Die Hochschulen werden missbraucht. Sie werden zu Parzellen des auftragsorientierten Forschens und Lehrens umfunktioniert, an denen spezialisierte Leistungsträger herangezüchtet werden. Die Möglichkeiten der Mitgestaltung werden eingeschränkt, schließlich gilt es, Entscheidungsprozesse zu beschleunigen. Statt Hochschulverwaltungen gibt es jetzt Hochschulmanagements. Wettbewerbsorientierte Exzellenzcluster gelten nunmehr als das einzig wichtige Gütezeichen wissenschaftlichen Arbeitens. Mit freier Entfaltung und Streben nach Erkenntnis hat das freilich nichts mehr zu tun.
Kampf um die Finanzierung
Von Bund und Ländern in die wirtschaftliche Abhängigkeit entlassen, müssen Hochschulen betriebswirtschaftlich Erträge erzielen, die ihnen den Zugang zu öffentlichen Geldern erst sichern – Gelder, die der Hochschule dann allerdings nicht in ihrer Gesamtheit zur Verfügung stehen.
Der Kurs lautet: Schotten dicht! Auf der Jagd nach den begabtesten Köpfen sind willkürliche Auswahlgespräche und konformistische Leistungsbereitschaft zu den entscheidenden Kriterien geworden. Von den Studenten wird erwartet, dass sie sich brav auf vorgegebene Inhalte beschränken, um möglichst bald einen produktiven Beitrag leisten zu können. Über den Tellerrand blicken? Tut mir leid, keine Zeit!
Pluralität und Toleranz als Nährboden für wissenschaftliche Exzellenz
Die Aufgabe der Hochschulen muss jedoch eine andere sein: Für moderne Gesellschaften sind sie ein lebenswichtiger Ort der Erkenntnis. Denn nur wenn sie Wissen hervorbringt und weitergibt, kann sich eine Gesellschaft entwickeln. Nur wenn sie sich fortwährend selbst kritisch analysiert, gewinnt sie neue Perspektiven. Und nur, wenn jeder, der will, daran teilhaben kann, entstehen Pluralität und Toleranz – der wichtigste Nährboden für wissenschaftliche Exzellenz. Es gilt daher, die Unabhängigkeit der Hochschulen zu wahren und ihren Stellenwert neu zu bestimmen.
Statt also das Engagement widerständiger Studenten zu diffamieren, ist es an der Zeit, ihrer Kritik Gehör zu schenken. Sie sind nicht die verlorene Generation. Sie wollen aber auch nicht die Versuchskaninchen sein. Studiengänge sollten reformiert, aber nicht zusammengestrichen werden. Nicht die Vergleichbarkeit, sondern die Vernetzung von Forschungsprojekten muss das Ziel einer Europäisierung des Hochschulraumes sein.
Nach zehn Jahren Bologna ist es an der Zeit, Bilanz zu ziehen. Wenn wir diesen Zeitpunkt nicht nutzen für ein Nachdenken über den Wert und die Ausgestaltung von Bildung, verkommt das höchste gesellschaftliche Gut zu einem Produkt, das nicht mehr wert ist als die Statistiken, die man selbst gefälscht hat.








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