Wer Gott aufgibt, der löscht die Sonne aus, um mit einer Laterne weiterzuwandeln. Christian Morgenstern

Brennender Befürworter

Deutschland und der Atomwaffensperrvertrag haben eine bewegte Geschichte hinter sich. Anfangs überwogen in Bonn die Sorgen, doch die Welt hat sich seit den 60er-Jahren verändert - und so wurde aus den einstigen Bedenkenträgern eine tragende Säule der Nichtverbreitungspolitik.

Die Bewahrung und Stärkung des Atomwaffensperrvertrags ist seit vielen Jahren fester Bestandteil deutscher Außen- und Sicherheitspolitik. Dies ist keineswegs selbstverständlich, ging doch dem Vertragsbeitritt der Bundesrepublik Deutschland eine äußerst kontroverse Debatte voraus. “Morgenthau-Plan im Quadrat”, schimpfte noch Exbundeskanzler Adenauer, und Franz Josef Strauß verstieg sich zu der Formulierung eines “Versailles von kosmischen Ausmaßen”.

Die mit diesen drastischen Worten artikulierten Bedenken trieben zu jener Zeit viele deutsche Politiker um. Erstens ging es um industriepolitische Fragen. Die Kernkraft wurde damals als unverzichtbare Technologie zur Sicherstellung des wachsenden Energiebedarfs im modernen Industriezeitalter, aber auch als bedeutsames deutsches Exportprodukt angesehen. Zweitens ging es um harte Sicherheitsfragen. Würde der Atomwaffensperrvertrag die nukleare Sicherheitsgarantie der NATO für die Bundesrepublik beeinträchtigen? Die Bedeutung dieser Frage zeigte sich nicht zuletzt daran, dass die Bundesregierung vor Vertragsunterzeichnung eine Erklärung der USA erwirkte, in der Washington die nukleare Sicherheitsgarantie im Rahmen der NATO erneut bekräftigte.

Die Krise des Atomwaffensperrvertrages

Heute steht der Atomwaffensperrvertrag am Scheideweg. Drei Herausforderungen sind von besonderer Relevanz:
Neue Atommächte: Nordkorea, das 2003 seinen Austritt erklärte, schickt sich nach seiner im Mai 2009 erfolgten zweiten Kernexplosion an, zur etablierten Atommacht zu werden. Das Vertragsmitglied Iran verfolgt ein angeblich friedliches Nuklearprogramm, bei dem die internationale Atomenergiebehörde jedoch die Sorge einer möglichen militärischen Dimension hegt. Beide Fälle bergen die Gefahr, dass weitere Staaten in der jeweiligen Region zum Schutz ihrer nationalen Sicherheitsinteressen von ihrem Verzicht auf Kernwaffen Abstand nehmen. Destabilisierende nukleare Rüstungswettläufe wären die Folge.

“Renaissance der Kernenergie”: Immer mehr Schwellen- und Entwicklungsländer interessieren sich für den Erwerb und Betrieb von Kernkraftwerken. Daher ist es zum einen wichtig, dass die Überwachungsmöglichkeiten der Internationalen Atomenergieagentur (IAEA) zum Ausschluss eines militärischen Missbrauchs friedlicher Nuklearprogramme gestärkt werden. Zum anderen kommt es darauf an, diejenigen Technologien wie Urananreicherung und Wiederaufbereitung, die sich besonders für militärische Zweckentfremdung eignen, möglichst weitgehend zu internationalisieren.

Abrüstung: Seit Langem klagen viele blockfreie Länder, das im Atomwaffensperrvertrag durch die Kernwaffenmächte gegebene Abrüstungsversprechen werde vernachlässigt. US-Präsident Obama versucht dem mit seiner Vision von einer nuklearwaffenfreien Welt entgegenzutreten.

Deutschlands Rolle heute

Inzwischen hat sich Deutschlands Haltung dem Atomwaffensperrvertrag gegenüber aus drei Gründen gewandelt: Die industriepolitische Bedeutung der Kernenergie hat stark abgenommen; nach Ende des Kalten Krieges ist die nukleare Garantie Amerikas weniger wichtig; dafür haben die Gefahren der nuklearen Proliferation aber deutlich zugenommen. Daher engagiert sich Deutschland in allen drei genannten Problembereichen.

Deutschland ist also von einem skeptischen und zögerlichen Mitglied des Atomwaffensperrvertrags zu einem tragenden Pfeiler des internationalen Regimes zur Verhinderung des Entstehens immer neuer Atommächte geworden. Angesichts der fundamentalen Krise des nuklearen Nichtverbreitungsregimes sollte Deutschland auch künftig dieses Profil weiter stärken.

Leserbriefe

Aus der Debatte

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