Journalismus und das Internet
Datum: 2009-12-26
Seit den 90er-Jahren schon versuchen Zeitungen, Pläne für das digitale Geldverdienen zu entwickeln. Doch ein Szenario wurde in den Redaktionsräumen oftmals als undenkbar angesehen und kaum diskutiert. Es lautete folgendermaßen: Digitale Tauschbörsen würden weiter wachsen. Passwortsperren würden unpopulär sein. Online-Werbung würde die Profite senken. Nutzer würden nicht gerne für einzelne Artikel bezahlen und auch weiterhin Copyrights verletzen; und sogar die abschreckende Wirkung von Strafprozessen gegen Nutzer und Tauschbörsenbetreiber würde nichts an dieser Situation ändern. Hardware- und Softwarefirmen würden ihrerseits nicht mit der Zeitungsindustrie kooperieren und keine technischen Sperren in ihre Produkte einbauen. Dieses Szenario hat sich weitestgehend bewahrheitet und die Pläne der Chefetagen als Wunschdenken entlarvt.
Zeit des Umbruchs
Die Eigenheit von Momenten des Umbruchs ist, dass Altes schneller obsolet wird, als Neues geschaffen werden kann. Institutionen werden von Ereignissen eingeholt und überholt. Traditionelle Verträge und Allianzen können weder einfach repariert noch schnell ersetzt werden. Und sogar die Revolutionäre können nicht vorhersagen, was die Revolution bringen wird.
Heute befinden wir uns in einer solchen Situation: Die digitale Revolution findet statt – und wir können sie nicht wegdiskutieren. Fakt ist: Druckereien sind extrem teuer. Um die Produktionskosten wieder einzuspielen, sind Zeitungen daher auf zahlreiche Werbekunden angewiesen. Diese wiederum inserieren in Publikationen, die eine möglichst große Anzahl von Lesern erreichen. Das Ergebnis dieser einfachen Rechnung ist, dass Zeitungen häufig Marktmonopole entwickeln oder sich auf bestimmte Zielgruppen spezialisieren. Wettbewerb findet nur begrenzt statt, stattdessen entwickeln sich jedoch enge Beziehungsgeflechte zwischen den werbeschaltenden Unternehmen und den Zeitungen. Doch diese Dynamik ist durch das Internet ins Wanken gekommen. Im Netz zahlt jeder gleichermaßen für die Infrastruktur und kann sie auch gleichermaßen nutzen.
Journalismus, nicht Zeitungen!
Zeitungsmacher argumentieren, dass sie eine wichtige Rolle in der Gesellschaft wahrnehmen: Von Gemeinderatssitzungen bis zu Debatten auf nationaler Ebene findet sich bisher alles auf den Seiten der Zeitungen wieder.
Unsere Gesellschaft braucht aber keine Zeitungen, sie braucht den Journalismus. Viele Jahre lang waren diese beiden Begriffe synonym. Gewissermaßen als Unfall der Geschichte war diese Entwicklung lange Zeit auch praktisch. Doch es ist an der Zeit, dem Journalismus neue Wege aufzuzeigen. Wir müssen unseren Fokus von den Zeitungen auf die Gesellschaft verlagern und dabei pragmatisch denken. Anstatt existierende Strukturen und Institutionen zu verteidigen, müssen wir Ansätze verfolgen, die machbar sind und Erfolg versprechen. Wir müssen Experimente wagen, anstatt uns vor der Realität zu verstecken. Wir müssen Amateurjournalisten ansprechen und zur Finanzierung mit Stiftungen kooperieren. Wir müssen akzeptieren, dass wir oftmals scheitern werden. Doch mit der Zeit werden wir in der Lage sein, einen zukunftsfähigen Journalismus aufzubauen.
Niemand weiß genau, was passieren wird, wenn Journalisten massenhaft von den Printmedien entlassen werden. Die Technologie des Internets existiert seit etwa 40 Jahren, doch erst in den vergangenen zehn Jahren ist das Netz zum Alltagsthema vieler Menschen geworden. Wir sind gerade erst im digitalen Zeitalter angekommen – wie sollen wir jetzt schon die Zukunft vorhersagen können?
























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