<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?>
<article>
  <advertiser type="boolean">false</advertiser>
  <author-id type="integer">2297</author-id>
  <claim>Die gro&#223;e Verf&#252;hrung</claim>
  <content>&lt;p&gt;Kaum eine Firma versteht es so gut, mittels Design derart viel Aufmerksamkeit und Anerkennung zu gewinnen. Apples Designstrategie umfasst alle Kernbereiche der Unternehmensstruktur: Produktentwicklung, Hard- und Software sowie den gro&#223;en Bereich der Unternehmenskommunikation, Marketing, Market Research, Fokusgruppen und Werbung. Von Beginn an war das Produktdesign ein wichtiger Punkt in Apples Verkaufsargumentation.&lt;/p&gt;&amp;#x000A;&lt;p&gt;Das Firmenimage und die Unternehmenskommunikation waren, gleichsam als Ausgleich zu den harten Zahlen und Fakten in der Informatikbranche der 1970er- und 80er-Jahre, von Anfang an emotional gepr&#228;gt. Schon das von Rob Janoff 1977 entworfene Logo, der Apfel mit Bissstelle, suggerierte Bilder der Verf&#252;hrung, des sinnlichen Erlebnisses, auch wenn die Firmenlegende besagt, dass die Wahl des Apfels lediglich mit Jobs Appetit auf selbige zusammenhing. Doch nach ersten Erfolgen verlie&#223; Steve Jobs 1985 das Unternehmen aufgrund interner Machtk&#228;mpfe.&lt;/p&gt;&amp;#x000A;&lt;h6&gt;Revolution in Bondi-Blue&lt;/h6&gt;&amp;#x000A;&lt;p&gt;Ohne seine R&#252;ckkehr elf Jahre sp&#228;ter, ohne den F&#252;hrungswechsel und eine neue Designstrategie, w&#228;re Apple wohl ebenso in Vergessenheit geraten wie sein damaliger Konkurrent Atari. Am 7. Mai 1998 wurde der iMac G3 der &#214;ffentlichkeit vorgestellt. Mit seinem Entwurf versetzte Apple-Chefdesigner Jonathan Ive die Computerbranche in Aufruhr: Zum ersten Mal erschien ein Computer in einem transluzenten, blaugr&#252;nen (Bondi-Blue), ovalen Geh&#228;use. Ive revolutionierte die Designsprache in der bis dahin von den Farben Beige, Grau und Schwarz dominierten Computerwelt.&lt;/p&gt;&amp;#x000A;&lt;p&gt;Der iMac G3 war eine einzigartige Provokation. Kaum eine Zeitschrift wollte auf die bildliche Darstellung dieses neuen Etwas verzichten. Apple musste nicht einen Cent f&#252;r die Werbung ausgeben &#8211; das au&#223;ergew&#246;hnliche Produktdesign allein war bereits Werbung genug. Die ersten iMacs f&#252;hrten uns vor Augen, dass nicht nur technische Neuerungen Innovationen bewirken, sondern dass auch das Design selbst eine Innovation darstellen kann.&lt;/p&gt;&amp;#x000A;&lt;p&gt;Als Steve Jobs gut drei Jahre sp&#228;ter, am 23. Oktober 2001, den iPod erstmals pr&#228;sentierte, ahnten wohl nur Insider, dass der kleine portable MP3-Player den Markt f&#252;r digitale Musik revolutionieren sollte. Der iPod ver&#228;nderte in k&#252;rzester Zeit nicht nur die Produkt- und Unternehmensentwicklung bei Apple, sondern auch unseren Lebensstil und pr&#228;gte das Design einer ganzen Generation von Consumer-Produkten &#8211; von der M&#246;bel- bis hin zur Autoindustrie.&lt;/p&gt;&amp;#x000A;&lt;p&gt;Nach der iPod-Revolution sollte es Apple 2007 ein drittes Mal gelingen, eine Branche zu revolutionieren, als man den Markt f&#252;r mobile Kommunikation mit einem einzigen Smartphone von den F&#252;&#223;en auf den Kopf stellte. Das iPhone war ein v&#246;llig neuartiges Mobiltelefon, ein iPod mit ber&#252;hrungssensitivem Breitbild-Display und ein Internet-Kommunikationsger&#228;t mit E-Mail und Webbrowser sowie Suche und Kartendienst auf Desktop-Niveau. Andere Smartphones waren zu dieser Zeit mit einer herk&#246;mmlichen &amp;#8220;&lt;span class="caps"&gt;QWERTY&lt;/span&gt;-Tastatur&amp;#8221; aus Plastik ausgestattet, die die Form und den Gebrauch der Ger&#228;te dominierte und leider alles andere als &amp;#8220;smart&amp;#8221; war. Apple orientierte das Design des neuen iPhones an der Display-Technologie und schuf mit dem Multitouch-Display eine revolution&#228;re Benutzeroberfl&#228;che.&lt;/p&gt;&amp;#x000A;&lt;h6&gt;Designwert? 18 Milliarden Euro&lt;/h6&gt;&amp;#x000A;&lt;p&gt;Wie diese Qualit&#228;t in eine Quantit&#228;t umschl&#228;gt und Design zun&#228;chst zum Wachstums- und sp&#228;ter dann zum Werttreiber im Unternehmen wird, zeigen die Absatzzahlen des iPhones. Apple hat bewiesen, dass Designqualit&#228;t sich auch quantitativ in Verkaufszahlen niederschl&#228;gt. Wirft man einen Blick auf den Designwert des Unternehmens, das hei&#223;t den Wert, der sich aus dem designrelevanten Ertrag vor Zinsen und Steuern (&lt;span class="caps"&gt;EBIT&lt;/span&gt;), der Designst&#228;rke, der Designkontinuit&#228;t und der Bewertung des Designeigentums eines Unternehmens ergibt (vgl. &amp;#8220;Der Designwert &#8211; Eine neue Strategie der Unternehmensf&#252;hrung&amp;#8221; von Peter Zec und Burkhard Jacob, red dot edition, 2010), stellt man fest, dass auch dieser entsprechend hoch ist. Er betr&#228;gt mehr als 18 Milliarden Euro und macht einen nicht unerheblichen Anteil am Verm&#246;gen von Apple aus.&lt;/p&gt;&amp;#x000A;&lt;p&gt;Schaut man sich den iMac, den iPod Touch oder auch die MacBook-Serie von Apple an, erkennt man, mit welcher bemerkenswerten Effizienz und &#196;sthetik die Designer gestalten. Nichts scheint &#252;berfl&#252;ssig. Nichts kann man weglassen. Und doch er&#246;ffnen die Ger&#228;te den Benutzern schier grenzenlose Funktionen und M&#246;glichkeiten. Dabei sehen die Ger&#228;te so aus, als seien sie gar nicht gestaltet, weil sich ihre Form aus der f&#252;r den Benutzer unsichtbaren Verbindung zwischen den einzelnen Komponenten ergibt, die am Ende das Ganze, die Einheit ergeben. Die Apple-Designer verwenden viel Zeit darauf, die Dinge auf ein Minimum zu reduzieren. Dieses Qualit&#228;tsdenken entspringt einer Designphilosophie, die nicht von Technologie dominiert wird, sondern diese nutzt, um eine neue Qualit&#228;tserfahrung zu machen.&lt;/p&gt;</content>
  <created-at type="datetime">2010-02-05T13:46:59Z</created-at>
  <excerpt>Die Entw&#252;rfe des Apple-Chefdesigners Jonathan Ive revolutionierten die Computerbranche und pr&#228;gten das Design einer ganzen Generation von Consumer-Produkten. Sie zeigen aber auch, dass anspruchsvolles Design zum Werttreiber eines Unternehmens werden kann.</excerpt>
  <external type="boolean">false</external>
  <id type="integer">2298</id>
  <locked type="boolean" nil="true"></locked>
  <permalink>das-apple-design</permalink>
  <priority type="integer">0</priority>
  <published-at type="datetime">2010-02-09T01:00:49+01:00</published-at>
  <status type="integer">1</status>
  <text-type type="integer">7</text-type>
  <title>Das Apple-Design</title>
  <updated-at type="datetime">2010-02-08T23:00:49Z</updated-at>
  <user-id type="integer">38</user-id>
  <version type="integer">14</version>
</article>
