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  <claim>Knall auf Fall</claim>
  <content>&lt;p&gt;Die friedliche Kernenergienutzung und der Nuklearwaffenbau sind siamesische Zwillinge, denn sie fu&#223;en auf den gleichen kernphysikalischen Grundlagen. Die Kerntechnik ist seit Beginn des Nuklearzeitalters eine ambivalente Technologie: Sie kann f&#252;r die friedliche Energieerzeugung ebenso genutzt werden wie f&#252;r den Bombenbau. Die Geschichte des Nuklearzeitalters ist voll von Beispielen, in denen die vermeintlich zivile Nutzung der Kerntechnik auch milit&#228;rische Hintergedanken von Staaten offenbarte und die Widerspr&#252;che offen zutage traten. Indien f&#252;hrte 1974 einen &amp;#8220;friedlichen Nukleartest&amp;#8221; durch und ist heute Nuklearmacht. Nordkorea nutzte sein Plutonium zur Energieproduktion und stellte seine getestete Bombe daraus her. Irak betrieb ein geheimes Milit&#228;rprogramm im Schatten seines Zivilprogramms. Andererseits betreiben Staaten Kerntechnik ausschlie&#223;lich f&#252;r die zivile Energieproduktion und lassen dies umfassend &#252;berwachen. Dennoch sprach &lt;span class="caps"&gt;IAEO&lt;/span&gt;-Generalsekret&#228;r El-Baradei von 30 &amp;#8220;virtuellen Kernm&#228;chten&amp;#8221;, die &#252;ber das Know-how und Kernmaterial f&#252;r den Bombenbau verf&#252;gen.&lt;/p&gt;&amp;#x000A;&lt;p&gt;Was also ist n&#246;tig, um eine Atomwaffe zu bauen? Zun&#228;chst sind die wissenschaftlich-technischen Prinzipien zur Erzeugung einer explosiven Kettenreaktion f&#252;r Staaten und Einzelpersonen heute kein Geheimnis mehr. Die kernphysikalischen Grundlagen sind weitgehend bekannt und nachlesbar. Entscheidend ist zun&#228;chst, in den Besitz von &amp;#8220;waffenf&#228;higem Material&amp;#8221; wie Plutonium oder hochangereichertem Uran zu kommen. Dies ist durch den Ankauf von waffenf&#228;higem Material oder durch eigene Herstellung m&#246;glich. Zur Eigenproduktion dieser gef&#228;hrlichen Stoffe ben&#246;tigt man einen Brennstoffkreislauf, der mit der Gewinnung von Natururan in Minen beginnt, &#252;ber die Verarbeitung und Herstellung von Brennstoff f&#252;r Reaktoren f&#252;hrt und bei dem am Ende waffenf&#228;higes Plutonium oder angereichertes Uran gewonnen wird. Uran muss in speziellen gro&#223;technischen Anlagen zum Beispiel in Tausenden Gaszentrifugen &amp;#8220;angereichert&amp;#8221; werden. Ist der Anreicherungsgrad gering, zum Beispiel 4 Prozent, kann das Endprodukt f&#252;r Reaktorbrennst&#228;be zur Energieproduktion genutzt werden. Leitet man dieses Uran wieder durch die Anreicherungsanlage, so kann am Ende hochangereichertes Uran gewonnen werden, das als Bombenstoff dient.&lt;/p&gt;&amp;#x000A;&lt;h6&gt;Menge einer Pampelmuse reicht f&#252;r Bombe&lt;/h6&gt;&amp;#x000A;&lt;p&gt;Der andere Bombenstoff, das hochgef&#228;hrliche und giftige Plutonium, entsteht nach kurzer Bestrahlung in Kernreaktoren und muss danach aus den Brennelementen herausgel&#246;st werden. In speziellen Wiederaufarbeitungsanlagen wird dies durch komplexe, aber beherrschbare chemische Verfahren bewerkstelligt. Hier sind geeignete Technologien und ingenieurtechnische Verfahren nutzbar, die auch bei der zivilen Kerntechnik Anwendung finden. Ein Exportverbot dieser Technologien ist seit Langem &#252;berf&#228;llig. Zum Bombenbau ist nur wenig waffenf&#228;higes Material n&#246;tig. Je nach Erfahrungsgrad gen&#252;gt eine Menge von acht Kilogramm Plutonium oder 15 Kilogramm hochangereichertem Uran. Eine Menge, die nicht gr&#246;&#223;er ist als eine gro&#223;e Pampelmuse, reicht aus, um eine einfache Bombe vom Hiroshimatyp herzustellen.&lt;/p&gt;&amp;#x000A;&lt;p&gt;Die zweite Stufe des Bombenbaus ist der Entwurf und Bau eines Kernsprengkopfes, der zum Beispiel auf einer Rakete eingesetzt werden kann. Insbesondere die Sprengstofftechnik, die daf&#252;r sorgt, dass der Kern des Bombenmaterials die explosive Kettenreaktion in Gang setzt, ist kompliziert, aber l&#246;sbar. Hinweise und Erfahrungen hierf&#252;r k&#246;nnten von anderen Kernwaffenstaaten oder ehemaligen Bombenbauern stammen. Eine einfache Kernwaffe aus hochangereichertem Uran ist relativ einfach zu realisieren. Geheimforschung von einigen Jahren ist dennoch notwendig, schon alleine, um eine passende Konfiguration aus m&#246;glichst wenig Bombenmaterial zu erreichen. Auch m&#252;sste sichergestellt sein, dass solch ein Sprengkopf &amp;#8220;zuverl&#228;ssig&amp;#8221; funktioniert.&lt;/p&gt;&amp;#x000A;&lt;h6&gt;Entwicklung dauert Jahre&lt;/h6&gt;&amp;#x000A;&lt;p&gt;F&#252;r eine einfache Uranbombe ist ein Test nicht zwingend n&#246;tig, f&#252;r eine Plutoniumbombe jedoch schon. Ein Staat, der seine Atomwaffenf&#228;higkeit nachweisen m&#246;chte, w&#252;rde auch einen unterirdischen Test oder spezielle Experimente zur Detonationstechnik durchf&#252;hren. Schlie&#223;lich m&#252;ssen die diversen Konfigurationen getestet werden. Alles in allem sind also einige Jahre zus&#228;tzlich n&#246;tig, um nach der Gewinnung des waffenf&#228;higen Bombenstoffes ein Sprengkopfdesign herzustellen und zu testen. Ist dies gelungen, so w&#252;rde schlie&#223;lich die Produktion mehrerer Sprengk&#246;pfe beginnen. Das daf&#252;r verwendete Nuklearmaterial m&#252;sste schlie&#223;lich f&#252;r die Bombenproduktion genutzt werden und st&#228;nde nicht mehr f&#252;r die zivile Energieproduktion zur Verf&#252;gung.&lt;/p&gt;&amp;#x000A;&lt;p&gt;Der Streit um das Nuklearprogramm Irans ist ein Beispiel f&#252;r die Ambivalenz der Kerntechnik. Iran steht nach den &lt;span class="caps"&gt;NVV&lt;/span&gt;-Statuten die friedliche Nutzung von Kerntechnologie prinzipiell zu. Allerdings wurde das Vertrauen, dass Iran lediglich die zivile Option anstrebt, durch die Entdeckung nicht bekannter Anlagen und Aktivit&#228;ten erheblich ersch&#252;ttert. Dieses Beispiel macht deutlich, dass nur eine Kombination von intrusiven, dauerhaften und umfassenden Kontrollen gew&#228;hrleisten kann, dass ein Staat nicht das Recht auf friedliche Kernenergie nutzt, um daraus ein milit&#228;risches Programm zu machen. Die anstehende &#220;berpr&#252;fungskonferenz f&#252;r den Atomwaffensperrvertrag im Mai 2010 in New York muss dringend neue Verifikationsverfahren, R&#252;stungskontrollinitiativen und Exportverbote f&#252;r Kerntechnologie ausarbeiten, um weitere Proliferationsf&#228;lle in Zukunft zu verhindern.&lt;/p&gt;</content>
  <created-at type="datetime">2009-11-18T15:28:27Z</created-at>
  <excerpt>Das Wissen ist schnell beschafft, doch die Entwicklung dauert Jahre: Der Bau einer Atombombe ist nicht so einfach, wie er scheint. Vor allem wenn die Bombe zuverl&#228;ssig funktionieren soll.</excerpt>
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