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Aigner droht Google Street View

Wir killen Innovationen

Das Gegenteil von gut ist gut gemeint. Wenn Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner verbal gegen Google austeilt, wird wieder einmal der Innovationsgeist der Branche untergraben. Etwas weniger Populismus bitte!

  • The European
 
 

Aigner droht Google Street View

Datum: 2010-02-09

Heute morgen die Schlagzeile bei der Internet-World-Business: “Aigner droht Google Streetview”. Erster Gedanke: Wer zum Henker ist Ilse Aigner? Aaah, ein kurzer Blick in den Haupttext verrät: unsere Verbraucherschutzministerin. Schön, nie gehört (Economist- und The-European-Leser und gelegentlicher Tagesschau-Gucker). Frage an die Leser hier: Wer ist das, was macht sie, hat sie schon mal etwas geleistet? Mich würde nicht wundern, wenn nicht. Wer solche populistischen Forderungen nötig hat, wird wenig Substanz vorzuweisen haben.

Aber weiter im Text: Die Verbraucherschutz-/Datenschutzdebatte in Deutschland macht mich regelmäßig wütend. Reflexartig wird alles Neue als böse abgetan, Datenschutz hat höchste Priorität. Der wesentliche Effekt ist, dass wir Innovation killen. Wir haben ein Innovationsproblem in Deutschland, kein Datenschutzproblem! Im Datenschutz sind wir führend, in Innovation nicht. Und wir geben uns größte Mühe, der digitalen Revolution das Leben schwer zu machen, wo wir nur können. Die Facebooks, Googles, Microsofts und Apples gibt es dann eben nur in den USA, das stört hier offenbar niemanden. Man hat ja schon SAP und Q-Cells, haha. Im Zweifel für den Angeklagten gilt offenbar nicht für die Datenerheber. Mir ist von Google bislang kein konkreter Missbrauch bekannt – Ihnen, mein lieber SysAd? Ich lerne gerne dazu!

Erst fördern, dann regulieren

Mich erinnert die Sache ein wenig an den Anfang der Eisenbahnen – oder waren es Automobile? In der Grundschule habe ich gelernt, dass die Leute damals Angst hatten vor der Innovation. – Würde einem bei 30 km/h nicht die Luft wegbleiben?

Bitte, neue Märkte erst fördern, und dann meinetwegen regulieren. Regulieren durch Töten ist zwar ebenfalls sehr wirkungsvoll, aber sicher nicht im Sinne derer, die positiv durchs Leben schreiten wollen. Ich habe großen Respekt vor dem Berufsstand der Ingenieure als solchem und vor ihren Weltanschauungen und Philosophien. An diesem Punkt habe ich sie nie verstanden. Aber sie haben sich darauf eingeschossen und wollen hier offenbar unbedingt recht bekommen. Die eigene Position wird schon längst nicht mehr hinterfragt.

Wie katastrophal ist es in den Schulen, wie wenig wissen die Lehrer?

Meine lieben Ingenieure, ITler, Frickler, Hacker – geht es nicht auch positiv? Könnt Ihr eure Lobby nicht mal auf dringendere Themen forcieren? Wie wäre es mit Bildung? Dann werden mehr Ingenieure ausgebildet, mehr Menschen verstehen die Gefahren und ganz nebenbei kriegt Ihr mehr Freizeit, da Ihr weniger zur Mangelware werdet. Ja, schießt Euch doch mal auf das Thema Technikbildung ein. – Wie katastrophal ist es in den Schulen, wie wenig wissen die Lehrer? Warum gibt es nicht schon im Kinderprogramm Werbung für die zukünftige Berufswahl? Warum ist Randy Pauschs Lernsoftware nicht schon überall in deutschen Schulen obligatorisch?

Und wo sonst noch wird in Deutschland Innovation gefördert? Ja, Solaranlagen. Aber selbst hier schwimmen die Felle wieder gen USA, weil wir keinen Kapitalmarkt haben, der die ersten Schritte zu den nächsten machen kann. Warum gibt es in Israel mehr Venturecapital als in ganz Europa (Tipp: massive staatliche Initiativen)? Warum in Frankreich viel mehr als in Deutschland (Tipp: massive staatliche Initiativen)? Warum boomt der E-Commerce in den USA trotz schlechterer Postsysteme (Tipp: Mehrwertsteuerbefreiung für E-Commerce)? Wo fördern wir digitale Zukunftstechnologien in Deutschland? Nennt mir eine Regulierung in dieser Richtung!

Liebe Verbraucherschutzministerin, die Piratenpartei wird Sie hoffentlich ohnehin nicht wählen. Fokussieren Sie sich auf das, wo sie viel Wert stiften können. Meinetwegen auf das Gesundheitssystem, da können Sie sicher Wert stiften und gleichzeitig populistisch sein.

 

von Lukasz Gadowski – 09.02.2010

 

Leserbriefe

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    von Karsten S. – 09.02.2010 - 07:44

    Der geringe Innovationsgrad in Deutschland fördert diese Einstellungen nur noch. Vom Wissensstandort sind wir inzwischen zum Verwalterstandort geworden. Als Bewahrer versucht der deutsche Gesellschaftsvorstand sich hervorzutun, dabei vergisst er völlig, sich ein eigenes Profil zu geben. Leider. Denn so verkommt gut Gemeintes zur Augenwischerei.

    Selbst für Debatten fehlt einem inzwischen der Antrieb. Wo in Deutschland darf man sich noch ungestraft in Neuem versuchen und dabei berechtigterweise auch Fehler machen? Beim ersten würde sicher schon der ganze Neuansatz in Frage gestellt. Leider erlebt man das bei Banken und Politik gleichermaßen. Und so ergibt sich ein Einverständnis wider der Entwicklung. Der Fördergeist ist dabei schon längst verflogen.

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    von Harald – 09.02.2010 - 12:19

    Guter Artikel, gute Meinung – Aber!

    Wenn ich Zeilen wie “Wir haben ein Innovationsproblem in Deutschland” und “Die Facebooks, Googles, Microsofts und Apples gibt es dann eben nur in den USA, das stört hier offenbar niemanden” lese, dann würde ich diese von jemandem erwarten der selbst alles dafür tut die Innovation in Deutschland voran zu treiben. Aber was macht denn Herr Gadowski? Funktionierende Geschäftsmodelle aus anderen Ländern, vorzugsweise den USA, kopieren und diese in Deutschland “nachbauen”. Das mag ja in gewisser Weise das Unternehmertum fördern, aber Innovation bringt das nicht. Und da ausser Team Europe auch alle anderen deutschen VCs und BAs fast ausschließlich nur in CopyCats investieren (zumindest im IT Sektor) wird in Deutschland auch nie das nächste Google entstehen.

    Also Herr Gadowski, vielleicht machen Sie ja den Anfang und sind der erste welcher anfängt innovative Geschäftsmodelle finanziell zu unterstützen auch wenn das finanzielle Risiko für Sie um einiges höher sein wird als bei den CopyCats. Deutschland würde es Ihnen danken.

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    von lukasz – 09.02.2010 - 15:03

    harald, sehr guter punkt!

    a.) ja, ich helfe tatsächlich dabei, das ökosystem zu bauen. und das ökosystem baut sich auch mit copycats gut. Und ich finde auch nicht, das etwas gegen copycats spricht. Ist so in allen Branchen und war schon immer so. Ist immer noch Anspruchsvoll genug, etwas erfolgreiches auf die Beine zu stellen

    b.) ich bin explizit offen für Finanzierung von Innovativen Modellen. Für das höhere Risiko gibt es ja auch eine höhere ‘upside’. Manch andere Investoren sind hier nicht offen. Aber: es fehlen auch die guten Ideen und hier beisst sich die Katze auch ein wenig in den Schwanz: ohne Ökosystem ist es schwerer, gute Ideen zu finden. Und wenn man eine gute Idee hat, dann ist die Erfolgswahrscheinlichkeit hier viel geringer, als in einem geeigneten Ökonsystem. Schwierig. Aber nicht unmöglich!

    c.) Beispiele für innovative Investments von mir/ team europe ventures: rapleaf.com (USA), a.vioary.com (USA), kikin.com (USA); und nun die deutschen/ europäischen: zlio.com, mymuesli.com, absolventa.com, spreadshirt (war kein copycat, habe ähnliche in den US erst nach Gründung gesehen); misterspex (dito), imedo, amiando,… und bei so manchem anderen ist die Grenze fliessend… incl. theEuropean auf dem die Diskussion hier stattfindet ;)

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    von lukasz – 09.02.2010 - 15:05

    p.s.: und ja, du hast recht, I’m not trying hard enough yet/ not there yet.

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    von Harald – 09.02.2010 - 16:54

    Zu a) stimme ich zu. Bei b) und c) habe ich noch kleine Einwände ;)
    Wie Du selbst sagst werden gute Innovative Ideen finanziell unterstützt. Problem hierbei, was ist “gut”. Gut ist meistens nur das was woanders schon funktioniert oder wenn Teile des Business schon für sich funktionieren. Beispiel hierfür misterspex. Dass man mit dem Verkauf von Brillen ein gutes Geschäft machen kann zeigt sich ja bereits “offline”. Wenn man das ganze gut aufzieht und dann online macht, kann das natürlich gut funktionieren. Aber auch wenn das kein Copycat ist, wo ist hier die große Innovation? Ein Brillenversandhandel mit Website… Ist ja auch gut und gar nichts dagegen einzuwenden, aber die von Dir angesprochene “google-Innovation” fehlt halt auch hier.
    Mymuesli, coole Idee, cool umgesetzt, funktioniert. Auf jeden Fall ein gutes Vorbild in DE. Aber wird das ein google, zappos…
    imedo, gabs doch schon in den USA. Das hebt trotz seinen 5 Mio Funding bis heute nicht ab, oder? Nach meiner persönlichen Meinung auch trotz mehrerer Relaunches sehr unübersichtlich.
    amiando, top Leute, top Vermarktung, scheint noch viel Potential zu haben. Aber war das Geschäftsmodell bei der Finanzierung nicht noch das einer privaten Eventorganisation und kein E-Ticketing?
    spreashirt, gute Idee, gute Umsetzung, vorallem auch im b2b Bereich. Auf jeden Fall auch ein gutes Vorbild. Aber wie soll aus einem “t-Shirt-Bedrucker” das nächste facebook werden? Auch hier wird ein bereits funktionierendes Model (das individuelle bedrucken von Textilien) nun online und in Masse gemacht. Ist ja auch gut, aber so richtig innovativ?
    Bei absolventa ähnlich. Alles gut, aber Potential ein Google zu werden?

    Aber letztlich will ich Deine Arbeit ja gar nicht nur kritisieren. Du finanzierst Junge Unternehmen, förderst in gewisser Weise das Unternehmertum, aber im von Dir selbst angesprochenen Punkt fehlender oder unterdrückter Innovation in Deutschland wirst Du Deinen eigenen Ansprüchen bisher nicht gerecht. Du leistest auf jeden Fall einiges für die Deutsche StartUp Welt und es wäre gut wenn das noch einige andere so machen würden, aber Innovation alla facebook, twitter, google etc. ist in deinem Portfolio auch nicht zu finden. Hättest Du einen Kerl gefundet der Dir erzählt: Ich baue eine Plattform auf der kann sich jeder ein Profil einrichten und Kurznachrichten von 140 Zeichen schreiben – jeder der Lust kann die lesen…

    „p.s.: und ja, du hast recht, I’m not trying hard enough yet/ not there yet.” finde ich sehr cool. Diese Einstellung fehlt den meisten…

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    von Karsten S. – 09.02.2010 - 15:14

    Danke für das Statement. Ich hatte gehofft, noch mehr zu lesen.

    Solang die Gesellschaft Andersdenken, Neudenken und Entrepreneurship nicht akzeptiert und fordert, so lang wird sich nur ein kleiner unbelehrbarer Teil nach Neuen Wegen suchen. Mit dem bekannten Ergebnis.

    Wenn selbst die oberste Geschäftsebene unserer Firma Deutschland duchblicken lässt, das Innovation nicht erwünscht ist, dann blüht diese höchstens im Verborgenen und es fehlen die Chancen für ein Reifen europäischer Interpretationen von Lösungen.

    Kurz noch zum Thema copycat:
    Jeder, wirklich jeder setzt aus bestehenden Dingen neue zusammen. Plattes kupfern ist billig und zeugt nicht von Kreativität. Entwickelt man daraus aber neue und bessere Lösungen, dann sind wir schon bei Innovation. Und die wünsche ich ausdrücklich.

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    von Thomas K – 09.02.2010 - 17:12

    Frage ist doch, wo ist das Problem in der deutschen Gesellschaft?

    Ein Ansatz zur Diskussion von meiner Seite:

    Ein relativ große Schicht von Reichen, die sich kaum bewegen und das Geld untereinander austauschen.

    Eine kleine Schicht innovativer HB-Männchen.
    Eine kleine Schicht intellektueller Freigeister.

    Eine frustrierte (und kleine) Mittelschicht, die für das Gros des Steueraufkommens und die “Drecksarbeit” zuständig ist.

    Und zu guter Letzt eine große Unterschicht, die nur über Castingshows eine Aufstiegsmöglichkeit sieht und ansonsten in ihrem Millieu von HartzIV, Niedriglohn und Schwarzarbeit zufrieden ist.

    Der Antrieb und der Aufstiegswillen der Unter und Mittelschicht ist durch den Druck der Globalisierung auf die Arbeitsplätze und das Festhalten der Pfründe der Reichen komplett eingebrochen.

    Zu guter Letzt wird diese Situation auch noch medial unterstützt indem jeder seine Nische findet und so sich als das Opfer sehen kann und die Schuld auf “die Anderen” schieben kann.

    Die Politik hat unter dem unverträglichen, täglichen Druck durch Umfragewerte null Möglichkeit in Deutschland die beiden Gruppen Innovation und Freigeister zu fördern. Nur eine Person wie ein Obama kann mit seiner Mit-dem-Kopf-durch-die-Wand hier an den Medien vorbei rasen…und selbst er kann dabei noch scheitern.

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    von Karsten S. – 09.02.2010 - 17:43

    Sinnvoll wäre eine Gründerkultur die sich selber trägt und ausbildet. Damit auch der Spielraum für exzessives Nachdenken entsteht. Ohne Förderwahn und politische Definitionen.

    Erfolgreiche Gründer betreiben Gründerförderung, die wiederum fördern usw. Das sorgt für Erfolg, ist langfristig eine Wachstumschance und bildet Wissenscluster aus. In Auszügen erkennt man das ja schon an mancher Stelle. Auch bei Team Europe. Nun gilt es das zu kultivieren.

    Oh, mir fällt grad auf das wäre dann auch nur ein Copycat. Vom Valley… :-)

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    von Jan Schulz – 09.02.2010 - 19:00

    Ilse Aigner möchte sich eben profilieren in der Politik. Sie möchte die jenige sein, die den großen Google-Konzern in Deutschland veto gibt. Dass sie dabei innovationsfeindlich ist und auch Schaden verursacht, nimmt sie gar nicht so richtig wahr. Sie ist nämlich eine ehrgeizige, in ihre Karriere verliebte staatlich geprüfte Elektrotechnikerin, die endlich mal aus dem Herzen des Volkes sprechen will, indem sie sich “gegen diese Form der Entblößung wehrt”. Sie braucht ihren Durchbruch. So ist eben das deutsche Poltiksystem.
    Es bietet eine Karriereleiter für jeden praxisfernen Selbstdarsteller.

    Fazit: Deutschlands Poltik fehlt es an gestandenen Persönlichkeiten.

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    von Amsterdamer – 09.02.2010 - 19:54

    Mensch Mesnch, da kennt einer nicht mal Ilse A. und meint hier dass Recht zu haben gequirlten DotCom-Amerika Hui-Deutschland Pfui Mist von sich sondern zu können! Meine Güte, erwirbt man neuerdings das Recht Artikel zu schreiben durch ‘The Economist’ Lektüre?

    Natürlich warum Opfern wir nicht den Datenschutz? Es bringt ja Innovation (angeblich)! Wachstum (angeblich)!Arbeitsplätze (angeblich)! Gegen Innovation wird doch wohl niemeand was einzuwenden haben, oder?

    Was hier als ‘Populismus’ fehlgedeutet wird ist tatsächlich nur Teil der Neujustierung der ‘balance of powers’ zwischen Staat und Wirtschaft — und wen überrascht nach dem Finanzcrash der letzten Jahre dass diese Verschiebung zu Lasten des ‘Marktes’ geht?

    So einen unnötigen, aussageschwachen Artikel hätte ich nicht hier erwartet…wird hier nicht dass ‘Enlightenment Europe’ gepriesen? Erleuchtet wird hier nichts. Null. Neoliberaler DotCom Mist. Den bekomme ich auch woanders.

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    von Christoph Daseking – 10.02.2010 - 14:15

    Danke Amsterdamer! Ich dachte schon während des Lesens, dass ich hier falsch wäre und hatte kaum noch damit gerechnet, dass einer ähnlich liest, wie ich.

    Für mich ist es auch schleierhaft, wie aus der Datenschutzdebtte Schlußfolgerungen auf Innovationsprobleme und Wachstum hervorgehen können.
    Innovation heißt doch nicht digitale Verfügbarkeit der Welt.
    Innovation ist doch nicht gleich Wachstum, schon gar nicht volkswirtschaftliches.
    Innovation ist nicht gleich Fortschritt, zumindest den Auffassungen der Schreiberlinge ausser Amsterdamer folgend.
    Datenschutz ist nicht gleich keine Innovation.

    Ich bin Unterstützer der Auffassung: “Der Erneuerer hat die Beweislast.” Was bringt uns Google-Sreetview. Hat es einen (ökonomischen, kulturellen, gesellschaftlichen) Merwert?

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    von lukasz – 10.02.2010 - 14:42

    Amsterdamer, wo sind denn die Beispiele des Datenmissbrauchs durch Google?

    Als Unternhemer habe ich schon genug Probleme, ich brauch nicht auch noch ein 3x so hartes Datenschutzrecht wie in anderen Staaten.

    Nicht falsch verstehen, ich finde es Lobenswert, dass sich Leute gegen diktatorische Tendenzen wehren. Von einer Diktatur sind wir aber nun wirklich noch Meilenwit entfernt.

    Und wenn man sich gegen diese Engagiert, dann kann man die Mittel ha wählen. Und da würde ich empfehlen, lieber an der Bildungsfront an zu setzen als an der Regulierungsfront.

    @christoph: du schreibst “Innovation ist doch nicht gleich Wachstum, schon gar nicht volkswirtschaftliches.” das stimmt nicht ganz, der Großteil volkswirtschaftlichen Wachstums ist durch Innovation getrieben, darüber gibt es zahlreiche Studien. Und auch Deutschland schöpft seine Kraft aus (vergangenen) Innovationen, siehe Maschinenbau und Automobil.

    Ich will mich in jedem Fall dafür einsetzen, diese Innovationskraft wieder her zu stellen bzw. zu stärken. Nicht blind für Gefahren, aber auch nicht die Gefahren überbetonen.

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    von Karsten S. – 10.02.2010 - 15:00

    Dann frage ich doch ganz konkret zurück:

    Hat Google Streetview einen ökonomischen, kulturellen und gesellschaftlichen Mehrwert?

    Schade finde ich das Amsterdamer von einer Balance redet um damit eine Beschneidung des Marktes zu begründen. Und dazu noch untermauert von einem Hinweis auf die Finanzkrise. Das steht in keinem Verhältnis. Schon gar nicht, da die hier angesprochenen Innovationen selten aus der kriselnden Finanzbranche finanziert werden.

    Wie muß man als Investor in eben solche Innovationen fürchten, das noch mehr Angst vor Neuem geschürt wird und die sachliche Debatte außen vor bleibt? Und das immer mit dem Eindruck eines Trojanischen Pferdes von Seiten der Politik.

    Man definiere… (danke an Wikipedia)

    Innovation
    Innovation heißt wörtlich „Neuerung“ oder „Erneuerung“. Das Wort ist von den lateinischen Begriffen novus „neu“ und innovatio „etwas neu Geschaffenes“ abgeleitet. Im allgemeinen Sprachgebrauch wird der Begriff unspezifisch im Sinne von neuen Ideen und Erfindungen und für deren wirtschaftliche Umsetzung verwendet.

    Fortschritt
    Unter technischem Fortschritt versteht man den Fortschritt der technischen Ausgangslage einer Volkswirtschaft oder die Gesamtheit aller technischen Innovationen einer Kultur.

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    von Amsterdamer – 10.02.2010 - 15:47

    Warum wird die Meldung, die Sie über eine der Nachrichtenagenturen reinbekommen haben, nicht in einen Kontext gestellt?

    Der einzigen Kontext den Sie fabrizieren ist: unbekannte Ministerin (heißt: 1. Frau, 2. hat nichts erreicht (s.1.), 3. hat nichts zu melden(s. 1&2)), Ruf nach Datenschutz (= Populismus…wobei, darauf gehen sie gar nicht weiter ein, es steht nur so im Raum), Innovation (wird in D generell gekillt; aber in diesem Fall wohl besonders).

    Ich muss ihnen Leider attestieren dass sie wirklich ein Novize sind was den deutschen (aber auch den amerikanischen — trotz ihrer ‘American Spirit’ Versessenheit) Politikbetrieb angeht. Hat das Kabinett schon einen Gesetzentwurf eingebracht? Finde sie es heraus!

    Sie scheuen nicht davor große Geschütze aufzufahren: POPULISMUS. Was bitte ist denn Populismus ihrer Meinung nach? Wo sehen sie Populismus in diesem konkreten Fall? Sie hätten da vielleicht sogar einen Punkt gehabt. Aber nichts…Chance vergeben.

    Nennen sie ihren Artikel Kolumne, Glosse, oder wie sie wollen, es ändert nichts an dessen Luftleere. Ist denn nun Amerika auch Innovationsfeindlich weil es Druck auf Google und die Verlage ausübt (s. http://www.heise.de/newsticker/meldung/US-Regierung-beanstandet-Buch-Deal-zwischen-Google-und-US-Verlagen-922933.html); ist das Europäische Parlament auch Innovationsfern da es nicht bereit ist den SWIFT-Deal zu schlucken?

    Aber was wirklich eindimensional-flach im Raum steht (oder besser liegt) ist ihr Innovationsbergiff. Was ist denn bitte Innovation? Was ist denn Innovationskraft? Ich kann beim besten Willen nicht erkennen was eigentlich ihr Punkt ist. ‘Regulatory overkill’? ‘Datenschutz Hysterie’? ‘Populismus’? Nun was denn? Ich lese hier eine ziemlich einfach Kausalität heraus: Regulation steht in negativer Relation zu Innovation. Richtig? Und dann gibt es da ja noch die fehlgeleitete Öffentlichkeit und den Populismus der Politiker welcher dann zu Regulation führt, i.e. Minus an Innovation. So einfach und doch so flach…

    Haben sie mal an den (kulturellen) Kontext von Innovation gedacht? Ich rate ihnen, da sie über Innovation reden, sehr zu der Lektüre von Bruno Latour (speziell ‘Science in Action’), Thomas Kuhn (‘Structure of Scientific Revolutions’) etc. Sie könnten etwas lernen. Es geht um ‘scientific innovations’…nicht sehr weit von Innovation in ihrem Sinn.

    Warum haben sie sich denn nicht für den Namen ‘The American’ eingesetzt anstelle von ‘The European’? Das käme ihrer Grundhaltung doch beträchtlich näher! Wo sehen sie denn in Europa, in der EU, Beispiele für Innovationskraft? Nur da wo dereguliert wird? Na, dann ist UK nun ein schlechtes Beispiel. Franckreich? Niederlande? Gar das sozialdemokratische Skandinavien?

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    von Benedetto – 10.02.2010 - 17:47

    Bravo, Lukasz! Ein weiteres Problem sehe ich darin, dass auch die Bevölkerung in Deutschland vielfach wenig experimentierfreudig ist und lieber auf bekannte bzw. US-Anbieter zurückgreift, anstatt einmal etwas Neues auszuprobieren. Diese Form der Risikoaversion auf Seite des Konsumenten stellt ein erhebliches Marktrisiko für Innovatoren dar und ist m.E. ebenfalls nicht zu vernachlässigen.

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    von fguckelsberger – 10.02.2010 - 18:25

    Anmerkung der Redaktion: Das Büro von Ilse Aigner, Bundesministerin für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz, will den Kommentar von Herrn Gadowski leider nicht beantworten, noch an der Debatte als solcher teilnehmen.

    Schade, die Redaktion und die Kommentatoren hätten sich sicher über eine Reaktion gefreut.

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    von Amsterdamer – 10.02.2010 - 20:32

    Kurzer Nachtrag.
    Hier ein netter Beitrag zum Thema Google (Buzz in diesem Fall): http://blogs.computerworld.com/15559/google_buzz_and_you_thought_firefox_had_privacy_issues?source=rss_blogs
    Aber auf Datenschutz herumzureiten bremst bekanntlich Innovation aus (s.O.).

    Bildung. Bildung ist in der Tat eine lohnenswerte Investition (auch wenn man nicht Anhänger der Wissensgesellschaftsrhetorik bzw. der Humankapitaltheorie ist). Aber der Gegensatz der hier konstruiert wird ist artifiziell. Nicht: entweder Datenschutz ODER Bildung — sondern beides. Dann klappts vielleicht auch mit Innovation?

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    von Christoph Daseking – 12.02.2010 - 22:00

    Es wurde ja weiter oben schon in etwa so gesagt: Nur weil “wir” datenschutzrechtliche Bedenken haben, werden ja nicht grundsätzlich Innovationen verhindert. Diesem Schluss liegt doch die Annahme zu Grunde, dass wir nur noch innovativ sind, wenn wir Daten speichern und mit anderen Daten verbinden. Ist das alles?

    Bzgl. Googles Missbrauchsfälle:
    Muss eine Bombe erst (mindestens) einmal explodiert sein, damit wir wissen, dass sie Explodieren? Wahrscheinlich. Aber ich sträube mich dagegen, und glaube: “Wir können schlauer sein…”

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    von lukasz – 13.02.2010 - 02:23

    @christoph: nein, es geht nicht darum, dass datenschutz innnovation direkt verhindert (teilweise kann das vielleicht schon mal sein; verhindern, hemmen). Wesentlicher sind hier die Opportunitätskosten. Die Datenschutzlobby vwerdent ja Energie auf das Thema. Mein Punkt ist, dass diese Energie nicht sinnvoll eingesetzt wird. Die Datenschutzlobby steht ja eigentlich für tolle Werte (das ist es, was ich meinte, mit ich habe Respekt vor Ingeniueren und deren Philosphie). Diese Werte kann sie an anderer Stelle/ bei anderen Themen viel Sinnvoller und positiver/ konstruktiver fördern.

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    von Michael – 17.02.2010 - 03:37

    Ich muss Amsterdamer recht geben.
    Abgesehen davon, dass es taktisch unklug ist, das eigene Unwissen bezüglich der zu kritisierenden Person kund zu tun, geht die Populismuskritik doch gänzlich fehl, wenn man selbst derart undifferenziert, polemisch und in Ermangelung von Beweisen Kausalzusammenhänge zwischen Verbraucher-/Datenschutz und Innovation herzustellen versucht.

    Für mich der schwächste Beitrag, den ich bislang auf TheEuropean gelesen habe und von einem Niveau, dem man ungern wieder begegnen möchte.

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    von Michael – 17.02.2010 - 03:44

    Im Übrigen gehe ich davon aus, dass die Opportunitätskosten der “Datenschutzlobby” doch wohl kaum in der Lage sein werden, volkswirtschaftlichen Schaden anzurichten. Außerdem bedeutet jedes subjektiv wirkende Grundrecht einen Trade-Off gegenüber etwaigen Effizenzvorteilen. Beides sind Preise, die in einem demokratischen Rechtsstaat zu zahlen sind, solange sie ihren in der Verfassung verankerten Zweck erfüllen.

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    von holgwer – 03.04.2010 - 10:13

    liest sich so, als wenn hier einige schreiben würden, die in der politik genau richtig wären…, fest im glauben …mit dem willen zum erfolg …unternehmer, die was bewegen wollen …welche partei darf´s denn sein fdp? …dann mal los

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