Die Amerikaner wären ohne die Europäer heute noch Indianer. Harald Schmidt

Kein Friede den Palästen

Der Rückritt von Arbeitsminister Jung vom Posten des Ex-Verteidigungsministers wirft die Frage auf: Was wusste die Kanzlerin?

Es wird schon einen Grund gehabt haben, warum Franz Josef Jung nach dem Wahlsieg der Union vom Posten des Verteidigungsministers geräumt wurde. Er galt als glücklos in dieser Position, nicht Herr der Lage, uninspiriert. War er deshalb nicht fähig zu erfassen, was in seinem Ministerium vorgeht? War es deshalb so leicht, ihm wichtige Informationen über den Hergang des Bombardements der Tanklaster vorzuenthalten?

Minister Jung ist jetzt das Bauernopfer. Er schützt die Königin: die Bundeskanzlerin. Es bedarf keiner großen Gedächtnisakrobatik, um sich zu erinnern, dass der Einsatz der Bundeswehr in Afghanistan um jeden Preis aus dem Wahlkampf herausgehalten werden sollte. Darin waren sich CDU und SPD einig. Deshalb wurde die Abstimmung über die Verlängerung des Mandats auch weit hinter den Wahltag verschoben.

Sollte Jung Kenntnis gehabt haben von den Details des Berichts, der jetzt ans Licht kam, würde er sicher die Kanzlerin informiert haben. Jung gilt als sehr loyal. So wird die CDU alles daran setzen, im Untersuchungsausschuss (jede Wette, dass ein solcher kommen wird) die ganze Verantwortung auf Generalinspekteur Schneiderhan und Staatssekretär Wichert abzuwälzen. Wenn das nicht gelingt, wird man Franz Josef Jung Fahrlässigkeit oder zu wenig Gewissenhaftigkeit nachsagen. Halb so wild.

Alles wird die Union nun daran setzen, dass kein Malus auf die Kanzlerin fällt. Sollte herauskommen, dass sie informiert war, ist es geschehen um ihre hervorragenden Beliebtheitswerte. Die SPD-Fraktion unter Herrn Steinmeier wird sich hier als führende Stimme der Opposition positionieren. Doch besteht Bumerang-Alarm: Die Frage, was Außenminister Steinmeier gewusst hat, könnte für die SPD unangenehm werden. Beim TV-Duell waren sich Frau Merkel und ihr Vize sehr einig in der Bewertung des Afghanistan-Einsatzes.

Leserbriefe

Aus der Debatte

Afghanistankrieg

Nach der Afghanistan-Konferenz

134857049 2

Die Afghanistan-Konferenz am Bonner Petersberg ist ein Zeugnis des Scheiterns. Deutsche Politiker haben nie wirklich hinter dem Projekt Hindukusch gestanden, nie für Zustimmung geworben - der Einsatz musste scheitern.

Christian-boehme-kopf
von Christian Böhme
09.12.2011

10 Jahre Krieg in Afghanistan

Isafmedia 1

Mit Raus aus Afghanistan! ist es nicht getan: 2014 will die NATO die Verantwortung in Afghanistan an die einheimischen Sicherheitskräfte übergeben. Wie es danach weitergeht, ist unklar.

Arvid_bell
von Arvid Bell
28.10.2011

10 Jahre Afghanistan

Chad_j

Trotz vieler Rückschläge haben sich in Afghanistan Ansätze einer Zivilgesellschaft herausgebildet, doch die Ermordung vieler Taliban scheint sich mittlerweile als Fehler herauszustellen.

Niels_annen
von Niels Annen
18.10.2011

Mehr zum Thema: Kundus, Spd, Angela-merkel

Debatte

Deutsche Rüstungsexporte

Andrew_stawartz

Deutsche Rüstungsexporte

Alle 14 Minuten stirbt im Schnitt ein Mensch durch eine Waffe von Heckler & Koch. Trotzdem exportiert Deutschland weiterhin Waffen und Rüstungsg weiter...

Graesslin
von Jürgen Grässlin
11.02.2011

Kolumne

Debatte

Presse- und Öffentlichkeitsarbeit des Verteidigungsministeriums

Brief_an_die_bild

Presse- und Öffentlichkeitsarbeit des Verteidigungsministeriums

Wer traf die Entscheidung, den Eindruck erwecken zu wollen, es habe keine zivilen Opfer beim Luftangriff in Kun weiter...

Nassauer_kopf_portrait
von Otfried Nassauer
07.01.2010
meistgelesen / meistkommentiert