorsitzende und Leute die Homosexualität öffentlich therapieren wollen. Leute die Atomstrom als unverzichtbare Krone der menschlichen Schöpfungskraft ansehen und solche die am Atomausstieg gut verdienen. Solche die eine deutsche Leitkultur predigen und solche die eben deren Untergang aufgrund ihrer auswuchernden Dekadenz vorhersagen. Das einende Fundament der Parteien ist unter dem Zahn der Zeit zerbröselt – Politische Entscheidungen werden immer individueller. Das erschwert Interessensbündelung und/oder Kompromissfindung enorm. Also schweigt man lieber in trauter political correctness. In unserer hysterischen Medienwelt der einzige Weg zu echten Mehrheiten…

    In meinen Augen ist Merkel in erster Linie Pragmatikerin, die die ihr gegebenen Handlungsspielräume ausschöpft. Der zweimalige Wahlerfolg trotz der schwierigen Ausgangssituation gibt ihr recht. Deswegen leidet die Union auch nicht daran, dass sie gewisse Milieus nicht beachtet, sondern, dass sie zu viele Milieus auf einmal bedienen möchte und sich dieser Eiertanz kaum noch nachvollziehen und beim besten Willen nicht als Kompetenz interpretieren lässt.

    P.S. Der „Mist“ war nicht wörtlich gemeint. Wollte nur mitteilen, dass ich mir unter The European eine etwas internationalere Agenda vorstelle…

    Mfg und schönes Wochende

    Antwort verfassen
  • Avatar

    von Ihr Name – 26.02.2010 - 14:34

    Möchte noch hinzufügen, dass die Vorsitzende nicht alleine für die Agenda einer Partei verantwortlich gemacht werden kann. Da ist jeder einzelne Ortsverband gefragt. Wenn man sich da aber so umschaut wird oft sehr schnell klar warum der Kontkat zur Parteiführung eingeschlafen ist…

    Antwort verfassen
  • Leserbrief verfassen

     
     
     
    Bitte lassen sie dieses Feld zwecks Spamverhinderung leer.
    Bei neuen Leserbriefen per E-Mail benachrichtigen?

    Funktionen

    Sie sind derzeit nicht eingeloggt. Registrieren Sie sich oder loggen Sie sich ein:


    Mit Twitter einloggen

    Shortlink (z.B. Twitter): Permalink (z.B. Blogs):