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  <claim>"Schluss mit der Ausschlie&#223;eritis"</claim>
  <content>&lt;p&gt;&lt;strong&gt;The European: Wie l&#228;uft es bei den Gr&#252;nen in Hessen?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&amp;#x000A;Al-Wazir: Bis auf die Tatsache, dass die Landtagsfraktion gerade umzieht &#8211; das ist nat&#252;rlich ein bisschen anstrengend &#8211; l&#228;uft es politisch gut. Wir haben aus den 13,7 Prozent bei der letzten Landtagswahl durchaus etwas gemacht. Wir sind im Landtag inhaltlich aktiv, bringen viele Gesetzentw&#252;rfe und Antr&#228;ge ein &#8211; sowohl bei der Frage, wie wir eine zukunftsf&#228;hige Umweltpolitik machen k&#246;nnen, als auch in Fragen moderner Bildungs- und Gesellschaftspolitik.&lt;/p&gt;&amp;#x000A;&lt;p&gt;&lt;strong&gt;The European: Aber regieren h&#228;tte doch sicherlich mehr Spa&#223; gemacht &amp;#8230;&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&amp;#x000A;Al-Wazir: Sicherlich. Dann m&#252;sste man nicht auf das achten, was die anderen tun, sondern k&#246;nnte selbst aktiv sein. Dass wir nicht regieren, ist aber ein Punkt, der weniger mit uns zu tun hat, die Vorgeschichte ist bekannt. Es w&#228;re aber f&#252;r Hessen besser gewesen. Wenn man einmal zur&#252;ckblickt auf die ersten Monate der neuen Landesregierung, dann f&#228;llt auf, dass gar kein politisches Ziel mehr vorhanden ist, sondern gro&#223;e Ratlosigkeit. Insofern hat es schon wieder eine gewisse Logik, dass die hessische Regierung sich als Blaupause f&#252;r die Bundesregierung in Berlin sieht. Im gerade unterzeichneten Koalitionsvertrag ist ja auch keine Idee vorhanden, wie man dieses Land in die Zukunft f&#252;hren kann.&lt;/p&gt;&amp;#x000A;&lt;p&gt;&lt;strong&gt;The European: W&#228;re Schwarz-Gr&#252;n mittlerweile auch in Hessen eine Option f&#252;r Sie, vorausgesetzt, Roland Koch tr&#228;te bei der n&#228;chsten Wahl nicht mehr an?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&amp;#x000A;Al-Wazir: Die hessischen Gr&#252;nen haben keine Konstellation ausgeschlossen, was Parteien angeht, weder 2008 noch 2009. Das Einzige, worauf wir uns festgelegt haben, ist, dass wir Roland Koch aufgrund vergangener Erfahrungen mit seiner Art Politik zu machen, nicht zum Ministerpr&#228;sidenten w&#228;hlen. Ich glaube, dass das Parteiensystem, so wie es jetzt aussieht, keine prinzipielle Ausschlie&#223;eritis mehr zul&#228;sst, aber man muss deswegen ja noch nicht Roland Koch w&#228;hlen. Es gibt f&#252;r die Gr&#252;nen aufgrund der Schw&#228;che der &lt;span class="caps"&gt;SPD&lt;/span&gt; keine &amp;#8220;nat&#252;rlichen&amp;#8221; Konstellationen mehr, insofern h&#228;ngt jede Koalition letztendlich vom Inhalt ab. Koch ist zwar kein Inhalt, aber seine Inhalte sind halt schwer mit unseren in Einklang zu bringen.&lt;/p&gt;&amp;#x000A;&lt;p&gt;&lt;strong&gt;The European: Haben die saarl&#228;ndischen Gr&#252;nen es richtig gemacht, eine Koalition mit der &lt;span class="caps"&gt;CDU&lt;/span&gt; einzugehen?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&amp;#x000A;Al-Wazir: Die saarl&#228;ndischen Gr&#252;nen haben es leichter, denn Peter M&#252;ller ist sicherlich nicht Roland Koch. Wenn man sich die beiden &amp;#8220;jungen Wilden&amp;#8221; Peter M&#252;ller und Roland Koch mal ins Ged&#228;chtnis ruft, so kann ich mich beispielsweise an einen in einwanderungspolitischen Fragen schon fr&#252;h sehr progressiven Peter M&#252;ller und einen im Vergleich dazu &#228;u&#223;erst r&#252;ckst&#228;ndigen Roland Koch erinnern. Au&#223;erdem haben die Gr&#252;nen im Saarland erreicht, dass sich die &lt;span class="caps"&gt;CDU&lt;/span&gt; in vielen Punkten deutlich ver&#228;ndert hat, und diese Bereitschaft haben wir hier in Hessen in dieser Konsequenz leider nie gesehen.&lt;/p&gt;&amp;#x000A;&lt;p&gt;&lt;strong&gt;The European: In Hamburg und im Saarland war man ja eifrig bem&#252;ht zu betonen, dass Schwarz-Gr&#252;n kein Modell f&#252;r den Bund sei. Wie viele schwarz-gr&#252;ne Landesregierungen braucht es, bis sich die Gr&#252;nen trauen, es &#246;ffentlich auch als Modell f&#252;r den Bund zu benennen?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&amp;#x000A;Al-Wazir: Ich glaube, es ist schwierig, von &amp;#8220;Modellen f&#252;r den Bund&amp;#8221; zu reden. Die Gr&#252;nen regieren jetzt in Bremen rot-gr&#252;n, in Hamburg schwarz-gr&#252;n und im Saarland wahrscheinlich als Jamaika-Koalition. Ich h&#228;tte mir zum Beispiel f&#252;r Th&#252;ringen gew&#252;nscht, dass es dort auch einmal eine rot-rot-gr&#252;ne Variante gibt. Es ist f&#252;r uns als Partei eine gro&#223;e Chance, multioptional regieren zu k&#246;nnen, aber nat&#252;rlich auch eine Herausforderung. Denn man muss zeigen k&#246;nnen, dass die Gr&#252;nen trotz unterschiedlicher Koalitionspartner den Kern ihrer Politik umsetzen. Das ist uns bisher ganz gut gelungen &#8211; ich denke da an die Abschaffung der Studiengeb&#252;hren im Saarland, das l&#228;ngere gemeinsame Lernen und die Abschaffung der Hauptschule in Hamburg oder die sehr gute Umweltpolitik in Bremen. Wenn aber Rot-Rot-Gr&#252;n in einem Bundesland irgendwann zustande kommen sollte, wird diese st&#228;ndige Frage, was denn nun eigentlich das Modell f&#252;r den Bund ist, noch absurder. Das Modell f&#252;r den Bund ist f&#252;r mich Orientierung an den gr&#252;nen Inhalten und sonst nichts.&lt;/p&gt;&amp;#x000A;&lt;p&gt;&lt;strong&gt;The European: Werden die Mitglieder der Gr&#252;nen einer Ann&#228;herung an die &lt;span class="caps"&gt;CDU&lt;/span&gt; auf Bundesebene mittragen?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&amp;#x000A;Al-Wazir: Ich glaube, dass sowohl unsere W&#228;hler als auch unsere Mitglieder wissen, dass das F&#252;nfparteiensystem Realit&#228;t ist. Und das bedeutet, dass oft Dreierkonstellationen notwendig sein werden, wenn wir keine ewige Gro&#223;e Koalition haben wollen. In allen rechnerisch m&#246;glichen Dreierkonstellationen sind die Gr&#252;nen dabei. Insofern ist es sehr wichtig, den inhaltlichen Kern zu bewahren, egal mit wem man koaliert, und darauf zu achten, welche inhaltlichen Fortschritte man erreicht. Wenn das nicht gelingt, muss man eben in die Opposition. Die meisten Menschen, auch unsere Mitglieder, werden Verst&#228;ndnis daf&#252;r haben. In den n&#228;chsten Jahren wird es Lockerungs&#252;bungen in alle Richtungen geben. Das hei&#223;t, die &lt;span class="caps"&gt;FDP&lt;/span&gt; sollte nicht noch einmal eine Ampelkoalition ausschlie&#223;en und die &lt;span class="caps"&gt;SPD&lt;/span&gt; sollte die Zusammenarbeit mit der Linkspartei nicht l&#228;nger ausschlie&#223;en. Ich habe am Abend des 3. November 2008 aus gutem Grund gesagt, dass Schluss sein muss mit der &amp;#8220;Ausschlie&#223;eritis&amp;#8221;.&lt;/p&gt;&amp;#x000A;&lt;p&gt;&lt;strong&gt;The European: Frau Roth hat am Wahlabend von &amp;#8220;knallgr&#252;ner&amp;#8221; Sachpolitik und Opposition gesprochen. Aber irgendwo muss man sich ja schon positionieren. Ist die gr&#252;ne Partei nun links und konservativ, ganz links oder was ganz anderes?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&amp;#x000A;Al-Wazir: Die Gr&#252;nen sind aus meiner Sicht die inhaltlich f&#252;hrende Kraft der linken Mitte. Wir sind weder sozialdemokratisch noch marktradikal oder konservativ. In Gerechtigkeitsfragen repr&#228;sentieren wir die moderne Linke, bringen aber auch &#214;kologie und &#214;konomie zusammen. Insofern sind wir durchaus eine Partei, die sehr genau wei&#223;, wo sie herkommt und wo sie steht.&lt;/p&gt;&amp;#x000A;&lt;p&gt;&lt;strong&gt;The European: Halten Sie die Union f&#252;r marktradikal?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&amp;#x000A;Al-Wazir: Die &lt;span class="caps"&gt;CDU&lt;/span&gt; nicht, aber die &lt;span class="caps"&gt;FDP&lt;/span&gt; ganz sicher. Wenn ich mir ansehe, wie diese Partei angesichts einer Neuverschuldung des Bundes von 100 Milliarden Euro im n&#228;chsten Jahr darauf besteht, die Steuern weiter zu senken, dann steht dahinter offensichtlich die Idee, den Staat schwach zu machen.&lt;/p&gt;&amp;#x000A;&lt;h6&gt;Der Kronprinz der Gr&#252;nen&lt;/h6&gt;&amp;#x000A;&lt;p&gt;&lt;strong&gt;The European: Seit Jahren hei&#223;t es &#252;ber Tarek Al-Wazir: &amp;#8220;Aus dem wird noch mal was Gro&#223;es.&amp;#8221; Wie f&#252;hlt man sich als ewiger Kronprinz?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&amp;#x000A;Al-Wazir: Ich bin total zufrieden hier in Hessen. Ich bin in Hessen gew&#228;hlt f&#252;r eine f&#252;nfj&#228;hrige Legislaturperiode und sitze im Bundesparteirat der Gr&#252;nen. Ich mache das, was mir Spa&#223; macht, n&#228;mlich einerseits konkrete Arbeit als Abgeordneter im Landtag, das hei&#223;t konzeptionell nach vorne denken und die Regierung kontrollieren, und andererseits bin ich jemand, der auch auf Bundesebene bei den Gr&#252;nen durchaus den Mund aufmacht und seinen Einfluss nutzt. Das mit dem &amp;#8220;ewigen Kronprinz&amp;#8221; gef&#228;llt mir &#252;berhaupt nicht. Ich bin der zweitdienst&#228;lteste Fraktionsvorsitzende der Gr&#252;nen &#252;berhaupt, nur Sylvia L&#246;hrmann in &lt;span class="caps"&gt;NRW&lt;/span&gt; ist noch l&#228;nger im Amt als ich.&lt;/p&gt;&amp;#x000A;&lt;p&gt;&lt;strong&gt;The European: Deutet die Tatsache, dass die Gr&#252;nen im Parteivorstand und in der Bundestagsfraktion eine Doppelspitze haben, darauf hin, dass den Gr&#252;nen eine integrative Figur wie Joschka Fischer fehlt?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&amp;#x000A;Al-Wazir: In den Bundestagswahlkampf gingen zwei, n&#228;mlich die Spitzenkandidaten, flankiert von den Bundesvorsitzenden. Ich will meine Energien nicht auf K&#228;mpfe verwenden, von denen ich wei&#223;, dass sie aussichtslos sind. Die jetzige Struktur bei den Gr&#252;nen wurde 2003 sogar per Urabstimmung beschlossen. Deswegen wird es weiter eine Parteispitze geben, die nicht kompatibel ist mit dem Fraktionsvorsitz. Das ist auf Bundesebene leider so, in Hessen haben wir das anders gel&#246;st. Ich glaube nicht, dass das die hessischen Gr&#252;nen schwach gemacht hat, sondern eher st&#228;rker. Ich bin mir aber dar&#252;ber im Klaren, dass eine Zweidrittelmehrheit f&#252;r eine Satzungs&#228;nderung im Moment nicht zu haben ist. Deshalb setze ich meine Energie produktiver ein.&lt;/p&gt;&amp;#x000A;&lt;p&gt;&lt;strong&gt;The European: Wie erleben Sie den Ausstieg aus dem Atomausstieg?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&amp;#x000A;Al-Wazir: Es ist v&#246;llig klar, dass die Regierung gegen die Mehrheitsmeinung der Bev&#246;lkerung handelt. Das Fatale daran ist nicht nur, dass unglaublich viel zus&#228;tzlicher Atomm&#252;ll produziert werden wird, dass es weiterhin Sicherheitsrisiken gibt &#8211; Biblis A und B w&#228;ren als N&#228;chstes mit der Abschaltung dran, und die sind sehr st&#246;ranf&#228;llig. Das Schlimmste am Ausstieg aus dem Atomausstieg ist aber, dass der Umbau der Energieerzeugung schlicht abgebrochen wird, weil die Tatsache, dass die Bundesregierung ihr Konzept erst in einem Jahr vorlegen wird, bedeutet, dass es eine Abschw&#228;chung der Investitionen in neue Stromnetze und in erneuerbare Energien geben wird, weil die Investoren schlie&#223;lich wissen wollen, was mit ihrem Geld passiert. Eine fatale Vereinbarung.&lt;/p&gt;&amp;#x000A;&lt;p&gt;Das Gespr&#228;ch f&#252;hrte Dr. Alexander G&#246;rlach&lt;/p&gt;</content>
  <created-at type="datetime">2009-11-02T11:12:41Z</created-at>
  <excerpt>"Es ist f&#252;r uns als Partei eine gro&#223;e Chance, multioptional regieren zu k&#246;nnen", res&#252;miert Tarek Al-Wazir im Gespr&#228;ch mit The European. Der Hessische Abgeordnete &#252;ber die Realit&#228;ten des F&#252;nfparteiensystems und dessen Bedeutung f&#252;r seine Partei auf Landes- und Bundesebene. </excerpt>
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  <title>Die Gr&#252;nen in Hessen</title>
  <updated-at type="datetime">2010-01-10T00:35:25Z</updated-at>
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